26.10.2018

Morgen investieren, heute Steuer sparen – Wie funktioniert der IAB?

Eine saftige Steuerforderung ist absehbar. Schnell noch den Kauf einer Luxus-Limousine für nächstes Jahr einplanen und das Unheil abwenden? Ganz so einfach funktioniert es denn doch nicht mit dem IAB. Gewusst wie - dann lassen sich aber durchaus Steuern sparen.

Investitionsabzugsbeitrag (IAB)

Neuanschaffungen teurer als geplant – was nun?

Die Hamburg Philharmonie, der Berliner Flughafen BER – die Liste öffentlicher Investitionen ist lang, die nachher viel teurer wurden als ursprünglich geplant. Das ist keine Kritik. Das kann passieren. Auch in der Privatwirtschaft. Da wird es dann mit dem ursprünglich vorgesehenen Investitionsabzugsbetrag (IAB) eng.

Was ist der IAB?

Früher hieß er Ansparabschreibung. Mit der Unternehmenssteuerreform 2008 wurde mit der Regelung in § 7 g Einkommensteuergesetz (EStG) daraus der IAB.

Definition

Für die künftige Anschaffung oder Herstellung beweglicher Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens ermöglicht er es kleinen und mittleren Betrieben, einen Teil der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten gewinnmindernd außerbilanziell abzuziehen. Den IAB können Unternehmen für Anschaffungen bilden, die innerhalb der nächsten drei Jahre geplant sind.

Die gute Nachricht – Aufstockung möglich

Wenn Neuanschaffungen teurer sind als ursprünglich kalkuliert, können Unternehmer diesen Investitionsabzugsbetrag aufstocken. Sie machen die Mehrkosten geltend und sparen so Steuern. In solchen Fällen dürfen Unternehmer und Freiberufler bei der Steuer den IAB aufstocken, den sie dafür in den Jahren zuvor bereits genutzt haben. Das berichtet „Impulse“ und beruft sich auf eine Entscheidung des Bundesfinanzhofes (Az.: X R 4/13).

Wer kann den IAB aufstocken?

Davon profitierten

  • Inhaber kleinerer Betriebe mit einem Eigenkapital in der Bilanz von höchstens 235.000 Euro ebenso wie
  • Firmenchefs, die den Gewinn von maximal 100.000 Euro nicht per Bilanz, sondern mit einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln.

Firmenchefs oder Freiberufler können die Aufstockung des IAB bis zum Höchstbetrag nachträglich beim Finanzamt beantragen.

Sparmöglichkeit nutzen

Sie können die Sparmöglichkeit sofort nutzen, etwa um den Gewinn für das laufende Geschäftsjahr zu drücken. Voraussetzung: Der IAB-Höchstwert von 200.000 Euro ist noch nicht ausgeschöpft.

Weitere Sparmöglichkeiten

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Welche Grenzen gilt es beim IAB zu beachten?

Dies gilt auch, wenn sie seinerzeit den Höchstwert bewusst nicht ausgeschöpft haben oder ihn mangels Gewinn nicht voll nutzen konnten. Durch die Inanspruchnahme des IAB verringert sich sofort der Gewinn.

Bis zu 40 Prozent der erwarteten Netto-Anschaffungskosten für bewegliche Wirtschaftsgüter dürfen Firmen bei der Bildung eines Abzugsbetrags sofort als Betriebsausgabe geltend machen. Für Immobilien gilt der Investitionsabzugsbetrag zwar nicht. Aber er lässt sich nutzen für

  • Maschinen,
  • maschinelle Anlagen,
  • Büro- und Geschäftsausstattung oder
  • Fahrzeuge.

So lässt sich gerade in gewinnstarken Jahren das Betriebsergebnis mindern – mit einem beträchtlichen Steuervorteil.

BFH lässt nicht alle Abschreibungen gelten

Doch nicht für jedes Wirtschaftsgut kann eine Rücklage gebildet werden, sagt der Bundesfinanzhof. Dem lag der Fall einer Anlagenvermittlerin vor. Sie erzielte gewerbliche Einkünfte aus der Vermittlung von Finanzanlagen – mit nicht unbeträchtlichen Gewinnaussichten. Um die zu erwartende Umsatzsteuerlast zu mindern, bildete sie im Kalenderjahr 2014 gleich für drei Fahrzeuge eine Ansparabschreibung:

  • für eine Pkw-Limousine zu Anschaffungskosten von 400.000 Euro, Ansparabschreibung 135.000 Euro
  • für einen Ferrari-Sportwagen für 450.000 Euro, Ansparabschreibung 135.000 Euro
  • für einen Pkw SUV für 120.000 Euro, Ansparabschreibung 37.000 Euro

Nicht so schnell mit den jungen Pferdestärken, bremste das Finanzamt. Es ließ die Abschreibung für den Pkw SUV zwar zu. Die Bildung der Ansparabschreibung für die Limousine und den Sportwagen lehnte es aber ab – zumal die Unternehmerin keine weiteren Mitarbeiter beschäftigte.

Mit welcher Begründung lehnte der BFH den IAB für Limousinen ab?

Als Begründung verwies der Fiskus auf die Unangemessenheit der Aufwendungen. Dagegen legte die Finanzvermittlerin Einspruch ein. Doch ohne Erfolg beim Finanzgericht. Das folgte der Argumentation des Finanzamts, sodass schließlich der Bundesfinanzhof (BFH) entscheiden musste.

Der BFH sah aufgrund der Art des Geschäftsbetriebs als Finanzvermittler und der Tatsache, dass die Unternehmerin keinerlei Mitarbeiter beschäftige, nicht ein, warum neben einem SUV zwei weitere Luxusfahrzeuge angemessen sein sollten. Die Inhaberin hatte einen Jahresumsatz von gut 100.000 Euro. Ein ordentlicher und gewissenhafter Unternehmer plane bei diesen Einnahmen nicht die Anschaffung von insgesamt drei Pkws für nahezu einer Million Euro (BFH, Urteil vom 10.10.2017, Az.: X R 33/16).

Sind Käufe von Luxusgütern vom IAB denn ausgeschlossen?

Nein, nicht unbedingt. Ausdrücklich erklärten die Richter, dass der Kauf eines Oberklassemodells rechtlich möglich sei. Das gelte auch für einen weiteren betrieblichen Pkw als Zweitwagen. Damit blieb der BFH seiner Auffassung treu.

Sind alte Urteile zur Ansparrücklage übertrag bar auf den „neuen“ IAB?

Schon in einem anderen Urteilsfall hatte das Gericht die Anschaffungskosten eines Tierarztes für einen Ferrari-Sportwagen als nicht angemessen gewertet. Seinerzeit deckelten die Richter die absetzbaren Aufwendungen auf die geschätzten Kosten eines üblichen Oberklassemodells (BFH, Urteil vom 29.04.2014, Az.: VIII R 20/12). Dabei ging es um die Bildung einer Ansparrücklage. An deren Stelle ist der IAB getreten. Da hier vergleichbare gesetzliche Grundlagen bestehen, ist die Entscheidung auf den aktuell geltenden IAB übertragbar.

Welche Investitionen sind durch den IAB begünstigt, welche nicht?

Investitionsabzugsbeträge können laut Information der IHK München und Oberbayern für die künftige Anschaffung oder Herstellung von neuen oder gebrauchten abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens geltend gemacht werden.

Für immaterielle Wirtschaftsgüter, z. B. Software, kann § 7g Einkommensteuergesetz (EStG) nicht in Anspruch genommen werden (BFH-Urteil vom 18. Mai 2011, BStBl II S. 865).

Das gilt nicht für Trivialsoftware, also selbständig nutzbare, bewegliche Software, deren Anschaffungswert das Unternehmen höchstens 800 Euro ohne Umsatzsteuer kostet. Sie gehört nach R 5.5 Absatz 1 Einkommensteuerrichtlinie (EStR) zu den abnutzbaren beweglichen und selbständig nutzbaren Wirtschaftsgütern. Sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter sind begünstigt.

Das Wirtschaftsgut muss beweglich und dem Anlagevermögen des Unternehmens zugeordnet sein. Zudem muss es zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden.

Auch gebrauchte Güter sind jetzt begünstigt

Im Gegensatz zur früheren Ansparabschreibung sind nunmehr auch Investitionen in gebrauchte Wirtschaftsgüter begünstigt. Dabei muss das angeschaffte Wirtschaftsgut mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Investition folgenden Wirtschaftsjahres in einer inländischen Betriebsstätte verbleiben.

Wonach bemisst sich die steuerliche Abzugsfähigkeit beim IAB?

Ob Aufwendungen steuerlich abzugsfähig sind, bemisst sich maßgeblich nach § 4 Abs. 5 Nr. 7 (EstG). Danach dürfen Betriebsausgaben für Aufwendungen den Gewinn nicht mindern, die die Lebensführung des Steuerpflichtigen oder anderer Personen berühren, soweit sie nach allgemeiner Verkehrsauffassung als unangemessen anzusehen sind.

Die Finanzverwaltung hat Grundsätze aufgestellt, wie bei der sogenannten „Angemessenheitsprüfung“ zu verfahren ist. Demnach sind alle Umstände eines Einzelfalls zu berücksichtigen wie z.B.:

  • Größe eines Unternehmens,
  • Höhe von Umsatz und Gewinn,
  • Bedeutung des Repräsentationsaufwands für den Geschäftserfolg,
  • Vergleich von Üblichkeit in vergleichbaren Betrieben/Branchen,
  • Berührung der privaten Lebensführung.

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Autor: Franz Höllriegel