20.04.2023

Midijobs: Das muss der Arbeitgeber bezahlen

Ein Minijobber zahlt auf seinen Verdienst keine Abgaben. Voraussetzung: er verdient nicht mehr als 520 Euro im Monat. Wird es mehr, zahlt er Sozialabgaben, im Übergangsbereich aber noch nicht den vollen Satz. Dann ist er Midijobber. Auch für Sie als Arbeitgeber wird es dann teurer.

Midijobs Arbeitgeber

Welche Regelungen gelten im Übergangsbereich?

Für Arbeitnehmer, die eine Beschäftigung innerhalb des Übergangsbereichs ausüben, besteht grundsätzlich Versicherungs- und Beitragspflicht in allen Sozialversicherungszweigen. Übt Ihr Arbeitnehmer eine versicherungspflichtige Beschäftigung mit einem regelmäßigen Lohn innerhalb des Übergangsbereichs aus, gelten besondere Regelungen für die Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die Beiträge sowie für die Tragung der Abgabe zur gesetzlichen

  • Kranken-,
  • Pflege-,
  • Renten- und
  • Arbeitslosenversicherung.

Außerdem sind die Meldungen durch die Mitarbeiter in den Personal- und Steuerbüros besonders zu kennzeichnen. Darüber hinaus sind zusätzliche Angaben zum Arbeitsentgelt auf der Meldung zu ergänzen.

Als Arbeitgeber beschäftigen Sie Ihren Arbeitnehmer in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis im Übergangsbereich, wenn Sie ihm aus einer mehr als geringfügig entlohnten Beschäftigung eine Vergütung von regelmäßig nicht mehr als 2.000 Euro zahlen. Bis Ende 2022 durften Sie ihm nur bis 1.600 Euro im Monat dafür zahlen.

Was gilt seit Ende 2022?

Neu sind schon seit dem 01.10.2022 Bestandsschutzregelungen in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, wenn eine Beschäftigung, bei einem monatlichen Verdienst in Höhe von 450,01 € und 520,00 € im Monat, bereits am 30.09.2022 bestanden hat. Sie gelten aber nur noch bis zum 31.12.2023. Bei den Beschäftigungsverhältnissen im Übergangsbereich gelten für die Beitragsberechnung und der Tragung der Beiträge besondere Regelungen.

Was sind das für besondere Regelungen?

Sie betreffen die Beitragsberechnung und Beitragstragung bei Beschäftigungen mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt innerhalb des Übergangsbereichs in den einzelnen Sozialversicherungszweigen. In der Gesamtbetrachtung hat der Arbeitnehmer niedrigere Beiträge zu entrichten. So beträgt sein Beitragsanteil bei einem monatlichen Entgelt von 520,01 Euro null Euro. Steigt das Entgelt bis auf 2.000 Euro bzw. bis Ende 2022 eben auf 1.600 Euro, sind es rund 20 Prozent des monatlichen Lohns.

Bringt das Ihnen als Arbeitgeber Vorteile?

Nein, Sie tragen eine höhere Beitragslast. Bei Ihnen sieht es nämlich völlig anders aus. Sie tragen bei einem Lohn in Höhe von 520,01 Euro insgesamt 28 Prozent der Beiträge. Dieser Anteil entspricht der Höhe, den Sie als Arbeitgeber für einen geringfügig entlohnten Beschäftigten an Pauschalbeiträgen aufwenden. Mit Anstieg der Vergütung reduziert sich Ihr Beitragsanteil als Arbeitgeber. Erreicht der Lohn die obere Grenze des Übergangsbereichs von 2.000 Euro monatlich, beträgt Ihr Beitragsanteil als Arbeitgeber rund 20 Prozent.

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Im Ergebnis tragen Sie als Arbeitgeber nunmehr immer die Differenz zwischen normalem Gesamtsozialversicherungsbeitrag des Beitrages Ihres Arbeitnehmers. Je höher der Lohn, desto höher der Beitrag Ihres Arbeitnehmers und folglich desto niedriger Ihr Beitrag als Arbeitgeber. Ihre Belastung als solcher mit Sozialabgaben steigt dadurch im unteren Lohnbereich deutlich.

Wonach berechnet man die Sozialabgaben?

Der Midijob ist in § 20 des Vierten Sozialgesetzbuches (SGB IV) geregelt. Neben der Definition des Übergangsbereichs in Absatz 2 finden sich dort zudem die komplizierten Formeln zur Berechnung der Höhe der Sozialabgaben für Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Absatz 2a). Grundlage für deren Berechnung ist nicht der tatsächliche Verdienst, sondern zwei fiktive beitragspflichtige Einnahmen, die jeweils nach einer bestimmten Formel ermittelt werden. Die Berechnung der Beiträge im Übergangsbereich läufzt für jeden einzelnen Versicherungszweig in drei Schritten ab:

  • Schritt 1: Berechnung des Gesamtbeitrages (Arbeitgeber + Arbeitnehmer) ausgehend von einer fiktiven beitragspflichtigen Einnahme
  • Schritt 2: Berechnung des Beitragsanteils des Arbeitnehmers ausgehend von einer gesonderten fiktiven beitragspflichtigen Einnahme
  • Schritt 3: Berechnung des Beitragsanteils des Arbeitgebers durch Abzug des Beitragsanteils des Arbeitnehmers vom Gesamtbeitrag

„Magazin Minijob-Zentrale“ gibt folgendes Beispiel für die Berechnung bei einer Beschäftigung im Übergangsbereich mit einem monatlichen Verdienst von 521 Euro ab dem 1. Januar 2023. Hierfür beträgt die beitragspflichtige Einnahme für die Berechnung des Gesamtbetrages 361,05 Euro und die beitragspflichtige Einnahme für die Berechnung des Arbeitnehmeranteils 1,35 Euro. Es ergeben sich folgende Beiträge:

  • Krankenversicherung:
    • Gesamtbeitrag: 361,05 Euro x 7,3% (kaufmännisch gerundet) x 2 = 52,72 Euro
    • Midijobber: 1,35 Euro x 7,3% = 0,10 Euro
    • Arbeitgeber: 52,72 Euro – 0,10 Euro = 52,62 Euro
  • Zusatzbeitrag Krankenversicherung (die Krankenkasse erhebt den Zusatzbeitrag von 1,6%)
    • Gesamtbeitrag: 361,05 Euro x 0,8% x 2 = 5,78 Euro
    • Midijobber: 1,35 Euro x 0,8% = 0,01 Euro
    • Arbeitgeber: 5,78 Euro – 0,01 Euro = 5,77 Euro
  • Pflegeversicherung (kein Beitragszuschlag in der Pflegeversicherung wegen Kinderlosigkeit, andere Beitragslastverteilung in Sachsen)
    • Gesamtbeitrag: 361,05 Euro x 1,525% x 2 = 11,02 Euro
    • Midijobber: 1,35 Euro x 1,525% = 0,02 Euro
    • Arbeitgeber:11,02 Euro – 0,02 Euro = 11,00 Euro
  • Rentenversicherung
    • Gesamtbeitrag: 361,05 Euro x 9,3% x 2 = 67,16 Euro
    • Midijobber: 1,35 Euro x 9,3% = 0,13 Euro
    • Arbeitgeber: 67,16 Euro – 0,13Euro = 67,03 Euro
  • Arbeitslosenversicherung
    • Gesamtbeitrag: 361,05 Euro x 1,3% x 2 = 9,38 Euro
    • Midijobber: 1,35 Euro x 1,3% = 0,02 Euro
    • Arbeitgeber: 9,38 Euro – 0,02 Euro = 9,36 Euro
  • Gesamtbeitrag: 146,06 Euro
  • Gesamtbeitrag Midijobber: 0,28 Euro
  • Gesamtbeitrag Arbeitgeber: 145,78 Euro

Wie unterscheiden sich die Sozialabgaben im Midijob von denen im Minijob?

Bei einem Minijob zahlen Sie als Arbeitgeber zur Sozialversicherung nur Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung. Minijobber zahlen lediglich einen geringen Beitragsanteil zur Rentenversicherung. Sie haben zudem die Möglichkeit, sich von der Rentenversicherungspflicht zu befreien und so gar keinen Beitrag zur Sozialversicherung zu zahlen. Für Sie als Minijob-Arbeitgeber fallen darüber hinaus weitere Abgaben an:

  • Umlage 1: 1,1 Prozent vom Verdienst des Minijobbers. Damit erwirbt er Anspruch auf Erstattung der Aufwendungen für die Lohnfortzahlung bei Krankheit in Höhe von 80 Prozent. Wird Ihr Minijobber krank und Sie leisten als Arbeitgeber eine Lohnfortzahlung bei Krankheit, erstattet Ihnen die Arbeitgeberversicherung 80 Prozent dieser Aufwendungen. Am U1-Verfahren nehmen alle Arbeitgeber teil, die nicht mehr als 30 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen.
  • Umlage 2: 0,24 Prozent vom Verdienst des Minijobbers. Damit erwirbt er Anspruch auf vollständige Erstattung der Aufwendungen für den Mutterschutzlohn bei Beschäftigungsverboten nach dem Mutterschutzgesetz und für den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld nach dem Mutterschutzgesetz. Die Umlage 2 ist immer Pflicht – unabhängig von der Betriebsgröße. Außerdem ist sie für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu zahlen – unabhängig vom Geschlecht.
  • Insolvenzgeldumlage, auch für Midijobs,
  • Pauschsteuer in Höhe von zwei Prozent.

Die Minijob-Plattform gibt folgendes Beispiel für Sozialabgaben in einem Minijob mit einem monatlichen Verdienst von 520 Euro:

  • Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung
  • Arbeitgeber: 520 Euro x 13% = 67,60 Euro
  • Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung
  • Arbeitgeber: 520 Euro x 15% = 78,00 Euro
  • Rentenversicherungsbeitrag bei Versicherungspflicht
  • Arbeitnehmer: 520 Euro x 3,6% = 18,72 Euro
  • Gesamtbeitrag Arbeitgeber (nur Beiträge zur Sozialversicherung) = 145,60 Euro
  • Gesamtbeitrag Arbeitnehmer: 18,72 Euro

Für Sie als Arbeitgeber sind die Sozialabgaben bei einem Minijob mit einem monatlichen Verdienst von 520 Euro im Vergleich zu einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer mit einem Verdienst von 521 Euro nur um wenige Cent geringer (145,60 Euro bzw. 145,78 Euro). Minijobber mit einem Verdienst von 520 Euro zahlen 18,72 Euro zur Rentenversicherung. Wenn sie sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, zahlen sie gar keine Beiträge zur Sozialversicherung.

Bei einem monatlichen Verdienst von 521 Euro zahlen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer im Übergangsbereich 0,28 Euro an Sozialabgaben. Unabhängig davon, ob und bei welcher Krankenkasse Ihr Minijobber versichert ist – die Arbeitgeberversicherung der Knappschaft-Bahn-See ist die zuständige Ausgleichskasse. Bei ihr können Sie die Erstattung beantragen, wenn Sie Ihrem Minijobber Lohnfortzahlung, Mutterschutzlohn oder Zuschuss zum Mutterschaftsgeld bezahlt haben.

Gibt es eine Bestandsschutzregelung auch für die gesetzliche Rentenversicherung?

Nein.

Werden einmalige Leistungen berücksichtigt?

Ja, wenn mit deren Zahlung mit hinreichender Sicherheit mindestens einmal jährlich gerechnet werden kann. Dazu zählt der Anspruch auf Weihnachtsgeld, der sich beispielsweise aus einem Tarifvertrag ergibt. Steuer- und beitragsfreie Einnahmen bleiben unberücksichtigt.

Hat dies Auswirkungen auf die Leistungen aus der Sozialversicherung?

Nein. Trotz der geringeren Beiträge zur Sozialversicherung, kann Ihr Midijobber die vollen Leistungen der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen. Auch die reduzierten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung wirken sich nicht nachteilig auf die Rentenansprüche Ihres Midijobbers aus. Denn dem Rentenkonto wird der tatsächliche Verdienst aus dem Midijob gutgeschrieben.

Was, wenn Ihr Midijobber mehrere Beschäftigungen nebeneinander ausgeübt?

Dann gelten die besonderen Regelungen des Übergangsbereichs, wenn der insgesamt erzielte Gesamtlohn regelmäßig innerhalb des Übergangsbereichs liegt.

Worin liegen unterm Strich die Vorteile eines Midijobs?

Midijobber sind sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Im Unterschied zu Arbeitnehmern mit vollem Verdienst pro Monat zahlen Midijobber weniger Beiträge zur Sozialversicherung. Trotz der geringeren Beiträge zur Sozialversicherung, können sie die vollen Leistungen der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen. Auch die reduzierten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung wirken sich nicht nachteilig auf die Rentenansprüche der Midijobber aus. Ihrem Rentenkonto wird der tatsächliche Verdienst aus dem Midijob gutgeschrieben.

Autor*in: Franz Höllriegel