News | Personal 30.06.2017

Leiharbeit auf dem Prüfstand

AÜG-Novelle seit April in Kraft. Und plötzlich eine Auftragsspitze! Eigens Arbeitsplätze aufbauen, wo unklar ist, wie lange sie dauert? Das Mittel der Wahl: Leiharbeiter. Doch dabei blieb es nicht. Das Provisorium verstetigte sich. Dauereinsatz von Leiharbeitnehmern führten zur Gesetzesnovelle. Sie ist seit April in Kraft.

Leiharbeit

Gut gemeint ist nicht gleich gut umgesetzt

Vielleicht gut gemeint, aber sehr schlecht umgesetzt, heißt es in einem Kommentar der „Westfalenpost“. Beim Thema Leiharbeit habe die Bundesregierung mit der Regelung zur Höchstüberlassungsdauer im Grunde allen einen „Bärendienst“ erwiesen. Leiharbeiter, die nach 18 Monaten einen Betrieb verlassen müssen, fingen anderswo wieder mit geringerer Bezahlung als die Stammbelegschaft an.

Anspruch auf gleiche Bezahlung

Erst nach neun Monaten haben sie mit Ausnahmen wieder Anspruch auf gleiche Bezahlung wie die Stammbelegschaft. Firmen, die einen neuen Leiharbeiter bekommen, sparten so ein paar Monate Geld, hätten dafür aber einen Anfänger im Haus. Eine Rechnung, die auch für die Wirtschaft nicht aufgeht. Das Ziel, zu verhindern, dass feste Arbeitsplätze durch Leiharbeit ersetzt werden, werde mit der April-Novelle in jedem Fall verfehlt. Unter dem Strich stehe ein „vermurkstes Gesetz“.

Atypische Beschäftigung zugenommen

Der Arbeitsmarkt hat sich nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung 2016 positiv entwickelt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit ist demnach deutlich gewachsen. Noch stärker allerdings habe die atypische Beschäftigung zugenommen. Der Anteil von Teilzeitstellen, Leiharbeit und Minijobs an der Gesamtbeschäftigung ist erneut gestiegen und befindet sich auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren. Unterm Strich waren 2016 rund 39,6 Prozent aller abhängigen Hauptbeschäftigungsverhältnisse (ohne Beamte und Selbständige) solche atypischen Jobs, 2015 lag die Quote bei 39,3 Prozent.

Anteil der Leiharbeiter an abhängig Beschäftigten

Der Anteil der Leiharbeiter an den abhängig Beschäftigten lag im Jahr 2016 bei 2,6 Prozent. Auch für Leiharbeiter gilt eine starke Betroffenheit von niedrigen Löhnen (46 Prozent), zumindest nach den neuesten verfügbaren Zahlen aus dem Sozio-ökonomischen Panel für 2015. „Insbesondere die Zahl der Teilzeit- und Leiharbeiter hat 2016 weiter zugenommen“, beschreibt WSI-Arbeitsmarktexperte Dr. Toralf Pusch den aktuellen Trend. Die Zahl der oft besonders schlecht bezahlten und abgesicherten Minijobber im Haupterwerb habe hingegen um etwa 46.000 Beschäftigte abgenommen – auf 5,14 Millionen.

Atypische Beschäftigung in westdeutschen Flächenländern

Am stärksten verbreitet ist laut soeben aktualisierten Zahlen der entsprechenden WSI-Datenbank atypische Beschäftigung in den westdeutschen Flächenländern. Schleswig-Holstein hat mit 43,3 Prozent den höchsten Anteil, gefolgt von Rheinland-Pfalz (42,6 Prozent) und Niedersachsen (42,1 Prozent). In manchen westdeutschen Städten und Landkreisen liegt die Quote sogar bei mehr als 50 Prozent. Die höchsten Anteile weisen Delmenhorst mit 55,9 Prozent sowie die Kreise Kusel (51,6 Prozent) und Plön (50,9 Prozent) auf. Insgesamt beträgt die Quote der atypischen Beschäftigung im Westen 39,9 Prozent, im Osten fällt sie um etwa einen Prozentpunkt geringer aus.

Sonderausgabe „Leiharbeit“ „Personaltipp AKTUELL“

In einer Sonderausgabe zum Thema „Leiharbeit“ geht „Personaltipp AKTUELL“ (08/2017) ausführlich auf die Reform der Leiharbeit ein. Darin werden die verschiedenen Rechtsstellungen von Leiharbeitnehmer, Verleiher und Entleiher analysiert. Eine der bedeutendsten Neuerungen des reformierten Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) ist die Wiedereinführung einer gesetzlichen Höchstüberlassungsdauer. Was Personalverantwortliche über diese zeitliche Schranke wissen sollten, steht in der Sonderausgabe von „Personaltipp AKTUELL“.

 

Autor: Franz Höllriegel