27.10.2017

Neue Regeln bei Finanzberatung durch die Bank

Bankkunden müssen sich umstellen. Ab kommendem Jahr gelten neue Regeln für die Beratung. Telefongespräche mit einem Wertpapierexperten werden aufgezeichnet. Das sehen neue europäische Regeln für Wertpapiergeschäfte (MiFID II) vor. Sie treten zum Jahreswechsel in Kraft.

Wertpapiergeschäfte

Neue Regeln bei Finanzberatung ab Januar

MiFID ist das Akronym für die englische Bezeichnung Markets in Financial Instruments Directive. Es steht für die Richtlinie 2004/39/EG (MiFID I) der Europäischen Union (EU) aus dem Jahre 2004 zur Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Binnenmarkt. Zum 3. Januar 2018 tritt an ihrer Stelle die Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II) in Kraft. Sie sieht eine Reihe von Bestimmungen für Banken im Wertpapiergeschäft vor.

Beratungsgespräche werden aufgezeichnet

Wie die „Welt“ berichtet, sehen die neuen europäischen Regeln für Wertpapiergeschäfte vor, das Beratungsgespräche aufgezeichnet werden müssen. So muss ein Finanzberater vor einer telefonischen Beratung dem Kunden erklären, dass das Gespräch aufgezeichnet wird. Will er das nicht und wünscht trotzdem die Beratung, muss er persönlich in der Filiale erscheinen. Jedes Wort zwischen ihm und dem Berater wird am Telefon also künftig festgehalten. Dadurch soll sich bei Rechtsstreitigkeiten leichter nachvollziehen lassen, ob in dem Gespräch beispielsweise ausreichend über die Risiken des empfohlenen Finanzprodukts gesprochen wurde. In den kommenden Wochen werden alle Kunden einen Brief von ihrer Bank erhalten, in dem die neuen Vorgaben erklärt werden.

Mehr Kostentransparenz

Neben der Aufzeichnungspflicht von Telefongesprächen sieht die neue Richtlinie eine neue Kostentransparenz vor. Künftig erhält jeder Kunde vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag eine genaue Aufstellung, wie viel ihn das Finanzprodukt kostet – mit Darstellung der Kosten in Prozent des Anlagebetrags wie auch als absolute Größe in Euro und Cent. Um sich vor dem Wertpapierkauf ein möglichst umfassendes Bild machen zu können, soll der Kunde zudem erfahren, was es ihn kostet, wenn er das Produkt später wieder verkaufen will.

Geeignetheitserklärung statt Beratungsprotokoll

Die schriftliche Zusammenfassung des Beratungsgesprächs hieß bislang Beratungsprotokoll und wird dem Kunden ab Januar unter dem Namen „Geeignetheitserklärung“ ausgehändigt werden. Darin hält der Berater fest, warum er dieses oder jenes Produkt dem Kunden empfohlen hat und warum die Bank dies angesichts des persönlichen Risikoappetits und der Kapitalmarkterfahrung für geeignet hält.

Eine Milliarde Euro für Umstellung der Banken

Die Banken verweisen auf durch die Umsetzung der neuen Regeln entstehende Kosten. „Wir erwarten bis zu einer Milliarde Euro für die Umstellung, dazu kommen noch laufende Kosten. Dieses Geld könnten die Banken an anderer Stelle gut gebrauchen“, zitiert der „Welt“-Bericht Herbert Jütten, Geschäftsführer des Bankenverbandes BdB. Die Institute seien gezwungen, zum Jahreswechsel „Berge von Papier“ zu versenden, so Jütten. Auf die 1900 Banken in Deutschland verteilt, veranschlagt die Zeitung den Durchschnittsbetrag je Bank rein rechnerisch auf eine halbe Million Euro.

Kein europaweites Provisionsverbot

Ein europaweites Provisionsverbot wird es nicht geben. Provisionen können Interessenkonflikte verursachen. Sie sind deshalb in Deutschland grundsätzlich unzulässig. Kunden sollen aber, so Jütten, wählen können, ob sie die Beratung indirekt mittels Provisionen oder direkt per Honorar bezahlen wollen. Doch wird es nach wie vor Ausnahmen geben. Sie könnten von den Banken zur Regel erhoben werden. Können die Institute nachweisen, dass das Geld zur Qualitätsverbesserung der Beratung eingesetzt wird, dürfen sie weiterhin Provisionen annehmen. Dazu kann gehören, dass sie eine breite Palette mit Produkten unterschiedlicher Hersteller anbieten. Auch eine jährliche Depotüberprüfung wird von den Aufsichtsbehörden als „Qualitätsverbesserung“ anerkannt.

 

Tipp der Redaktion

„Meisterbrief AKTUELL“ (13/2017) hat in einem umfassenden Beitrag zusammengestellt, was sich durch die MiFID-II-Umsetzung konkret für Handwerksbetriebe in ihrer Eigenschaft als Bankkunde ändern wird.

 

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Autor: Franz Höllriegel