13.07.2017

Mehr Effizienz bei Retouren!

Experten raten zu Versandkostenübernahme im Gegenzug zu Retourenschein. Der Online-Handel wird immer beliebter – bei Unternehmen und Kunden. Doch birgt das Widerrufsrecht Stolpersteine. Unternehmen müssen bei Widerruf Leistungen zurückerstatten. Retourenscheine verschlanken die Prozedur, lassen sich aber nicht erzwingen – außer mit einem Trick.

Retour

Retourenscheine schmackhaft machen

Retourenscheine sind eine clevere Möglichkeit, die Retouren im Rahmen des Widerrufs effizienter zu gestalten. Die Retouren sind direkt richtig adressiert, die Bestellungen können einfacher zugeordnet werden und die Kosten der Rücksendungen sinken. Das berichtet „Internetworld.de“. Das Problem: Der Kunde kann nicht verpflichtet werden, angebotene Retourenscheine zu nutzen.

Die Lösung

Der Verbraucher braucht die unmittelbaren Kosten der Rücksendung nicht zu tragen, wenn er den angebotenen Retourenschein nutzt. Die Internet-Plattform „Internetworld.de“ empfiehlt Anbietern, eine entsprechende Bedingung im Rahmen der Widerrufsbelehrung einzubauen.

Fragen zum Widerrufsrecht

Das Problem der Retourenscheine gehört zu einer Reihe weiterer Fragen, die sich im Rahmen des Widerrufsrechts im Online-Handel und der Verpflichtung, erhaltene Leistungen zurück zu erstatten, stellen wie:

  • Gilt die Rückerstattungspflicht auch für die Hin- und Rücksendekosten?
  • Was ist mit Expresszuschlägen?

Die Plattform hat zusammen mit Rechtsexperten des Online-Shop-Beratungsunternehmens Trusted Shops (http://www.trustedshops.de/) Tipps erarbeitet, wie in solchen Fällen zu verfahren ist.

Definition

Danach sind unter Rücksendekosten die Kosten gemeint, die für die Rücksendung der Ware vom Verbraucher an den Händler im Rahmen des Widerrufsrechts anfallen.

Pflicht oder Entgegenkommen?

Diese Kosten seien nach Umsetzung der Verbraucherrechterichtlinie grundsätzlich vom Verbraucher zu tragen. Ausnahmen bestünden dann, wenn der Händler die Kosten freiwillig übernimmt oder es versäumt, über die Tragung der Rücksendekosten zu informieren. Achtung bei nicht paketversandfähiger Ware! Hier muss der Anbieter die Verbraucher über die konkrete Höhe der Rückversandkosten informieren.

Rückerstattung von Hinsendekosten

Hinsendekosten sind die Versandkosten, die der Verbraucher bei der Bestellung bezahlt hat. Anbieter müssen sie grundsätzlich zurückerstatten; sie können sie dem Verbraucher nicht auferlegen. Ausnahmen bestehen nur bei:

  • Expresszuschlägen und bei
  • Teilwiderruf.

Wenn der Verbraucher aktiv eine andere Versandart als die günstigste vom Händler angebotene Versandart gewählt hat, zum Beispiel einen teureren Expressversand, so müssen dem Verbraucher lediglich die Kosten zurückerstattet werden, die beim günstigsten Standardversand entstanden wären.

Widerruf eines Teiles der Sendung

Widerruft ein Kunde nur einen Teil seiner Bestellung und behält zum Beispiel von fünf zugesendeten Produkten nur zwei, handelt es sich um einen so genannten Teilwiderruf. Hier gilt als Faustformel: Dem Verbraucher müssen diejenigen Hinsendekosten nicht zurückerstattet werden, die für den Teil der Bestellung angefallen wären, den er nicht widerrufen hat. Der umgekehrte Fall betrifft die nachträgliche Auferlegung von Hinsendekosten, wenn durch den Teilwiderruf eine Versandkostenfreigrenze unterschritten wird.

Versandkosten arbeitsrechtlich Sachbezüge?

Jetzt hat ein Finanzgericht eine für Arbeitgeber nicht unwichtige Entscheidung zur Berücksichtigung von Versand- und Verpackungskosten bei Bestellungen aus dem Internet in Bezug auf Arbeitnehmerentgelte gefällt. Darüber berichtet Lohn– & Gehaltsprofi AKTUELL“ (9/2017 Juli). Die Frage war: Wenn ein Arbeitgeber Ware im Internet bestellt und dann an den Arbeitnehmer abgibt, gehören dann diese Nebenkosten auch zum „Sachbezug“? Oder sind das übliche Aufwendungen des Arbeitgebers, die hier nicht eingerechnet werden müssen? Die Antwort des Gerichts dürfte für viele eine böse Überraschung bereit halten.

Autor: Franz Höllriegel