04.12.2018

Park&Ride mit Dienstwagen: Wie sich hier Steuern sparen lassen

Dauerstau – in Ballungsräumen oft die Regel. Glücklich wer ein Park-&-Ride-Angebot, noch glücklicher, wer einen Dienstwagen nutzt. Doch das Finanzamt fährt mit. Hier ein Tipp, wie man dabei Steuern sparen kann.

Park & Ride Dienswagen

Park&Ride – wie attraktiv sind sie für Fahrer von Firmenwägen?

Im Jahr 2016 betrug der Anteil gewerblich zugelassener Pkw in Deutschland 65 Prozent gegenüber nur 35 Prozent privater Halter. Der in Deutschland zunehmend große Bedarf an P+R-Anlagen legt nahe, dass vermutlich auch ein Großteil der Nutzer von Dienstfahrzeugen diese Anlagen nutzen würde, wenn, ja wenn auch der steuerliche Footprint entsprechend verlockend wäre. Ist er das?

Grundsätzlich ist bei der steuerlichen Berechnung der geldwerte Vorteil aus der Nutzung eines Dienstwagens zugrunde zu legen. Dabei zählt die gesamte Strecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Unter bestimmten Voraussetzungen brauchen Nutzer lediglich eine Teilstrecke zu versteuern.

Erhält ein Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber einen Dienstwagen, den er auch privat nutzen darf, ist der geldwerte Vorteil aus der privaten Nutzung vom Arbeitnehmer zu versteuern. Der geldwerte Vorteil wird in der Regel pauschal mithilfe der Ein-Prozent-Regelung ermittelt. Zusätzlich muss auch der monatliche geldwerte Vorteil aus den Fahrten zwischen der Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers versteuert werden. Dazu wird die Entfernung beider Orte mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises des Firmenfahrzeugs multipliziert. Das aber kann bei der Steuer nicht unbeträchtlich zu Buche schlagen.

Wie berechnet sich der steuerliche Vorteil eines Dienstwagens?

Ein Beispiel: Einem Mitarbeiter steht ein Dienstwagen mit einem inländischen Bruttolistenpreis in Höhe von 30.000 Euro zur Verfügung. Er darf ihn auch privat sowie für Fahrten zwischen seiner Wohnung in Tornesch und seiner 31 km entfernten ersten Tätigkeitsstätte in Hamburg nutzen. Aufgrund der schlechten Verkehrslage in Hamburg fährt er mit dem Auto nur bis nach Pinneberg und steigt dort in die S-Bahn ins von da nur noch 15,5 km entfernte Hamburg.

Geldwerter Vorteil aus der Privatnutzung:

1 % × 30.000 € = 300 € pro Monat

Geldwerter Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte:

grundsätzlich: 0,03 % × 30.000 € × 31 km = 279 €

Die Steuerbelastung beträgt insg. also fast 600 €.

Lässt sich die Steuerlast bei Nutzung von P+R mindern?

Unter ganz bestimmten Voraussetzungen ja. Auch wenn der Arbeitnehmer mit dem Dienstwagen nur einen Teil seines Arbeitswegs zurücklegt, ist generell die gesamte Strecke bei der Berechnung des geldwerten Vorteils zu berücksichtigen. Sind jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt, kann auch nur die tatsächlich mit dem Firmenfahrzeug zurückgelegte Strecke herangezogen werden.

In unserem Beispiel würde dies bedeuten:

für die Teilstrecke: 0,03 % × 30.000 € × 15,5 km = 139,50 €

Was sind die Voraussetzungen, damit dieser Vorteil greifen kann?

Es kann eine von zwei Voraussetzungen sein:

  1. Entweder der Arbeitgeber stellt dem Mitarbeiter den Dienstwagen nur für diese Teilstrecke zur Verfügung. Was heißt Teilstrecke? Hierzu hat das Bundesministerium der Finanzen im April 2018 in einem Schreiben ausgeführt:
    das Fahrzeug wird nur für eine Teilstrecke zur Verfügung gestellt, wenn der Arbeitgeber ein Nutzungsverbot für die restliche Teilstrecke ausspricht. Dieses Nutzungsverbot sollte schriftlich festgehalten und muss nicht begründet werden.
    Anders als in einem vorherigen Schreiben des Ministeriums aus dem Jahre 1996 hat der Arbeitgeber nun die Einhaltung des Nutzungsverbots nicht mehr zu überwachen. Experten raten gleichwohl, dies trotzdem einzuhalten.
  2. Oder der Arbeitnehmer erbringt einen Nachweis, dass er die restliche Teilstrecke mit einem anderen Verkehrsmittel zurückgelegt hat. Dies kann beispielsweise eine Jahresbahnkarte sein, die auf ihn ausgestellt ist. Hier raten Experten Arbeitgebern, die Dienstwagen zur Verfügung stellen, mit dem Arbeitnehmer nur einen Teil des Arbeitswegs zurücklegen, ein schriftliches Nutzungsverbot für die restliche Strecke auszusprechen. Folge: der Arbeitnehmer zieht einen geringeren geldwerten Vorteil aus der Nutzung des Firmenwagens für Fahrten zwischen Wohn- und erster Tätigkeitsstätte – und hat auch nur einen geringeren Betrag zu versteuern.

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Autor: Franz Höllriegel