08.12.2020

Mit der richtigen Firmenkultur erhöhen Sie als Unternehmen Ihre Wirksamkeit

In der Ruhe liegt die Kraft. Bundeskanzler Schröder verfolgte eine Politik der ruhigen Hand in unruhigen Zeiten. In der Musik heißt es Timing – Warten auf den Einsatz. Als Unternehmensführer kommt sie Ihnen als Brennglasprinzip zugute. Wie das funktioniert, erklären wir hier.

Firmenkultur

Brennglas – in Ruhe abwarten, bis das Feuer in Gang kommt?

In gewisser Weise auch, aber es ist weit mehr als das. Ein Brennglas oder Vergrößerungsglas oder Lupe genannt, ist zunächst einmal nichts anderes als eine einfache konvexe Sammellinse kleiner Brennweite mit Fassung und Griff oder Vorrichtung zum Aufstellen. Befindet sich ein Gegenstand innerhalb der Brennweite, erzeugt es als Lupe ein aufrechtes virtuelles Bild des Gegenstandes. Als Brennglas – und hierum soll es hier gehen – bündelt die Konvexlinse – entsprechend ausgerichtet – einfallende Sonnenstrahlen und erhöht damit die Energiedichte des Lichts so stark, dass sich brennbares Material wie Papier o. ä. entzünden kann.

Was hat das mit Unternehmensführung zu tun?

Übertragen Sie diesen Gedanken auf die Führung Ihres Unternehmens, ergeben sich weitere Aspekte eines Brennglases:

  • Manche fordern mehr Ruhezeiten.
  • Organisationen diskutieren über Fünfstundentage.
  • Die Generation Young fordert Viertagewochen.
  • Mitarbeiter fragen nach Sabbaticals und Jobsharing.

Als Unternehmensführer fragen Sie jedoch nach dem Sinn all dieser Forderungen. Für Sie ist doch entscheidend, dass die Ergebnisse stimmen. Damit sie stimmen, müssen Sie die Wirksamkeit erhöhen. Sie erhöhen sie mit der richtigen Firmenkultur. Und die erreichen Sie mit dem Brennglasprinzip. Was das bedeutet wird klar, wenn man sich sein Gegenkonzept anschaut: das Gießkannenprinzip.

Wie funktioniert das Gießkannenprinzip?

Nach der Gießkanne arbeiten Menschen, die als Erstes, wenn sie morgens ins Büro kommen, sich fragen: „Was gibt es heute zu tun?“ Sie starten mit den Aufgaben, die am dringendsten erscheinen. Sie haben keine eigene Zielvorstellung, lassen sich gerne ablenken, wenn:

  • ein Projekt hinzu kommt,
  • ein Kollege um Unterstützung bittet oder
  • sich ein Kunde am Telefon vorschiebt.

Was erntet er? Anerkennung vom Chef!? Harmonie im Team? Ein gutes Gefühl? Vielleicht, aber mit Sicherheit keine Topergebnisse für sein eigentliches Ziel. Ein solcher Mitarbeiter ist ein Getriebener. Er verteilt seine Energie nach dem Gießkannenprinzip auf alles, was sich ergibt und der Tagesablauf mit sich bringen mag.

Liegt darin nicht auch eine Ruhe?

Eher im Gegenteil. Es ist Ausdruck eines Aktionismus‘. Gießkannen kommen dadurch innerlich wenig zur Ruhe, verbrauchen sich viel zu schnell. Lieblingssatz dieser Leute ist: „Ich habe keine Zeit.“ Die Zeit zum Überlegen nehmen sie sich nur in Krisen. Menschen, die nach diesem Prinzip leben, verzetteln sich, wissen nicht, wie sie klug gewichten, sagen zu oft Ja. Das Vertrackte an dem Prinzip der Gießkanne: es fühlt sich oft gut an, liefert aber schwache Ergebnisse. Es bedient das Gefühl, gebraucht zu werden. Am Ende des Tages, der Woche, des Monats oder Jahres wundern sich Gießkannen, dass sie kein Stück vorangekommen sind.

Was fragen sich Brenngläser am Morgen, wenn sie ins Büro kommen?

Sie fragen:

  • „Was wünsche ich mir heute Abend getan zu haben?“
  • „Was wünsche ich mir am Ende der Woche, am Ende des Jahres getan zu haben?“
  • „Was wünsche ich mir am Ende des Lebens getan zu haben?“

Daraus beziehen Sie als ein Brennglas bereits eine Konzentration auf Ihr Ziel. Als Brennglas wissen Sie genau, was Sie warum tun oder lassen. Ihre Haltung entsteht aus Konsequenz, nicht aus Disziplin. Sie verfolgen den Anspruch „flexibler, klarer, tiefer“. Sie setzen auf Erfüllung, Erfolg und mentale Gesundheit. Als Brennglas reduzieren Sie sich, um Experte auf einem Gebiet zu werden.

Sind Sie als Brennglas als einzelne Person gemeint?

Ja, aber nicht nur. Auch Sie als Unternehmen können Ihr Wirken, Ihre Prozesse und das Mindset Ihrer Mannschaft auf einem der beiden Prinzipien aufbauen. Wollen Sie als Unternehmen eine Brennglaskultur etablieren, kommt kaum jemand darin umhin, seine eigenen Motive zu hinterfragen und alle Energien in die richtigen Bahnen lenken. Als Inhaber und Leader werden Sie zudem Systeme einer Brennglaskultur schaffen und entsprechende Führungsarbeit leisten. Folgende Motive machen dabei den Unterschied:

Gießkanne Brennglas
Statusstreben Ergebnisse
Eitelkeiten die Sache
·   materielle Statussymbole

·   teurer Dienstwagen

·   modernes Firmengebäude

·   immaterielle Güter

·   hohes Bildungsniveau der Mitarbeiter

·   übertriebener Bescheidenheit

Keine Äußerlichkeiten wie materielle oder immaterielle Statussymbole
Wunsch nach Anerkennung Als Brenngläserchef lassen Sie Wunsch nach Ergebnissen größer werden
Prestigeaufträge Als Brenngläserchef belohnen Sie nicht für große Aktionen, sondern für Ergebnisse.
Beliebtheit Verantwortung
sagen Mitstreitern, was diese hören wollen, Sie. Als Brennglas-Führungskraft fördern Sie:

·   Ergebnisse

·   Mut

·   Umsetzung.

belohnen Reden belohnen Machen
verbreiten gute Gefühle ·   Sie konzentrieren sich aufs Wesentliche,

·   gehen in die Tiefe

·   erkennen, wofür Sie und andere Verantwortung tragen und wofür nicht.

Sicherheitsverlangen Klarheit
Komfortzone Sie wagen Wachstum in die Tiefe
irrationale Ängste Sie lassen Dinge in der Breite liegen
Courage Glaube an sich und Ihre Idee
möglichst viele Sparten, Branchen und Zielgruppen abdecken, um ein Geschäft zu machen Sie spezialisieren sich
Angst, nicht genügend Aufträge zu bekommen Sie geben Sicherheit zunächst auf
  Sie gewinnen im Erfolgsfall diese Sicherheit dazu
 
trügerische Harmonie notwendige Konflikte
Harmoniesucht Auseinandersetzung
Kein Konflikt offener Diskurs
Keine Konfrontation produktiver Austausch
Vermeiden notwendiger Auseinandersetzungen

Kein offener Umgang mit

·   Unzufriedenheit im Team,

·   Mängeln am Produkt

·   negativen Kundenstimmen

gegensätzliche Positionen
Widerspruch als Bedrohung Widerspruch als Bereicherung
Unverletzbarkeit Vertrauen
Sich verschließen verzeihen
Übermäßige Kontrolle Kluges Vertrauen
Ersticken jeder Entwicklung auszuhalten, verletzt zu werden
Nebelbomben Substanz
Plattitüden einen Unterschied machen
Aus dem Auge verlieren von Zielen verfolgen von Zielen
Bequem in Sprechen Wahrheit
Bequem in Denken Substanz
nur Kennen Können

 

Auf dem Weg zum Brennglas wären Sie

  • als Unternehmen, wenn Sie reine Prestigeaufträge ablehnen.
  • als ein Mitarbeiter, wenn Sie sich an einer unliebsamen Aufgabe festbeißen bis die Ergebnisse stimmen – ohne sich durch leichte Nebenbei-Jobs schnelle Belohnungen abzuholen.

Menschen lieben das Gefühl, gebraucht zu werden, beliebt zu sein. Sie spüren darin ihre Daseinsberechtigung. Sie genießen es, für andere da zu sein. Brenngläser lernen Verantwortung jedoch mehr lieben als Beliebtheit.

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Als Unternehmen, das Verantwortung lebt, geben Sie Energie dorthin, was ein Mitarbeiter sein kann, und nicht, was er bereits ist. Als Führungskraft sagen Sie Ihren Mitstreitern nicht, was diese hören wollen, sondern Sie fördern Ergebnisse, Mut und Umsetzung. Sie belohnen Machen statt Reden. Gießkannen verbreiten gute Gefühle, als Brennglas konzentrieren Sie sich aufs Wesentliche, gehen in die Tiefe und erkennen, wofür Sie und andere Verantwortung tragen und wofür nicht. Das macht Sie als Führungskraft vielleicht unbequem und fordernd. Aus diesem Grund gibt es so viele Gieskannen: es fällt ihnen so schwer, Verantwortung zu leben.

Können Sie sich als Unternehmen mit Brennglas sicher sein?

Eine typische Frage nach dem Gießkannenprinzip. Psychologische Sicherheit ist einer der größten menschlichen Antreiber. Niemand fühlt sich bei einem Kongress oder Firmenevent wohl, auf dem er niemanden kennt. Der erste Arbeitstag im neuen Job? Ein Gespräch mit dem neuen Chef? Unsicherheit ist menschlich. Wenn Sie ein Brennglas werden wollen,

  • lernen Sie irrationale Ängste auszuhalten,
  • werden Sie Ihre Komfortzone verlassen,
  • wagen Sie Wachstum in die Tiefe
  • lassen Sie Dinge in der Breite liegen.

Das erfordert Courage. Wer möglichst viele Sparten, Branchen und Zielgruppen abdecken will, um ein Geschäft zu machen, den plagt die Angst, nicht genügend Aufträge zu bekommen. Im Kern glaubt er nicht an sich und seine Idee. Wenn Sie sich spezialisieren, geben Sie im ersten Schritt jene Sicherheit auf, die Sie im Erfolgsfall dazugewinnen. Wer zum Brennglas wachsen will, muss sich reiben – mit Lieferanten, mit Kunden, mit Kollegen – und lernen, notwendige Konflikte mehr zu lieben als trügerische Harmonie.

Gibt es für Sie als Brennglas keine Harmonie?

Doch schon, es geht hier aber um trügerische Harmonie statt einer fruchtbaren Auseinandersetzung. Und dann wird das Streben danach zu einer Sucht, der Harmoniesucht. Gießkannenunternehmen meiden jede Art von Konflikt und Konfrontation – sowohl nach außen als auch im Inneren. Das Streben nach Harmonie hält Menschen zurück, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Es verhindert notwendige Auseinandersetzungen wie offenen Umgang mit:

  • Unzufriedenheit im Team,
  • Mängeln am Produkt
  • negativen Kundenstimmen.

Folgen:

  • Kündigungen,
  • verschleppte Insolvenzen
  • Abgasskandale.

Als Brennglas-Führungskraft hingegen scheuen Sie den offenen Diskurs nicht. Sie fördern den produktiven Austausch und gegensätzliche Positionen. In Ihrer Kultur nach dem Brennglas-Prinzip empfindet niemand Widerspruch als Bedrohung, sondern als Bereicherung.

Ist Kontrolle nicht doch besser als Vertrauen?

Nein, ein Unternehmen ohne Vertrauen erstickt jede Entwicklung. Und ja: Wer anderen und sich vertraut, der öffnet sich und wird verletzbar. Vertrauen wird immer wieder betrogen und enttäuscht. Das ist normal. Es hinterlässt Narben. Aber aus ihnen lernen Sie. Sie werden vorsichtiger. Als Brennglasführungskraft lernen Sie, zu verzeihen. Aus naivem Vertrauen wird kluges Vertrauen.

Wenn Sie sich jetzt verschließen, sinken Sie zurück in die Gießkannensphäre und treiben es womöglich mit der Kontrolle zu weit. Übermäßige Kontrolle ist somit ein Zeichen für Verletzbarkeit. Wenn Sie Unverletzbarkeit garantieren wollen, ersticken Sie jedes Vertrauen im Unternehmen. Kluges Vertrauen kann man lernen. Es geht darum, auszuhalten, verletzt zu werden. Das zeichnet große Persönlichkeiten aus. Wer Angst vor Verletzungen hat, agiert nicht frei.

Brenngläser machen einen Unterschied. Sie verfolgen ihre Ziele und setzen alles Denken und Handeln unter diese Ideen. Sie sagen Nein zu Nebelbomben und Ja zur Wahrheit, suchen nach Substanz hinter Platitüden und setzen auf Können, nicht nur Kennen. Auch wenn es wehtut. Als Brennglas polarisieren Sie durch Ihr Denken und Sprechen und sind alles andere als bequem. Durch ihre Klarheit ernten Sie als Brennglas Erfolg. Werden Sie immer mehr zum Brennglas! Dann haben Sie die beste Chance, zum Big Player zu werden.

Autor: Franz Höllriegel