29.03.2022

Mitarbeiter als Unternehmer

Mitdenken, mitarbeiten, mitleiden. Unternehmer sein ist nicht so leicht, wie man als Nichtunternehmer denken mag. Mitarbeiter würden den Unternehmer verstehen, ständen sie in seinen Schuhen. Unternehmerisch denkende Mitarbeiter – ein ewiger Wunschtraum von Unternehmern.

Mitarbeiter als Unternehmer

Mitarbeiter und Unternehmer – zwei Welten?

Könnte man so sagen. Zwischen Ihnen als Unternehmer und Ihren Mitarbeitern gibt es himmelweite Unterschiede – und sind Sie sich doch so nah.

Hier Sie als der klassische Unternehmer:

  • Sie tragen das volle Risiko für Ihr Handeln!
  • Sie wissen, was zu tun ist!
  • Sie verfügen aufgrund Ihrer Persönlichkeit über ganz besondere Eigenschaften:
    • Sie packen an.
    • Sie sind entscheidungsfreudig.
    • Sie gehen Risiken ein.
    • Sie wissen mit ernsthaftem Rat umzugehen.
    • Sie benötigen keine guten Ratschläge.

Kurz: Sie sind der klassische Unternehmer, den Franzosen und Angelsachsen „entrepreneur“ nennen.

Was ist Entrepreneurship?

Die angelsächsische Ableitung Entrepreneurship für das deutsche „Unternehmertum“ entstammt dem französischen Wort „entreprendre“, „unternehmen“ oder „in die eigenen Hände nehmen“. Die Bedeutungsbandbreite mag dabei zwischen Gründung von hochgradig innovativen Unternehmen bis zum unternehmerisch wertvollen Handeln quasi in jedem Unternehmen schwanken – letztlich kristallisiert in Entrepreneurship eher als Überbegriff ein Füllhorn verschiedener Perspektiven, die Unternehmen nutzen, um ihre strategischen Ziele zu erreichen. Nicht zuletzt aus diesem Grund streben immer mehr Unternehmen danach, mehr Unternehmertum im eigenen Betrieb zu verankern.

Tipp der Redaktion

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Noch eins: es ist wie bei dem Märchen von Frau Holle. Der schönen Tochter scheinen alle Früchte in den Schoß zu fallen – jedenfalls in Augen der bösen Stiefmutter und der bösen Tochter. Dass die schöne Tochter dafür viel in Kauf nehmen muss, entdeckt sich ihnen dabei nicht. So auch hier: ein unternehmerischer Mitarbeiter denkt nicht nur wie Sie als Unternehmer, er arbeitet nicht nur wie Sie als Unternehmer, und wenn es sein muss, rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf den Feierabend. Er weist vor allem eine ganze wesentliche Eigenschaft und Fähigkeit auf: er leidet mit Ihnen als Unternehmer mit. Er verbringt nächtelang schlaflos in Sorge um das Gelingen des unternehmerischen Handelns, um am nächsten Morgen vielleicht schon mit der zündenden Idee im Unternehmen aufzukreuzen und Sie als Unternehmer mit dem Blitzgedanken zu überraschen, den der Mathematiker des klassischen Altertums Archimedes von Syrakus in den einmaligen Ausruf kleidete „Heureka!“ – Ich hab’s gefunden. Der Preis für all diese schweißtreibenden Momente wird für Sie als Unternehmer, Ihre Mitarbeiter als Mitunternehmer und Ihr gesamtes Unternehmensteam sein der gemeinsame Erfolg Ihres Unternehmens, in dem kaum noch zu unterscheiden wäre zwischen Unternehmer vor und hinter der Stechuhr.

Können Mitarbeiter nicht von sich aus unternehmerisch denken?

Grundsätzlich vielleicht. Im Grunde stellen Sie es sich einfach so vor: Ihre Mitarbeiter erwarten und bekommen jeden Monat ihren Lohn. Sie tragen allenfalls das Risiko für ihren eigenen Marktwert. Selbst angestellte Geschäftsführer übernehmen nie die volle Verantwortung für die Risiken, die sie für das Unternehmen eingehen.

Wie gelingt Ihnen als Unternehmer die Verankerung von Unternehmertum im Betrieb?

Hört sich an wie ein Binse, ist aber keine: Machen Sie Ihre Mitarbeiter zum Unternehmer! Fokussieren Sie das Handeln Ihrer Mitarbeiter auf das Unternehmen! Das zeigt sich unter Umständen darin, dass Sie in Ihrem Unternehmen vorausschauende, mitdenkende Mitarbeiter unternehmerische Initiativen vorantreiben lassen. Ausgangspunkt eines jeden unternehmerischen Prozesses ist der einzelne Mensch. Vielleicht gelingt es Ihnen sogar, Ihre Mitarbeiter zum Mitunternehmer zu machen. Hierzu ist ein hohes Maß an Identifikation mit den Zielen Ihres Unternehmens und Ihnen als Arbeitgeber erforderlich.

Das erfordert von Ihnen als Unternehmer eine ziemlich weitgehende Aufgabe Ihrer Alleinstellung im Unternehmen. Erst Autonomie ermöglicht Unternehmertum! Unternehmertum braucht:

  • angemessene Umgebung,
  • ausreichende Ressourcen,
  • motivationsförderndes Umfeld.

Folgende Maßnahmen sind erforderlich:

  • Ermutigen Sie als Unternehmer zu diesem Zweck das mittlere Management dazu, neue und innovative Ideen zu entwickeln!
  • Stellen Sie dafür notwendige Ressourcen bereit!
  • Beseitigen Sie Hindernisse!
  • Befleißigen Sie sich als Unternehmer einer grundlegend bejahenden Haltung zu unternehmerischen Aktivitäten und Vorhaben von Seiten Ihrer Mitarbeiter.

Dazu gehören ferner zeitliche und gestalterische Freiräume. Das Ausmaß an wahrgenommener Autonomie wird mit dadurch bestimmt, wie Ihre Mitarbeiter ihren Tagesablauf gestalten und wie sie ihre Ziele erreichen können. Autonomie ist bei Mitarbeitern mit ausgeprägten unternehmerischen Vorstellungen eine notwendige Voraussetzung, ihre Ambitionen in unternehmerische Vorhaben zu lenken. Erst ein hohes Ausmaß an wahrgenommener Autonomie sorgt für eine Befriedigung von eigenen Bedürfnissen Ihrer Mitarbeiter aus sich heraus und kann sich in der Folge vorteilhaft auf die Beschaffung von Arbeitsergebnissen auswirken.

Was bedeutet das für Sie als Unternehmer in der Praxis?

Jeder Mensch ist verschieden. Checken Sie das Potenzial Ihrer Mitarbeiter! Letztlich wird sich nicht jeder Mitarbeiter dafür eignen, unternehmerisch tätig zu werden. Unternehmerisch tätig werden in der Regel nur Mitarbeiter, die

  • den Willen aufweisen, Leistung zu erbringen und ambitionierte Ziele zu verfolgen,
  • den Glauben haben, für die Ergebnisse des eigenen Handelns verantwortlich zu sein,
  • das Ziel verfolgen, sich von Autoritäten im Unternehmen unabhängig zu machen,
  • über eine ausgeprägte Problemorientierung verfügen, die es ihnen ermöglicht, sich auf die für das Unternehmen wichtigen Einflussfaktoren zu konzentrieren,
  • über eine hohe Risiko- und Fehlertoleranz verfügen, um die Ungewissheit über den Ausgang ihrer Aktivitäten bewältigen zu können,
  • die Fähigkeit besitzen, andere zu überzeugen und zu begeistern.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Schwierigkeit besteht für Sie als Unternehmen darin, diese Mitarbeiter und deren Möglichkeiten zu erkennen. Wenn Sie auf solche Mitarbeiter setzen wollen, funktioniert das nicht schlecht von unten nach oben über einen Bottom-up-Prozess: sorgen Sie dafür, dass bereits der einzelne Mitarbeiter an der Basis mehr unternehmerische Initiative entwickeln kann! Stellen sie als Unternehmen sicher, dass die Rahmenbedingungen in Ihrem Betrieb unternehmerisches Engagement nicht unterdrücken!

Was ist mit Bottom-up-Prozess gemeint?

Das zeigt das Beispiel des Textilherstellers Trigema im baden-württembergischen Burladingen auf der Schwäbischen Alb. Wer in diesem Unternehmen eine Führungsposition anstrebt, fängt als Lehrling an. Trigema-Chef

Wolfgang Grupp: „Bei Trigema ist es so, dass alle leitenden Leute ursprünglich Lehrlinge waren. Die kennen wir und bei denen können wir die besten aussuchen und diese erreichen die Führungspositionen, weil sie konstant Leistung bringen!“
Somit wüssten bereits die Lehrlinge, dass „sie die Chance haben, je nach Leistung, auch später ganz oben zu sitzen“, so Grupp. Die Anwärter auf leitenden Positionen bei Trigema verstehen dabei, dass Probleme zu verstecken keine Option sei. Grupp: „Probleme sind nicht zum Diskutieren, sondern zum Lösen da. Wer zu mir mit einer Frage kommt, geht mit einer Antwort!“ Wer ein großes Problem habe, so Grupp zu „Business Insider“, „ist für mich generell ein Versager, denn jedes Problem war klein und hätte er es als kleines gelöst, hätte er kein großes!“ Grupp ist alleiniger Inhaber und Geschäftsführer des Textilunternehmens Trigema und damit persönlich haftender Einzelunternehmer. In dem Moment, in dem er persönlich hafte, sei sein Vorwärtsdrang etwas gebremst. Er wisse, dass er, wenn er einen Schritt zu weit gehe, als Erster in der Verantwortung stehe.
Grupp: „Das heißt, wenn wir morgen ein Problem hätten und unsere Gläubiger kein Geld mehr bekämen oder wir unsere Rechnungen nicht bezahlen könnten, dann müsste ich privat alles einsetzen und hätte am Schluss kein Dach mehr über dem Kopf.“

Bleibt bei diesem hierarchischen Modell die Eigenverantwortung auf der Strecke?

Auch bei Grupp und Trigema geht der Trend hin zu mehr Eigenverantwortung für die Mitarbeitenden und weg von zentralen, hierarchischen Entscheidungen. Wenn Grupp eine neue Maschine kaufen will und die modernste sei die teuerste, dann müsse er entscheiden, ob er das Geld dafür ausgeben will. Wenn Grupps Mitarbeiter sagt, dass er die teuerste Maschine brauche, dann kaufe Grupp sie, aber der Mitarbeiter trage die Verantwortung, dass die Maschine gut funktioniert. Grupp: „Bei mir hat jeder Mitarbeiter die volle Verantwortung. Nur ich habe die übergeordnete Verantwortung.“

Steht am Ende der persönlich haftende Unternehmer-Mitarbeiter?

Grupp empfiehlt der Politik, Rechtsformen mit voller Haftung wie EK oder KG anders zu besteuern als eine GmbH, wo der Unternehmer kassiere, wenn es gut geht, und wenn es schlecht gehe, könne er einfach hinwerfen. Grupp: „Mein Vorschlag ist, dem Vollhaftenden 50 Prozent Rabatt zu geben. Dann würden viele in die volle Haftung gehen, und dann wären die Entscheidungen überlegter und verantwortungsvoller und nicht wie jetzt der Gier und dem Größenwahn ausgesetzt.“ Das Wirtschaftswunder in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hätten persönlich haftende Unternehmer geschaffen. Als solcher müsse er das Risiko abschätzen und die Verantwortung tragen.

Grupp auf „unternehmeredition.de“: „Ich bin der Schutzpatron für meine Mitarbeitenden. Diese sind bei mir geborgen und können sich voll und ganz auf ihre Leistung konzentrieren, da sie nicht täglich bangen müssen, ihren Job zu verlieren – und ich kann mich genauso auf meine Mitarbeitenden verlassen, dass sie ihre Leistung bringen.“

Herausforderungen der Digitalisierung an Führungskräfte Information auf Knopfdruck – das war‘s. Falsch. Damit fängt es erst an. Führungskräfte von heute erkennen die Zeichen der Digitalisierung für die Arbeitswelt in ihren Unternehmen. Was das für den mitdenkenden Mitarbeiter-Unternehmer bedeutet, dazu mehr in unserem Beitrag „Digitalisierung verändert Führungskultur in Unternehmenswelt 4.0“.

Warten auf den Einsatz. Als Unternehmensführer kommt Ihnen als Unternehmer das Brennglasprinzip zugute. Wie das funktioniert und was dies mit dem unternehmerisch denkenden Mitarbeiter zu tun hat, erklären wir in dem Beitrag „Mit der richtigen Firmenkultur erhöhen Sie als Unternehmen Ihre Wirksamkeit“.

Sie als Unternehmer werden zwar vielleicht als solcher geboren – zum Erfolg braucht es allerdings etwas mehr. Das entsprechende Wissen und Handwerkszeug können Sie sich im Coaching erwerben – und so können Sie auch Mitarbeiter zu Unternehmern machen. Lesen Sie mal diesen Beitrag „Systemisches Coaching: Wie Sie mehr aus Ihrem Unternehmen herausholen“.

Autor*in: Franz