11.01.2019

Mitarbeiter wollen nebenher jobben – was Arbeitgeber beachten sollten

Hey, Boss, ich brauch‘ mehr Geld. Gunther Gabriels Liedzeile von einst kommt so manchem Arbeitnehmer immer noch bisweilen in den Sinn. Allein: der Boss hat Stacheldraht in der Tasche. Die Lösung: ein Nebenjob. Grundsätzlich erlaubt, ist der aber an Regeln gebunden.

Nebentätigkeit

Nebentätigkeiten sind vielfältig

Rund acht Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland gehen heute einer Nebentätigkeit nach. Damit hat sich laut „heimarbeit.de“ die Zahl der Nebenjobs in Deutschland seit dem Jahr 1991 etwa verdreifacht. In der modernen Arbeitswelt sind Nebenjobs mittlerweile Normalität geworden.

Die Unternehmen profitieren durch niedrige Kosten für die Nebenjobber. Die Plattform für Nebenjobsucher hält in Summe mehr als 1.000 Angebote für Nebenjobs bereit, unter anderem von Unternehmen wie:

  • Lebensmittelkette „Edeka“ mit über 220 Nebenjobs
  • Discounter „Aldi Süd“ über 450 Nebenjobs
  • Discounter „Lidl“ weit mehr als 200 Stellen
  • Drogeriemarkt „Rossmann“ mehr als 400 Nebenjobs
  • Drogeriemarkt „dm“ rund 100 Nebenjobs
  • Modehändler „H&M“ weitere 100 Nebenjobs
  • Mode-Einzelhändler „New Yorker“ mehr als 100 Nebenjobs

Beliebte Nebenjobs sind zum Beispiel:

  • Bürojobs
  • Kellnerjobs
  • Kassiererjobs
  • Jobs als Aushilfe im Lager
  • Jobs als Verkäufer
  • Jobs als Nachhilfelehrer
  • Jobs im Einkauf und in der Buchhaltung
  • Controllingjobs
  • Jobs als Programmierer

Von Vollzeit über Minijob bis Praktikum

Selbstverständlich ist das nur ein kleiner Einblick in die Welt der möglichen Nebenjobs. Daneben gibt es eine große Menge anderer nebenberuflicher Tätigkeiten. Die Firmen bieten dabei nicht nur Vollzeit-Stellen als Nebenjob an. Sie veröffentlichen in ihren Stellenportalen darüber hinaus Nebenjobs auf Teilzeit oder im Minijob-Format, Ausbildungsplätze, Praktikumsplätze oder besondere Arbeitsplätze mit angepassten Arbeitszeiten und vieles mehr. Allerdings ist mit Nebenjobs eine Reihe von Verfahrensregeln verbunden, die Personalverantwortliche unbedingt kennen sollten.

Besteht überhaupt ein grundsätzliches Recht auf Ausübung eines Zweitjobs?

Ja. Schon das Grundgesetz schützt das Recht auf freie Berufswahl und freie Entfaltung der Persönlichkeit. Daraus folgt, dass ein Arbeitnehmer seine Arbeitskraft außerhalb der Arbeitszeit bei seinem Erstarbeitgeber frei verwenden kann und darf. Sollte es im Arbeitsvertrag eine entgegengesetzte Klausel geben, wonach eine Nebentätigkeit grundsätzlich ausgeschlossen ist, kann der Arbeitnehmer sie getrost ignorieren: sie ist unwirksam. Er darf eine Nebentätigkeit ausüben auf Grundlage

  • eines Arbeitsvertrages,
  • eines freien Dienstvertrages,
  • eines Werkvertrages,
  • ehrenamtlich,
  • unentgeltlich.

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Gibt es Grenzen für eine Nebentätigkeit?

Ja, die gibt es. Unabhängig von der Vertragsart einer Nebentätigkeit sind ihr Grenzen gesetzt. Diese sind überschritten, wenn der Arbeitnehmer die geschuldete Arbeitsleistung in seinem Hauptjob körperlich oder psychisch nicht mehr erbringen kann.

Zudem muss der Arbeiternehmer in einem Nebenjob die im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelten Höchstarbeitszeiten einhalten, wenn er sie im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses erbringt. Arbeitszeit aus Hauptjob und Nebentätigkeit werden dabei addiert.

In § 5 ArbZG ist die Ruhezeit geregelt. Damit gibt es in der Praxis häufig Probleme, z. B. wenn zwischen der Beendigung einer am Abend ausgeübten Nebentätigkeit und dem Arbeitsbeginn im Hauptjob am nächsten Morgen weniger als elf Stunden liegen.

Auch das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) kann einem Nebenjob entgegenstehen, z. B. wenn eine Nebentätigkeit während des Urlaubs ausgeübt wird. Ist dadurch die Regeneration gefährdet, ist die Nebentätigkeit gemäß § 8 BUrlG verboten.

Klar ist auch, dass eine Tätigkeit für ein konkurrierendes Unternehmen grundsätzlich verboten ist. Ohne eine entsprechende vertragliche Regelung ist sie es immer dann, wenn sie entgegenstehende Wettbewerbsinteressen des Hauptarbeitgebers berührt oder gar als Schwarzarbeit ausgeübt wird. Renoviert z. B. ein angestellter Malergeselle bei einem potenziellen Kunden seines Arbeitgebers nach Feierabend die Wohnung in Schwarzarbeit, droht ihm die fristlose Kündigung.

Wie kann man Missverständnissen vorbeugen?

Ein Genehmigungsvorbehalt im Arbeitsvertrag für eine Nebentätigkeit schafft sicherlich für Klarheit. Anders als ein generelles Verbot der Nebentätigkeit ist dieser zulässig. Dann bedarf die Nebentätigkeit der vorherigen Zustimmung durch den Arbeitgeber. Sofern keine Verweigerungsgründe entgegenstehen, muss der Arbeitgeber die Zustimmung zwar erteilen. Er kann aber überprüfen, ob durch die beabsichtigte Nebentätigkeit berechtigte betriebliche Interessen beeinträchtigt werden.

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Autor: Franz Höllriegel