News | Personal 06.01.2017

Krankenstand in Unternehmen weiter auf niedrigem Niveau

Gleichwohl mehr krankheitsbedingte Ausfalltage Einen leichten Anstieg des Krankenstandes der Beschäftigten in deutschen Unternehmen melden verschiedene Institute. Der Krankenstand bewegt sich seit einigen Jahren auf relativ niedrigem Niveau. Jedoch erreichte die Zahl krankheitsbedingter Ausfallstage 2015 eine neue Rekordmarke.

Krankenstand senkt Arbeitszeit

Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Erwerbstätigem lag im dritten Quartal 2016 bei 346,6 Stunden. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist sie um 0,4 Prozent gesunken. Verglichen mit dem Vorquartal hat sie saison- und kalenderbereinigt um 0,6 Prozent abgenommen. Die Arbeitszeit gesenkt hat vor allem ein höherer Krankenstand der Beschäftigten. Dieser lag bei 3,8 Prozent und ist somit um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Über zwei Wochen krank

Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fehlte 2015 jeder Beschäftigte im Durchschnitt 15,2 Tage wegen Krankheit. Im Vorjahr lagen die Fehltage mit 14,4 etwas niedriger, meldet dpa unter Berufung auf Zahlen der Bundesregierung. Demnach fielen vergangenes Jahr 587,4 Millionen Arbeitstage wegen Krankheit aus – 44 Millionen mehr als 2014, neuer Rekord.

100 Milliarden Euro Verlust wegen Krankschreibung

Der deutschen Wirtschaft gehen laut „apotheke adhoc“ im Jahr mehr als 100 Milliarden Euro durch Krankmeldungen verloren. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung ging im Jahr 2015 dagegen im Vergleich leicht zurück. Allein durch den krankheitsbedingten Produktionsausfall sei den Betrieben im Jahr 2015 ein Schaden von 64 Milliarden Euro entstanden, sieben Milliarden mehr als im Vorjahr. Der volkswirtschaftliche Schaden soll jedoch weitaus größer sein.

Verlust von Bruttowertschöpfung

Forscher bezifferten den Verlust von Bruttowertschöpfung der nicht produzierten Waren und Dienstleistungen auf insgesamt 131 Milliarden Euro – rund vier Prozent der Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland.  Jeder Krankheitstag kostete damit 109 Euro Produktionsausfall gegenüber 105 Euro im Vorjahr. An Produktivleistung sei sogar ein Betrag von 193 Euro verloren gegangen – je Arbeitnehmer ein Schaden von 2.926 Euro im Jahr.

Sorge um Gesundheit der Mitarbeiter

Viele Unternehmen sorgen sich deswegen um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Zwar eher noch ein Einzelfall, will Autobauer Daimler erste Maßnahmen ergreifen. Das Unternehmen handele derzeit mit dem Gesamtbetriebsrat eine neue Betriebsvereinbarung über zusätzliche Maßnahmen zur Gesundheitsprävention aus. Deutschlandweit könnte das Unternehmen Gesundheitschecks für alle Beschäftigten anbieten. Mitarbeiter, die selten ausfallen, sollen den Plänen zufolge einen Bonus von 200 Euro brutto pro Jahr erhalten. Dabei könnte der Betrag auch gestaffelt ausgezahlt werden, wenn ein Mitarbeiter nur wenige Tage gefehlt hat.

Krankenstand niedrig halten

Dem Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz und wie Unternehmen zumal in der Winterzeit den Krankenstand niedrig halten widmet sich auch der Wirtschaftsbrief „Meisterbrief AKTUELL“ in seiner neuesten Ausgabe zum Jahresauftakt (1/2017 Januar). So ist die Arbeit vieler Beschäftigter trotz Krankschreibung nicht unumschränkt zu begrüßen.

Gute Absicht, schlechte Wirkung

Die gute Absicht, Kollegen und Arbeitgeber nicht im Stich zu lassen, kehre sich in ihr Gegenteil um, wenn die Mitarbeiter Kollegen anstecken und so schnell für einen hohen Krankenstand sorgen. Ein Rat des Newsletters: Keine Krankheitsherde am Arbeitsplatz, Hygiene ermöglichen, für ausreichende Beheizung am Arbeitsplatz sorgen – dann kommt die Belegschaft möglichst heil durch den Winter.

Autor: Franz Höllriegel