12.12.2019

Neuregelungen seit dem 01.07.2019 für Midijobs – jetzt bis 1300 € gültig

Mini, Midi, Maxi – man kommt sich vor wie beim Modeschöpfer. Doch es geht nicht um Rocklängen, es geht um Joblängen. Wer sozialversichert bleiben möchte, aber nur etwas, der entscheidet sich für einen Midijob. Hierfür gibt es seit dem Sommer neue Beitragssätze.

Midijob Neuregelung

Was soll das sein: ein Midijob?

Gewissermaßen ein etwas längerer Minijob, dafür etwas teurer. Bei einem Minijob fallen, wie wir wissen, auf Arbeitnehmerseite keine Sozialversicherungsbeiträge an, bei einem normalen Job – man könnte ihn Maxijob nennen, aber soweit geht die offizielle Wortspielerei denn doch nicht – in voller Höhe. In einem Midijob beschäftigte Mitarbeiter verdienten bis Juni 2019 zwischen 450,01 Euro und 850 Euro im Monat. Bei einem Verdienst irgendwo dazwischen in dieser Gleitzone fallen zwar auch Sozialversicherungsbeiträge an, allerdings nicht in voller Höhe. Der Arbeitnehmeranteil ist vielmehr nach dem Einkommen gestaffelt und steigt mit dem Verdienst. Erst bei dem Betrag von 850 Euro fällt die volle Beitragshöhe an wie für normale Arbeitsverhältnisse.

Wie berechnet man die Beitragshöhe eines Midijobs?

Nach einer aufwendigen Formel. Herauskommt eine Staffelung. Sie bedeutet eine Beitragsentlastung für Arbeitnehmer. Früher jedoch erwarben sie Rentenansprüche nur für die reduzierten Beiträge. Ihre Rente fällt also in der Regel nur gering aus. Beschäftigte konnten daher nach altem Recht auf die Beitragsreduzierung verzichten. Das hat zur Folge, dass sie Rentenversicherungsbeiträge in voller Höhe entrichteten und dafür die Rente auch nach dem tatsächlichen Verdienst berechnet wurde. Das „Gesetz über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung“ brachte am 01.07.2019 für Midijobs einige Neuregelungen.

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Was gilt seit dem 01.07.2019?

Das Grundprinzip der Midijobs blieb auch nach der neuen gesetzlichen Regelung bestehen. Aus „Gleitzone“ wurde jedoch „Übergangsbereich“. Außerdem stieg die Entgeltgrenze von 850 Euro auf 1.300 Euro monatlich. Ferner berechnen sich die Rentenansprüche für alle im Übergangsbereich beschäftigten Arbeitnehmer so, als hätten sie die vollen Rentenbeiträge entrichtet. Das bisher geltende Wahlrecht ist durch die Neuregelung nicht mehr erforderlich und entfällt.

Wann liegt kein Midijob vor?

Die besonderen Regelungen zum Übergangsbereich gelten nicht in jedem Beschäftigungsverhältnis, insbesondere nicht

  • für Auszubildende und Praktikanten
  • bei Beschäftigungen, für deren Beitragsberechnung fiktive Arbeitsentgelte zu Grunde gelegt werden, zum Beispiel bei behinderten Menschen in dafür anerkannten Werkstätten, bei Mitgliedern geistlicher Genossenschaften, Diakonissen und Angehörigen ähnlicher Gemeinschaften,
  • für Arbeitsentgelte aus Wiedereingliederungsmaßnahmen nach einer Arbeitsunfähigkeit, sofern das Arbeitsentgelt vor der Maßnahme mehr als 850 Euro bzw. 1.300 Euro betrug,
  • für versicherungspflichtige Arbeitnehmer, deren monatliches Arbeitsentgelt regelmäßig mehr als 850 Euro bzw. 1.300 Euro beträgt und nur wegen Kurzarbeit oder im Baugewerbe wegen schlechten Wetters so weit gemindert ist, dass das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt die obere Gleitzonengrenze von 850 Euro bzw. 1.300 Euro unterschreitet,
  • wenn infolge mehrerer Beschäftigungen die Grenze von 850 Euro bzw. 1.300 Euro überschritten wird sowie
  • für Teilnehmer am freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr oder am Bundesfreiwilligendienst.

Wie berechnet sich der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung?

Sowohl nach altem als auch nach neuem Recht aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt. Die Reduzierung der Beiträge gilt nur für die Arbeitnehmerbeiträge.

Was passiert, wenn Sie als Arbeitgeber einen Minijobber nicht richtig einstufen?

Dann müssten Sie dessen Sozialbeiträge nachzahlen. Einen Rückerstattungsanspruch gegen den Arbeitnehmer hätten Sie nur für die letzten drei Monate. Sie könnten die nachgezahlten Sozialabgaben mit künftigen Lohnzahlungen verrechnen. Sobald Sie merken, dass Ihre Schätzung des Verdienstes des vermeintlichen Minijobbers für das laufende Jahr falsch war, müssten Sie das für die Zukunft berichtigen. Bei Berechnung des durchschnittlichen Einkommens sind auch Weihnachts- und Urlaubsgeld zu berücksichtigen. Insgesamt darf der Verdienst 15.600 Euro im Jahr nicht übersteigen. Versäumen Sie als Arbeitgeber aber umgekehrt, Ihren Mitarbeiter als Midijobber einzustufen, hat dieser wiederum einen Anspruch auf Beitragsrückerstattung durch die Sozialversicherungsträger.

Autor: Franz Höllriegel