13.09.2017

Minijobs bei Arbeitgebern beliebt

Geringer Verwaltungsaufwand, je nach Arbeitsanfall hohe Flexibilität, die zumeist niedrige Stundenentgelte – kein Zweifel: Minijobs haben für Arbeitgeber viele Vorteile. Deswegen sind sie bei ihnen sehr beliebt. Die Unionsparteien wollen die Verdienstgrenze künftig mitwachsen lassen.

Mini Job

Gastgewerbe und Handel bevorzugen Minijobs

Minijobs verbreiten sich in Deutschland immer mehr. Im Juni 2017 übten bundesweit gut 7,47 Millionen Menschen eine geringfügige Beschäftigung aus, davon fast 2,7 Millionen im Nebenjob. Das berichtet die „Berliner Zeitung“ unter Berufung auf Angaben der Bundesagentur für Arbeit. Besonders viele der Tätigkeiten mit einer Höchstverdienstgrenze von 450 Euro monatlich finden sich demnach im Gastgewerbe und im Handel. Auf Seiten der direkt betroffenen Minijob-Partner sind die Minijobs beliebt. Aus Sicht der Beschäftigten hat der Minijob vor allem einen Vorteil: Es werden weder Steuern noch Sozialabgaben fällig, keine Abgaben für Arbeitslosen-, Kranken- oder Pflegeversicherung und auch Rentenversicherung nur freiwillig. Auf Arbeitgeberseite sind es gleich drei Vorteile: Der Verwaltungsaufwand ist gering, die Flexibilität je nach Arbeitsanfall hoch, die Stundenentgelte sind zumeist niedrig.

Minijob zusätzlich zum Hauptjob

Immer mehr Leute verdienen auf 450 Euro-Basis nebenbei etwas dazu. Derzeit gibt es fast zwei Millionen Angestellte in Deutschland, die zusätzlich zu einem Hauptjob einem Minijob nachgehen, berichtet das „Handelsblatt“ und beruft sich dabei auf Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Seit den Hartz-Reformen habe sich die Zahl mehr als verdoppelt, zitiert die Zeitung Forscher Enzo Weber vom IAB. Für Geringverdiener erscheine ein Minijob daher lukrativ. Von denjenigen, die einen Hauptjob mit einem Minijob kombinieren, arbeitet mehr als die Hälfte in ihrem Hauptjob in Vollzeit.

Frauen und Nebenjobber

Vor allem Menschen mittleren Alters mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung haben dem Bericht zufolge Nebenjobs, etwas mehr als die Hälfte sind Frauen. Zwei Drittel der Nebenjobber haben eine Berufsausbildung absolviert, gut 15 Prozent haben keinen Abschluss, der Anteil von Akademikern liegt bei etwas mehr als neun Prozent. Die Branchen, in denen Arbeitnehmer in ihren Hauptjobs arbeiten, sind oft die gleichen, in denen sie ihre Nebenjobs haben: Einzelhandel, Gastgewerbe, andere Dienstleistungen und das Gesundheits- und Sozialwesen. Tendenziell sind es Menschen mit unterdurchschnittlichen Einkommen, die zusätzlich einen Nebenjob ausüben, „viele tun das weil es praktisch ist“, sagt Weber. Manche aber auch aus finanzieller Not.

Union will Minijob-Lohn mitwachsen lassen

Die Unionsparteien wollen die Vorteilsbereite für die Nutznießer der Minijobs ausweiten. Dem Zeitungsbericht zufolge haben sie angekündigt, in der kommenden Legislaturperiode die Verdienstgrenze an die allgemeine Lohnentwicklung koppeln und somit jährlich anheben zu wollen. „Wir realisieren den mitwachsenden Minijob“, zitiert das Blatt aus dem Wahlprogramm der Union. In Augen des DGB ein bedrohliches Versprechen. Der Gewerkschaftsbund kritisiert die Minijobs seit langem. Zum einen, weil verbriefte Arbeitnehmerrechte massenhaft missachtet und den Beschäftigten oftmals ihnen zustehende Leistungen vorenthalten werden. In einer Umfrage des Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle vom Herbst 2016 gaben 34,4 Prozent der Minijobber an, entgegen der gesetzlichen Bestimmungen keinen bezahlten Urlaub nehmen zu können. 31 Prozent bekamen keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, 40 Prozent keine Feiertagszulagen. 14 Prozent erhielten den Angaben zufolge weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von seinerzeit 8,50 Euro pro Stunde.

Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Mit der Einführung des Mindestlohns im Januar 2015 ist einer Pressemitteilung der IAB vom April dieses Jahres zufolge die Zahl der Minijobs saisonbereinigt um 125.000 zurückgegangen. Der Rückgang wurde demnach jedoch teilweise durch eine verstärkte Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausgeglichen. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Zahl der umgewandelten Minijobs verdoppelt. Ein Teil dieser Umwandlungen hat dabei andere Stellen ersetzt. Im Januar 2015, unmittelbar nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns, lag die Zahl der Umwandlungen bei fast 110.000, und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr (53.000). Dabei wurden verstärkt Minijobs von Frauen, Älteren, Ostdeutschen sowie von Beschäftigten in mittelgroßen Betrieben in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt. Stark überdurchschnittlich waren die Umwandlungen außerdem in den Wirtschaftsabschnitten „Verkehr und Lagerei“ sowie „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“.

Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse

In Betrieben mit relativ vielen Minijobs wurden diese nicht nur häufiger umgewandelt. In ihnen endeten auch tendenziell mehr geringfügige Beschäftigungsverhältnisse. Zudem wurden in ihnen weniger neue Minijobs geschaffen. Die Zahl der Umwandlungen selbst hatte keinen zusätzlichen Effekt auf den Abbau der geringfügigen Beschäftigung im Betrieb. Allerdings gab es bei mehr umgewandelten Minijobs in einem Betrieb auch mehr Abgänge aus sozialversicherungspflichtigen Jobs. „Etwas weniger als die Hälfte der Umwandlungen bedeuten zusätzliche sozialversicherungspflichtige Beschäftigung“, so die IAB-Forscher Philipp vom Berge und Enzo Weber.

Minijob in Unternehmen und Arbeitgeberhaushalt – geht das?

Nacheinander Hauptjob und dann Minijob aus Sicht des Beschäftigten also kein Problem. Wie aber sieht es aus Arbeitgebersicht aus, wenn beispielsweise eine Reinigungskraft im Unternehmen gleich auch noch den Privathaushalt des Arbeitgebers in Ordnung hält? Dieser Frage geht Lohn– & Gehaltsprofi AKTUELL“ in seiner neuen Ausgabe (12/2017 September) nach. Die Antwort: kein Problem, solange die Höchstgrenze von 450 Euro im Monat nicht überschritten wird. Wie sich das Beispiel rechnet, was dabei sonst zu beachten ist, dazu mehr in dem Newsletter für betriebsprüfungssichere Abrechnung.

Autor: Franz Höllriegel