Expertentipp | Steuern
20.08.2015

Jetzt mit haushaltsnahen Dienstleistungen mehr Steuern sparen!

Bekanntlich sind Finanzämter äußerst pingelig und kleinlich, wenn Steuerzahler Ermäßigungen oder Abzugsmöglichkeiten nutzen wollen. Aus lauter Angst davor, dem Missbrauch Tür und Tor zu öffnen, verschanzen sich die Beamten in solchen Fällen oft hinter den Buchstaben von Paragrafen und Gesetzen, statt ihren Geist und Sinn zu berücksichtigen – und das, was der Gesetzgeber damit letztlich wollte. So war das bisher auch in vielen Fällen bei den steuerlich begünstigten „haushaltsnahen Dienstleistungen“. Die Finanzämter bestanden darauf, dass die Arbeiten direkt auf dem Grundstück des Steuerzahlers erbracht worden sein mussten. Damit wurde dann zum Beispiel das Schneeräumen entlang des Grundstücks nicht anerkannt – eine ziemlich verquere Auffassung, weil schließlich der direkte Zusammenhang zum Grundstück und zum Haushalt des Steuerzahlers auf der Hand liegt. Zum Glück hat der Bundesfinanzhof (BFH) jetzt in zwei neueren Urteilen entschieden, dass auch Arbeiten „rund um das eigene Grundstück“ als haushaltsnahe Dienstleistungen gelten und damit steuerlich begünstigt sein können. Lesen Sie selbst.

Handwerker© Kathrin39 /​ fotolia.com

Jetzt mit haushaltsnahen Dienstleistungen mehr Steuern sparen!

Bei Handwerkerkosten für Arbeiten außerhalb des privaten Grundstücks zeigten sich die Finanzämter bislang zugeknöpft. In einem aktuellen Urteil stellten sich die Richter des Bundesfinanzhofs (BFH) auf die Seite der Steuerzahler.

Der entschiedene Fall 1

Der Besitzer einer Immobilie beauftragte eine Firma mit der Schneeräumung der Straßenfront entlang des von ihm bewohnten Grundstücks. Es entstanden hierfür Kosten in Höhe von 142,80 €. Das Finanzamt strich die beantragte Steuerermäßigung für die Kosten der Schneebeseitigung unter Hinweis auf ein entsprechendes BMF-Schreiben. Doch der BFH stellte sich auf die Seite des betroffenen Hausbesitzers. Damit können Betroffene – Mieter oder Hausbesitzer – ab sofort sämtliche Kosten im Zusammenhang mit dem Winterdienst und für die Straßenreinigung, in ihrer Steuererklärung ansetzen (BFH-Urteil vom 11.06.2014, Az. VI R 55/12).

Der entschiedene Fall 2

Zusammen zur Einkommensteuer veranlagte Eheleute erwarben ein Grundstück und errichteten darauf in 2002 ein Einfamilienhaus, das sie seit der Fertigstellung für eigene Wohnzwecke nutzten. Zunächst wurde das Objekt durch einen Brunnen mit Trinkwasser versorgt. Das Abwasser wurde über eine Grube entsorgt. Ab 2005 schloss der zuständige Zweckverband das Grundstück an zentrale Anlagen der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung an. Diese Kosten machten das Ehepaar in ihrer Einkommensteuererklärung für 2007 erfolglos als haushaltsnahe Handwerkerleistungen geltend.

Der BFH schlug sich jedoch auch in diesem Fall auf die Seite der Steuerzahler und gewährte die Steuerermäßigung (BFH-Urteil vom 20.03.2014, Az. VI R 56/12).

Damit ist der Weg frei, um alle anfallenden Handwerkerkosten – unabhängig davon, ob die Arbeiten in Ihrem Haushalt oder rund um Ihr Grundstück angefallen sind – in Ihrer privaten Einkommensteuererklärung anzusetzen.

Und noch ein Spartipp vom Experten:

Da der Steuervorteil auf 20 % von 20.000 € Kosten (4.000 € Direktabzug von der Steuerschuld) pro Jahr beschränkt ist, lohnt sich bei höheren Ausgaben die Aufteilung auf zwei Jahre. Kostet beispielsweise der Anbau einer Terrassenüberdachung mehr als 20.000 €, lassen Sie sich am Jahresende eine Rechnung ausstellen und im nächsten Jahr eine weitere. So erhalten Sie auch für höhere Kosten einen Steuerabzugsbetrag.

 

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Autor: Redaktion Unternehmensführung 

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