05.12.2022

Jobsharing: der neue Trend zum Teilen?

Keine Unterhaltssorgen, jederzeit verfügbar, keine Fixkosten. Carsharing erfreut sich zunehmenden Interesses. Nicht so Jobsharing in deutschen Unternehmen. Das führt nach wie vor ein Schattendasein. Obwohl beide profitieren: Mitarbeiter und Sie als Chef – wenn Sie die Regeln kennen.

Jobsharing

Wie homogen ist Arbeiten heute noch?

Immer weniger. Selbst innerhalb einer Abteilung gibt es Mitarbeiter, die lieber mobil arbeiten, und andere, die lieber im Büro tätig sind. Die Vielfalt in den Unternehmen steigt im Hinblick auf Belegschaft und deren Zusammensetzung ebenso wie bezüglich der Vorstellungen über die Art und Weise des Arbeitens. Die Organisationsformen in den verschiedenen Geschäftsbereichen der Betriebe unterscheiden sich zunehmend.

Die zunehmende Heterogenität verlangt nach neuen Arbeitsformen:

  • mehr Integration
  • mehr Koordination
  • mehr Berücksichtigung individueller Bedürfnisse

Zumal ältere Mitarbeiter, Menschen in besonderen Lebensphasen oder mit anderen kulturellen Hintergründen fordern individuelle Formen des Arbeitens. Sie verlangen nach Arbeitszeitmodellen, die ihren geänderten Bedürfnissen als Mitarbeiter in besonderem Maße Rechnung tragen.

Unterstützt Personalarbeit Mitarbeiter in allen Lebensphasen?

Das sollte sie, um erfolgreich zu sein. Sie eröffnet Perspektiven dem 50-Jährigen mit einem pflegebedürftigen Elternteil ebenso wie Ihnen als Führungskraft im Zenit ihrer Karriere oder Ihnen als Mittvierziger, der Sie im Begriff sind, im Ausland Ihren nächsten Karriereschritt anzustreben.

Flexible Arbeitszeitmodelle sind daher eine Reaktion auf die veränderten Ansprüche der Mitarbeiter, wie z. B.:

  • Forderung nach mehr Selbstbestimmung bei Festlegung der Arbeitszeit oder
  • Work-Life-Balance-Maßnahmen.

Was haben Sie als Arbeitgeber davon?

Nicht zuletzt eine größere Mitarbeiterzufriedenheit und damit der Produktivität Ihres Unternehmens. Flexible Arbeitszeitmodelle gehören heute zu den bedeutenden Instrumenten, um beides zu steigern. Mit ihrer Hilfe:

  • senken Sie die Gesamtkosten,
  • lasten Sie die vorhandenen Personalressourcen besser aus und
  • gleichen Sie Schwankungen des Arbeitsanfalls aus.

Tipp der Redaktion

Ganz gleich, ob Sie Fragen zu Mitarbeitergesprächen, Zielvereinbarungen oder Ihrem Führungsstil haben: „Führung & Management“ hilft praxisnah und zuverlässig. Erfolgreich als Führungskraft und Manager – So meistern Sie die Herausforderungen und optimieren das Unternehmen!

Was geschieht mit traditionellen Arbeitszeitmodellen?

Sie verlieren umgekehrt in Zeiten

  • von Digitalisierung,
  • zunehmender Komplexität und
  • des Einsatzes von modernen Informations- und Kommunikationstechniken weiter an Bedeutung. Immer mehr Arbeitnehmer erledigen einen Teil ihrer Aufgaben mithilfe von Smartphones, Tablets oder Laptops und sind fast rund um die Uhr erreichbar.

Was unterscheidet herkömmliche und moderne Arbeitszeitmodelle?

Herkömmliche Modelle:

  • starre Arbeitszeitgestaltung
  • Uniformität
  • Pünktlichkeit
  • Fremdbestimmtheit
  • Deckung von Arbeits- und Betriebszeit

Flexible Arbeitszeitgestaltungen:

  • hohes Maß an Beweglichkeit,
  • asynchrone Anwesenheit der Mitarbeiter
  • größtmögliche Entkopplung von Arbeits- und Betriebszeit.

Car-Sharing, Share Economy, shared Mode – kaum ein Produkt, eine Dienstleistung, die man nicht mehr mit anderen Menschen teilt. Davon ist der Arbeitsplatz nicht verschont. Jobsharing heißt hier das Teilprinzip.

Jobsharing – einer arbeitet, zwei kassieren den Lohn?

Zwei arbeiten, zwei teilen sich den Lohn, trifft es besser.

Wo bringt sich Jobsharing ein?

Im Grunde, wo das Beste aus beiden Welten verlangt ist:

  • äußerst flexibles Arbeitszeitmodell
  • zwei oder mehr Mitarbeiter teilen sich mindestens eine Vollzeitstelle
  • zwei Arbeitnehmer übernehmen im Tandem Aufgaben und Verantwortung für eine anspruchsvolle Tätigkeit oder eine Führungsposition.

Steht Jobsharing in Konkurrenz zur Teilzeitarbeit?

Nein. Es grenzt sich deutlich davon ab. Der Unterschied besteht darin, dass nicht Sie als Arbeitgeber einen Vollzeitarbeitsplatz in zwei Teilzeitstellen unterteilen und diese mit jeweiligen Aufgaben und Verantwortungen betrauen. Vielmehr teilen sich mehrere Arbeitnehmer die Aufgaben und Verantwortungen einer gemeinsamen Arbeitsstelle. Sie teilen sich die Arbeitszeit beispielsweise stunden- oder tageweise. Bei der Teilzeitarbeit sind die Mitarbeiter in Teilzeit unabhängig voneinander. Eine Absprache untereinander ist nicht nötig. Jobsharing fußt demgegenüber auf einer engen Teamarbeit. Grundsätzlich eignen sich zahlreiche Vollzeitstellen für das Jobsharing. Allerdings gibt es beim Jobsharing unterschiedliche Modelle.

In welche Formen tritt Jobsharing auf?

Bezüglich der Arbeitszeitaufteilung ist Jobsharing enorm flexibel und lässt eine Vielzahl von Kombinationen zu. Außerdem ist es für viele Mitarbeiter geeignet und unabhängig vom Geschlecht, Alter, von der Branchenzugehörigkeit oder Hierarchiestufe. Zudem ist Jobsharing mit verschiedenen Wertemodellen und Lebenseinstellungen vereinbar und lässt sich flexibel an neue und individuelle Lebensphasen anpassen.

Job-Splitting einfache Form des Jobsharings: in erster Linie nur die zeitliche Aufteilung einer Vollzeitstelle in mindestens zwei voneinander unabhängige Teilzeitstellen. Die beteiligten Mitarbeiter haben identische Aufgaben. Geringer Interaktions- oder Kooperationsbedarf.
Job-Pairing Mitarbeiter stimmen sich hinsichtlich der zu erfüllenden Aufgabe untereinander ab. Sie sind gemeinsam für die Aufgabenerfüllung verantwortlich und treffen gemeinsam wichtige Entscheidungen.
Top-Sharing mindestens zwei Mitarbeiter teilen sich eine Führungsposition und übernehmen gemeinsam die Verantwortung für wichtige, insbesondere strategische Entscheidungen, Investitionen und die Führung von Mitarbeitern.

Wem nützt Jobsharing?

Ihnen als Arbeitgeber und Ihren Arbeitnehmern, die sich in Ihrem Unternehmen einen Arbeitsplatz teilen. Sich stetig verändernde Arbeitsbedingungen und moderne Vorstellungen hinsichtlich der Work-Life-Balance machen es möglich, flexible Arbeitszeitmodelle umzusetzen. Eines davon ist das Jobsharing.

Welche Vorteile hat das Jobsharing für Ihre Mitarbeiter?

Z.B. folgende:

  • Möglichkeit der Teilzeitarbeit
  • Unterstützung durch Jobsharing Partner
  • Ständiger Austausch und viel Kommunikation
  • Stärkere Bindung an das Unternehmen
  • Mehr Spaß und Zufriedenheit im Job

… und welche Vorteile für Sie als Arbeitgeber?

  • Höhere Zufriedenheit der Mitarbeiter
  • Mehr Motivation führt zu besseren Leistungen
  • Im Krankheitsfall kann leicht für Ausgleich gesorgt werden
  • Das Arbeitgeberimage verbessert sich
  • Doppeltes Fachwissen in einer Position

Wofür können Sie als Unternehmen Jobsharing nutzen?

Dabei handelt es sich um ein Arbeitszeitmodell, bei dem sich zwei oder mehr Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle bei Ihnen als ihrem Arbeitgeber teilen. Als Unternehmen meistern Sie damit die Herausforderung, die Zusammenarbeit von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Generationen oder Nationalitäten regeln zu müssen. Mit dem Jobsharing realisieren Sie als Arbeitgeber eine generationenübergreifende oder internationale Zusammenarbeit und fördern diese.

Als Unternehmen haben Sie in Jobsharing ein Instrument für den innerbetrieblichen Wissenstransfer:

  • Sie brechen innerbetriebliche Wissenssilos damit auf.
  • Sie machen Ihrem Unternehmen das Know-how und die Erfahrung von zwei Mitarbeitern verfügbar.

Als Unternehmen können Sie das Jobsharing gut als Instrument zur Mitarbeiterbindung und Employer-Branding-Tool nutzen.

Wie ist Jobsharing rechtlich geregelt?

In § 13 Abs. 1 Teilzeitbefristungsgesetz (TzBfG). Er sieht die Teilung eines Arbeitsplatzes vor. Als Arbeitgeber ist für Sie wichtig, dass die Regelungen Ihr Direktionsrecht hinsichtlich der Arbeitszeit ‒ auch ohne spezielle Regelungen im Arbeitsvertrag ‒ einschränken:

  • Ihre Mitarbeiter können die Verteilung der Arbeitszeit untereinander selbst bestimmen.
  • Die dabei geplanten Arbeitszeiten geben Ihre betreffenden Mitarbeiter Ihnen als ihrem Arbeitgeber rechtzeitig bekannt.
  • Vertraglich regeln Sie das Jobsharing in einer eigenen arbeitsvertraglichen Ergänzung.
  • Das Einverständnis Ihrer Mitarbeiter mit diesem Konstrukt ist Voraussetzung. Eine einseitige Vorgabe durch den Arbeitgeber ist nicht möglich.

Wie genau – der eine montags bis mittwochs, der andere die restlichen Tage der Woche, im Büro oder im Home-Office etc. –, das machen Ihre Arbeitnehmer in der Regel unter sich aus. Die Initiative zum Jobsharing geht von Ihren Mitarbeitern aus, nicht von Ihnen als Arbeitgeber. Nur für den – in der Praxis eher seltenen – Fall, dass rechtzeitige Mitteilungen unterbleiben oder zwischen den Mitarbeitern keine Einigung erzielt werden kann, fällt das Direktionsrecht wieder an Sie als Arbeitgeber zurück. Zwischen den am Jobsharing beteiligten Mitarbeitern besteht kein irgendwie geartetes Rechtsverhältnis. Dementsprechend steht der eine Jobsharer nicht für den anderen ein, sollte dieser seinen Leistungspflichten nicht nachkommen. Stattdessen schuldet jeder Mitarbeiter nur seine eigene arbeitsvertraglich festgelegte geteilte Arbeitsleistung.

Teilen sich Jobsharer eine Stelle genau 50/50 gesplittet?

Nein, das ist nicht erforderlich. Stattdessen:

  • an diesem Modell beteiligte Mitarbeiter arbeiten eng zusammen,
  • verantworten die Stelle gemeinsam und
  • teilen Aufgaben und Zeit selbstständig untereinander auf.

Auch wenn das Jobsharing bereits seit den 80er-Jahren existiert, wird es von deutschen Unternehmen nur selten genutzt. Die neuen technischen Möglichkeiten und geänderten Anforderungen der Mitarbeiter können aber dazu führen, dass sich das zeitnah ändern wird.

Können Sie als Arbeitgeber einem Jobsharer kündigen?

Ja, Sie können Jobsharing-Verträge unabhängig voneinander beenden. Scheidet einer der beteiligten Arbeitnehmer aus, sieht das Gesetz für den anderen Partner Kündigungsschutz vor, selbst wenn für den Betrieb das Kündigungsschutzgesetz nicht gilt. Sie als Arbeitgeber haben allerdings das Recht, in einem solchen Fall eine Änderungskündigung auszusprechen. Möglich wäre auch eine Beendigungskündigung, die nicht im Zusammenhang mit dem Ausscheiden des Jobpartners steht, z. B. aus verhaltens- oder betriebsbedingten Gründen.

Wie sorgen Sie für Ausfälle vor?

Im Idealfall ergänzen sich Job-Partner nicht nur bei der Verteilung der Aufgaben und der Arbeitszeit, sondern auch bei Verhinderung wegen Krankheit, Urlaub oder aus anderen Gründen. Eine Verpflichtung zur Vertretung besteht gemäß § 13 Abs. 1 TzBfG nur unter bestimmten Voraussetzungen:

  • die beteiligten Arbeitnehmer müssen im konkreten Einzelfall der Vertretung zugestimmt haben oder
  • der Arbeitsvertrag sieht bei Vorliegen dringender betrieblicher Gründe eine Vertretung vor und
  • diese ist im Einzelfall zumutbar, und zwar auch wenn der Arbeitsvertrag eine generelle Verpflichtung zur Vertretung vorsieht.

Welche Punkte gehören in einen Arbeitsvertrag beim Jobsharing?

  • Namen der beteiligten Arbeitnehmer
  • Zeit und selber Arbeitsplatz in gegenseitiger Abstimmung
  • keine gleichzeitige Tätigkeit der Job-Partner am selben Platz
  • Bedingungen von Verhinderungen, wie Sie als Arbeitgeber eine Vertretung oder ob die Job-Partner dies ebenfalls untereinander regeln.

Vergessen Sie nicht die Bestimmung, das die Job-Partner die Aufteilung der Arbeitszeit im Rahmen der betriebsüblichen Arbeitszeit untereinander festlegen.

Gibt es andere Möglichkeiten, auf Arbeitnehmerinteressen einzugehen?

Ja. Eine Möglichkeit, sie mit unternehmerischer Notwendigkeit zu vereinbaren, stellt die Brückenteilzeit dar. Sie bietet Beschäftigten neue Möglichkeiten, Arbeit und Privatleben besser zu organisieren. Sie als Arbeitgeber können ihr zustimmen – müssen es aber nicht immer. Was dabei zu beachten ist, lesen Sie in unserem Beitrag „So handhaben Arbeitgeber die Brückenteilzeit optimal“. Grundsätzlich ist es von Vorteil, wenn Sie als Personalverantwortliche wissen, wie Sie am besten auf den Wunsch von Arbeitnehmern auf Reduzierung der Arbeitszeit reagieren. Denn auch für ihre Familienfreundlichkeit bekannte Betriebe können es sich in den seltensten Fällen leisten, jedem Teilzeitverlangen bedingungslos nachzukommen. Den Ritt auf der Rasierklinge zwischen beiden Herausforderungen meistern Sie möglicherweise etwas besser, wenn Sie unseren Beitrag „So reagieren Sie als Arbeitgeber richtig auf Teilzeitwünsche!“ lesen. Bei allem nicht zu vergessen sind die Vorteile, die eine Arbeitszeitflexibilisierung für die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter haben kann. Näheres hierzu finden Sie in dem Beitrag „Arbeitszeitflexibilisierung für den Gesundheitsschutz?“.

Autor*in: Franz Höllriegel