Fachbeitrag | Personal
01.10.2015

Mehr Geld für Integrationsbetriebe

Bundestag beschließt Verdoppelung.

Behinderte Menschen in die Arbeitswelt integrieren, ohne die Wettbewerbsfähigkeit von Integrationsbetrieben zu gefährden – wie geht das? Ein Mittel: der Staat unterstützt solche Betriebe. Dies soll in den kommenden drei Jahren verstärkt eingesetzt werden. Das hat der Bundestag letzte Woche beschlossen.

Behinderung© Francesco83 /​ fotolia.com

10.500 Beschäftigte mit Behinderung

Berlin. 28. September 2015 – 800 Integrationsbetriebe gibt es derzeit in Deutschland. Das sind Unternehmen am ersten Arbeitsmarkt, die zwischen 25 und 50 Prozent Menschen mit Behinderung beschäftigen. Nicht genug für die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Verena Bentele. Ihren Angaben zufolge werden derzeit mehr als 22.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon rund 10.500 mit Behinderung.

Noch mehr Arbeitsplätze schaffen

Bentele will noch mehr Arbeitsplätze schaffen. Auch will sie betriebliche Gesundheitsförderung und Weiterbildungsangebote ausbauen. Unterstützt wird sie in diesem Bestreben jetzt vom Bundestag. Er beschloss vergangene Woche, dafür in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils 50 Millionen Euro aus dem Ausgleichsfonds bereitzustellen. Damit könnten bis zu 4.500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, schätzt Bentele.

Die Linke enthält sich

Einem entsprechenden Antrag der Koalitionsfraktionen (18/5377) stimmten neben diesen auch die Oppositionsfraktion der Bündnis 90/Die Grünen im Ausschuss für Arbeit und Soziales am Mittwochvormittag zu. Die Fraktion der „Linken“ enthielt sich.

Integrationsbetriebe am Markt konkurrenzfähig halten

Bentele: „Über das Programm hinaus ist es mir wichtig, dass Integrationsbetriebe am Markt konkurrenzfähig bleiben und die bisherige Erfolgsgeschichte weitergeht.“ Daher hält sie auch künftig einen gesicherten Nachteilsausgleich für Integrationsbetriebe für notwendig. Sie sollen so dem sozialen wie auch dem wirtschaftlichen Auftrag nachkommen können.

Verrentung psychisch Erkrankter

Auch Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen in den Genuss der Leistungen aus dem Programm kommen. Ein besonderes Anliegen ist dabei die Verrentung psychisch Erkrankter. Sie nehme zu. Davon Betroffene fänden kaum einen Weg zurück in eine Beschäftigung. Ihnen will man den Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt erleichtern. Dazu werde in Integrationsbetrieben die wöchentliche Mindestarbeitszeit von bisher fünfzehn auf zwölf Stunden gesenkt.

Langzeitarbeitslose mit multiplen Vermittlungshindernissen

Des Weiteren sollen Langzeitarbeitslose mit multiplen Vermittlungshindernissen durch den Zugang zu Integrationsbetrieben neue Perspektiven in der Arbeitswelt erhalten. Hierzu habe die „Linke“ „große Bauchschmerzen“ geäußert. Sie befürchtet eine Verdrängung, schreibt „bildungsklick“.

Bevorzugung von Integrationsbetrieben bei öffentlichen Aufträgen

Die Beschäftigung dieser Zielgruppen erfordert nach Benteles Ansicht allerdings eine bessere Wettbewerbsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Daher soll es künftig möglich sein, Integrationsbetriebe bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt zu berücksichtigen.

 

Autor: Franz Höllriegel 

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