News | Personal 11.01.2017

Krankgeschrieben – und trotzdem arbeiten?

Arbeitgeber achten auf gesunde Mitarbeiter am Arbeitsplatz Ist nicht so schlimm, das bisschen Schnupfen – sagt der Mitarbeiter. Meistens wird dabei übersehen: es geht nicht nur um dessen eigenes Wohlbefinden. Auch Kollegen werden in Mitleidenschaft gezogen, wenn Nase und Augen triefen. Arbeitsklima und Unternehmenserfolg können davon abhängen.

Hälfte aller Arbeitnehmer arbeitet trotz Krankheit

Deutsche Arbeitnehmer sind fleißig und loyal zu ihren Kollegen und ihrem Unternehmen. Nichts kann sie davon abhalten, tagtäglich zur Arbeit zur gehen. Auch nicht Symptome einer Krankheit, schon gar, wenn sie nicht allzu schwerwiegend sind. Über die Hälfte von ihnen sehen das so – und gehen trotz laufender Nase und hartnäckigen Nießanfällen zur Arbeit. Das brachte eine Umfrage des Jobportals Monster unter seinen Nutzern zu Tage.

Ruhe für die Genesung

Danach arbeiten 12 Prozent der Befragten immer, auch wenn sie krank sind. Rund acht Prozent der deutschen Monster-Nutzer arbeiten bei Krankheit von zuhause aus, 29 Prozent nehmen die Symptome ernst und gönnen sich zu Hause die nötige Ruhe für die Genesung. Trotz Krankheit geht jeder Zehnte der Befragten zur Arbeit, 51 Prozent melden sich nur dann krank, wenn sie ihre Symptome als „schwerwiegend“ empfinden.

Präsentismus greift um sich

Die Fachwelt nennt das Phänomen, ohne Rücksicht auf die Gesundheit am Arbeitsplatz präsent sein zu wollen, Präsentismus. Der Anlass dafür variiert je nach persönlicher Einschätzung. Hauptsächlich plagt die Kranken das schlechte Gewissen. Man will den Kollegen durch die eigene Krankheit nicht mehr Arbeit aufbürden oder befürchtet, dass sich während der eigenen Abwesenheit zu viel Arbeit anhäuft.

Angst um den Arbeitsplatz

Auch die Angst um den Arbeitsplatz spielt eine immer größere Rolle. Eine Befürchtung übrigens, die nicht in jedem Fall automatisch berechtigt sein muss. So ist eine Kündigung wegen häufiger Kurzerkrankungen nur begründet, wenn auch zukünftig mit erheblichen krankheitsbedingten Fehlzeiten zu rechnen ist. Der Newsletter für Arbeitsrecht „Personaltipp AKTUELL“ zitiert in seiner neuen Ausgabe (01/2017 Januar) dazu aus einem aktuellen Arbeitsgerichtsurteil.

Nachteilig für das Unternehmen

Experten warnen. Der Präsentismus kann sich nicht nur für den betroffenen Mitarbeiter selbst, sondern auch für das Unternehmen als Ganzes nachteilig auswirken. Selbst wenn der Präsentismus einen positiven Grund hat und zum Beispiel die Begeisterung für den Job dahinter steckt, ist er in der Regel weder für die Kollegen noch für den Arbeitgeber von Vorteil. Die Kosten für Präsentismus liegen um ein Mehrfaches höher als die Kosten durch krankgemeldete Mitarbeiter. Das hätten Studien gezeigt, schreibt „monster.de“.

Pflicht zum Aussetzen der Arbeit

Laut deutschem Arbeitsrecht sind Arbeitnehmer dazu verpflichtet, die Arbeit auszusetzen,

  • wenn sie arbeitsunfähig sind,
  • die Arbeit der Heilung schadet oder
  • sie an einer ansteckenden Krankheit leiden.

Folgen einer Nichtbeachtung wären im Extremfall beispielsweise die Verweigerung der Lohnfortzahlung bei einer verlängerten Arbeitsunfähigkeit, da die Krankheit nicht mehr unverschuldet ist – von dem Schaden für die Gesundheit der Betroffenen selbst ganz abgesehen.

 

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Autor: Franz Höllriegel