21.11.2016

Neue Verschonungsregeln für Firmenerben

Erbschaftsteuerreform rückwirkend seit 1. Juli in Kraft Was lange währt – wird endlich gut? Wenn das stimmt, müsste bei der Erbschaftsteuer nun alles bestens bestellt sein. Doch kaum ist die Reform des Gesetzes in Kraft, melden sich die Kritiker zu Wort. Allen voran Bayerns Finanzminister Markus Söder. Er fordert einen grundlegenden Wandel.

Erbschaftssteuer: Unternehmen fordern Abschaffung

Wenn der Staat zweimal kassiert

Überall, wo Geld fließt, kassiert der Staat einmal mit. Außer bei der Rente. Und auch die Erbschaftsteuer bildet eine Ausnahme von der Regel. Der bayerische Finanzminister Markus Söder kritisiert jetzt diese Abgabe. Sie werde auf bereits versteuertes Geld erhoben.

Erbschaftsteuer bald Ländersache?

Söder fordert einem Bericht der „Augsburger Allgemeinen“ zufolge mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen einen grundlegen Wandel. Die Bundesländer sollten selbst über die Erhebung der Erbschaftsteuer entscheiden. Der CSU-Politiker warb auf Einladung des Bundes der Steuerzahler in Bayern jetzt vor knapp 350 Vertretern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in München für seine Reformpläne.

Bayern will Unternehmen entlasten

Diese sehen vor, Steuerzahler und mittelständische Unternehmen im Freistaat zu entlasten und Abgaben zu senken. Zudem gehe es den Staat nichts an, wie viel Vermögen eine Familie anhäuft.

Aktueller Stand

Nach dem Bundestag hatte unlängst auch der Bundesrat den neuen Vorgaben zur Steuerbegünstigung von Firmenerben zugestimmt. Damit können jetzt auch schärfere Verschonungsregeln rückwirkend zum 1. Juli in Kraft treten.

 

Kernpunkte der Reform sind u.a.

  • eine Bedürfnisprüfung bei Betriebsvermögen ab 26 Millionen Euro je Erbfall. Dabei muss der Erbe eine eventuelle Überforderung durch die Zahlung der Erbschaftsteuer nachweisen, allerdings auch unter Offenlegung seines Privatvermögens. Dieses kann zur Hälfte zur Besteuerung herangezogen werden. Kleinere Unternehmen bleiben im Genuss weiterer Steuervorteile.
  • Stundung von Steuer aus Privatvermögen für sieben Jahre, im ersten Jahr zins- und tilgungsfrei, danach mit sechsprozentiger Verzinsung und jährlicher Tilgung zu je einem Sechstel.
  • Will man das Privatvermögen nicht offenlegen, kann ein Abschlag gewährt werden. Mit wachsendem Unternehmensvermögen muss ein größerer Teil des Betriebsvermögens versteuert werden, umso mehr und schneller, je größer das Unternehmensvermögen.
  • Nicht verschont werden Erbfälle ab 90 Millionen Euro.
  • Kann der Erbe eines Familienunternehmens nicht frei über Gewinne oder Verkäufe entscheiden, gilt ein Abschlag von maximal 30 Prozent. Den gibt es nur, wenn neben Steuern nach dem Gesellschaftsvertrag pro Jahr maximal 37,5 Prozent des Gewinns entnommen werden dürfen.
  • Bisher sind Betriebe mit bis zu 20 Arbeitnehmern vom Nachweis des Arbeitsplatzerhalts befreit. Das gilt jetzt schon für Betriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern, Saisonarbeiter ausgenommen.

 

GmbH-Brief AKTUELL“-Sonderausgabe Erbschaftsteuer

Aus aktuellem Anlass hat der Newsletter für Steuervorteile „GmbH-Brief AKTUELL“ dem Thema eine Sonderausgabe (14/2016 Erbschaftsteuer 2016) gewidmet. Neben den Grundlagen im Zivilrecht und der juristischen Vorgeschichte vor dem Bundesverfassungsgericht gehen die Autoren dabei auf die Perspektiven unter der Erbschaftsteuerreform sowie insbesondere auf die Bedürfnisprüfung ein.

 

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Autor: Franz Höllriegel