01.12.2017

Markenhersteller schreiben Reparaturfreundlichkeit klein

Buy and sigh – kaufen und verzweifeln. Das inoffizielle Credo des Marktes von heute bedeutet für den Verbraucher: repariere nicht, kaufe neu! Offiziell klingt es so: kaufe, leicht zu reparieren! Doch stimmt das? Die Verbraucherzentrale wollte es wissen. Ergebnis: Nein, stimmt nicht.

Reparaturfreundlichkeit von Haushaltsgeräten

Wie ist es um die Reparaturfreundlichkeit von Haushaltsgeräten bestellt? Die Verbraucherzentrale NRW fragte 31 Hersteller von insgesamt 45 verschiedenen Markenprodukten, ob drei wesentliche Anforderungen erfüllt sind, damit defekte Geräte möglichst leicht wieder instandgesetzt werden können:

  • Reparatur-Anleitungen für freie Werkstätten und Verbraucher.
  • Ersatzteile außer für eigene Vertragswerkstätten auch für freie Werkstätten und ehrenamtliche RepairCafés.
  • Gehäuse aller Geräte mit handelsüblichem Werkzeug oder gar ohne leicht zu öffnen.
  • Keine Verklickungen und Verklebungen von Gehäusen und kein Einsatz von Spezialwerkzeug.

Wettbewerb auf dem Reparaturmarkt

Sind diese Anforderungen erfüllt, können Käufer eine Reparatur leicht selbst durchführen. Außerdem fördert das den Wettbewerb auf dem Reparaturmarkt. Wahrscheinlich trägt letzteres Argument in Verbindung mit der durch bessere Do-it-Yourself-Möglichkeit geminderten Aussicht, dass der Verbraucher neue Produkte kauft, mit zu dem eher ernüchternden Ergebnis bei:

  • Bei 25 Marken müssen Abstriche gemacht werden, besonders stark beim Zugang zu Reparatur-Anleitungen. 19 von 26 Marken stellen ihre Anleitungen – sofern überhaupt vorhanden – ausschließlich Vertragswerkstätten zur Verfügung und erschweren damit die Reparatur durch freie Anbieter.
  • Lediglich eine Marke gab an, alle drei Anforderungen zur Reparaturfreundlichkeit zu erfüllen. Toaster, Wasserkocher und Kaffeemaschinen seien leicht zu öffnen, Reparaturanleitungen wie auch Ersatzteile würden an Werkstätten und Verbraucher ausgegeben.
  • Massive Probleme zeigten sich ebenfalls bei der unkomplizierten Gehäuseöffnung insbesondere bei Kleingeräten wie Föhnen, Bügeleisen oder Toastern. Bei nur neun von 19 Kleingeräte-Marken sind alle Produkte leicht zu öffnen. Zehn Marken meldeten, schwierig bis gar nicht zu öffnende Produkte im Sortiment zu haben.
  • Besonders ärgerlich: Einige Hersteller bieten nach eigener Auskunft in verschiedenen Produktkategorien ausschließlich Geräte an, die nicht ohne Zerstörung geöffnet werden können.

Viele Markenhersteller verweigern die Auskunft

Und überhaupt: nicht einmal alle, nämlich nur 19 Hersteller (26 Marken) von Produkten vom Toaster bis hin zur Waschmaschine füllten den Fragebogen der Verbraucherschützer aus. Zwei Unternehmen antworteten mit einem informellen Schreiben. 17 Marken verweigerten eine Auskunft.

Zugang zu Ersatzteilen

Immerhin: Besser ist der Zugang zu Ersatzteilen geregelt. 18 von 26 Marken liefern sie grundsätzlich auch an freie Werkstätten und Verbraucher. Kaum Probleme gibt es in diesem Punkt bei Großgeräten. Bei den Kleingeräten liefern zwei Hersteller keine Ersatzteile für diejenigen Produkte aus, deren Gehäuse nicht zu öffnen sind. Eine Reparatur ist damit bei diesen Produkten ausgeschlossen. Zwei andere Hersteller schließen eine Reparatur durch freie Anbieter oder handwerklich begabte Kunden aus. Hilfe leisten kann so allenfalls eine Vertragswerkstatt.

Reparatur von der Steuer absetzen?

Bei fehlenden Reparaturmöglichkeiten mit eigenen Bordmitteln stellt sich die Frage: können Steuerzahler Reparaturen stationärer und mobiler Elektrogeräte wenigstens steuermindernd berücksichtigen? Über eine entsprechende Frage eines Grünen-Abgeordneten an die Bundesregierung berichtet „SteuerSparbrief AKTUELL“ (14/2017). Wie die Antwort des zuständigen Parlamentarischen Staatssekretärs ausfiel, dazu alles Wissenswerte in der aktuellen Ausgabe des Newsletters für Selbständige und Unternehmer.

 

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Autor: Franz Höllriegel