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08.02.2016

Milliardeneinbußen im Mittelstand wegen Mangel an Fachkräften

Hoffnung auf Flüchtlinge

Geschäftslage super, Fachkräfte Fehlanzeige – der deutsche Mittelstand steckt in einem Dilemma. Der Mangel an Fachkräften führt bereits zu erheblichen Einbußen. Das zeigt das EY-Mittelstandsbarometer Januar 2016. Viele Unternehmen hoffen in ihrer Not nun auf Flüchtlinge.

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Mittelständler zufrieden mit Geschäftslage

Stuttgart. 8. Februar 2016 – Mehr als jeder zweite Mittelständler (56 Prozent) ist derzeit uneingeschränkt zufrieden mit der Geschäftslage – so zufrieden wie seit 2014 und davor seit 2004 nicht mehr. Das zeigt das Mittelstandsbarometer Januar 2016 der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY), Stuttgart, an. Danach ist auch der Ausblick zuversichtlich: 36 Prozent sehen eine Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten voraus.

Geschäftsklima weiter gut

Für das Mittelstandsbarometer wurden 3000 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt. Die gute Geschäftslage spiegelt sich demzufolge auch im Geschäftsklima wider. Dieser Index steigt mit 46,1 Punkten auf den zweithöchsten Wert seit Januar 2012. Nur zum Jahresanfang 2014 war er mit 49,9 Punkten höher.

Mangel an Fachkräften

Doch die Marktforscher träufeln Wermut in den Wein. Gefahr drohe durch den Fachkräftemangel. Er sei bereits sehr real. Jeder zweite (49 Prozent) Mittelständler beklage deswegen Umsatzeinbußen. Es fehle einfach an geeigneten Fachkräften. Die Wissenschaftler schätzen den Schaden aus dadurch entgangenen Umsätzen auf jährlich knapp 46 Milliarden Euro.

Hoffnung auf Flüchtlinge

Die Mehrheit der Mittelständler setze bei der Suche nach Fachkräften unter anderem auf den Flüchtlings-Zustrom. 55 Prozent hoffen demnach auf nach Deutschland kommende Flüchtlinge. Sie würden schon zu einer Milderung der Folgen des Fachkräftemangels beitragen. Eine überwältigende Mehrheit von 85 Prozent würde Flüchtlingen im eigenen Betrieb einen Job geben, 49 Prozent seien sogar ohne Vorbehalt dazu bereit.

Pessimismus abgelegt

„Der deutsche Mittelstand hat seinen Pessimismus von vor einem Jahr abgelegt“, kommentiert Peter Englisch, Partner bei EY. Trotz der unsicheren politischen Großwetterlage beflügelten niedriger Ölpreis, Konsumlaune der Verbraucher und sich erholende Eurozone die Geschäfte im deutschen Mittelstand. Die mittelständischen Unternehmen wollten zusätzliche Stellen schaffen.

Integration von Flüchtlingen

„Allerdings ist das leichter gesagt als getan“, schränkt Englisch ein, „Die nötigen Fachkräfte für viele Jobs fehlen.“ Jedes zweite Unternehmen erleide deshalb bereits Umsatzeinbußen. Eine gelungene Integration von Flüchtlingen in die deutsche Wirtschaft könne das Problem abmildern.

Autor: Franz Höllriegel

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