News | Management
24.07.2015

Löschen von Mitarbeiter-Mails kann teuer werden

Arbeitsrechtler warnen vor Clean-Desk-Wahn.

In einem ordentlichen Haushalt geht nichts verloren. Und Ordnung fängt auf dem Schreibtisch an. Das sagen sich penible Unternehmensführer – und räumen hie und da gern schon mal auf dem Desk-Top von Mitarbeitern auf, vor allem auf dem elektronischen. Doch Vorsicht! warnen Arbeitsrechtler. Zu viel aufgeräumt kann viel Geld kosten, unter Umständen hohe Kartellstrafen.

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Gefährliches Aufräumen

Kissing. 24. Juli 2015 – Gefährlich wird es, wenn man das Aufräumen auf elektronischen Schreibtischen IT-Leuten überlässt. IT-Fachleute raten Arbeitnehmern ernsthaft, ihrer Überforderung durch viele Mails Herr zu werden, indem sie sie am besten kurzerhand löschen, weiß die Bloggerin der „WirtschaftsWoche“, Claudia Tödtmann.

Dienstliche Mitarbeiter-Mails nicht ungelesen löschen

Im Interview mit ihr warnt Boris Dzida, Arbeitsrechtler und Partner bei Freshfields. Arbeitnehmer, die dienstliche Mails einfach ungelesen löschen, riskierten im schlimmsten Fall eine fristlose Kündigung.

Gefahren für Arbeitgeber

Nicht weniger gefahrvoll ist es im umgekehrten Fall. Auch Arbeitgeber dürfen nicht rigoros alle Mails, die sich auf Accounts der Angestellten befinden, ohne einzelne Vorwarnung löschen. Tut er es doch, könne sich der Arbeitgeber schadensersatzpflichtig machen. Wenn der Arbeitnehmer das dienstliche Mail-System auch privat nutzen durfte, dann dürfe der Arbeitgeber das Account nicht einfach löschen, zum Beispiel nach einer Kündigung. Denn es könnte ja sein, so Dzida, dass der Arbeitnehmer auf diesem Account private Mails hat, die er noch braucht.

Schadensersatz für Mitarbeiter

Dzida nennt als Beispiel eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes Dresden an. Es hatte es für möglich gehalten, dass ein freier Mitarbeiter Schadensersatz beanspruchen kann, wenn sein Account am letzten Arbeitstag sofort gelöscht wird. Das Gericht entschied Dzida zufolge: Bei erlaubter Privatnutzung darf ein dienstliches Account solange nicht gelöscht werden, bis feststeht, dass der Mitarbeiter für seine privaten Daten keine Verwendung mehr hat.

Bei Privatnutzung eigenes Risiko

War dem Mitarbeiter eine Privatnutzung verboten, habe er allerdings keinen Anspruch auf Schadensersatz. Wenn er den dienstlichen Account für Privatmails genutzt hat, sei es sein Problem, wenn er an diese Mails nicht mehr herankommt.

Autor: Franz Höllriegel

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