06.10.2022

Investitionsabzugsbetrag bei anschließender Betriebsaufgabe

Ächz – stöhn – seufz: die Steuerlast wiegt immer schwerer. Wie könnte man sie nur erleichtern? Indem Sie als kleiner oder mittlerer Betrieb Ihren Gewinn mindern. Und wie machen Sie das? Mit Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung. Aber was machen Sie bei Betriebsaufgabe?

Investitionsabzugsbetrag Betriebsaufgabe

Wie planen Sie als Betrieb Ihre Investitionen richtig?

Nach reinem Bauchgefühl, wie man sagt, mag bei kleineren Entscheidungen noch angehen. Das ist sicher nicht verwerflich. Doch bei größeren

Investitionen kommen Sie als Unternehmen um eine vorhergehende Planung nicht herum. Da stehen Sie vor wichtigen Fragen wie:

  • Was sind Chancen und Risiken Ihrer angedachten Anschaffung?
  • Lohnt der Bau einer neuen Halle oder der Kauf einer moderneren Maschine?
  • Welche Ziele möchten Sie bis wann mit der Investition erreichen?
  • Reicht das Know-how in Ihrer Firma für die Nutzung der Anschaffung?
  • Sollten Sie zusätzlich externen Rat einholen?

Auf jeden Fall zahlt sich ein planvoller Vorab-Investitionscheck aus.

Welches Ziel verfolgen Sie als Unternehmen mit der Neuanschaffung?

Sicherlich eine nicht ganz abwegige Frage bei einer Unternehmensinvestition, für die Sie finanzielle Mittel einsetzen, um damit Gewinne zu erzielen. Sie gehen deshalb strategisch vor und entscheiden, welche Projekte den größtmöglichen Erfolg versprechen. Beantworten Sie für sich dazu folgende Fragen: Hilft die Investition …

  • … Ihre Wettbewerbsfähigkeit zu halten oder sogar zu steigern?
  • … Ihren Marktanteil zu erhöhen?
  • … Ihren Gewinn zu verbessern?
  • … die Betriebsabläufe zu erleichtern, zu optimieren?

Welche Vorteile versprechen Sie sich von der geplanten Anschaffung?

Zumal wenn Sie über verschiedene Alternativen nachdenken, ist ein optimales Investitionsprogramm zentral. Erstellen Sie eine Wirtschaftlichkeitsanalyse! Wenn Ihre Finanzabteilung dafür nicht aufgestellt ist, wenden Sie sich an Ihren Steuerberater! Der verfügt in der Regel über alle wichtigen Daten und Kennzahlen Ihres Unternehmens und kann Ihnen hilfreiche Modellrechnungen erstellen. Dafür sollten Sie klären:

  • Liegen Ihnen alle notwendigen Eckdaten für das Investitionsvorhaben vor?
  • Rechnet sich die Investition nach der vorliegenden Planung?
  • Wo liegt die preisliche Obergrenze, damit Ihr Vorhaben lohnenswert bleibt?
  • Haben Sie Alternativen analysiert und berechnet?
  • Entstehen Folgekosten, haben Sie die einkalkuliert?
  • Kann Ihr Betrieb während der Investition gewohnt weiterlaufen? Drohen zeitliche oder räumliche Engpässe?

Im Vorfeld der Neuanschaffung ist es ratsam, dass Sie wissen, welche technischen und organisatorischen Auswirkungen auf die Fertigung, den Vertrieb und die Verwaltung zukommen. Besorgen Sie sich möglichst umfassende Informationen über das beabsichtige Investitionsobjekt und die aktuelle Marktsituation.

Tipp der Redaktion

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Verfügen Sie über die nötigen finanziellen Mittel für die Anschaffung?

Der Ermittlung des Finanzbedarfs kommt nach Abklärung der Planungsphase höchste Priorität zu. Bedenken Sie:

  • Liegen Ihnen mehrere vergleichbare Angebote zur Investition vor?
  • Haben Sie nachlaufende Kosten berücksichtigt für
    • Umrüstungen,
    • Renovierungen,
    • Versicherungen?
  • Berechnen Sie, mit welchen Eigenmitteln und fremdem Kapitalbedarf Sie die Investition stemmen wollen.
  • Kalkulieren Sie den Kapitalbedarf nicht zu eng. Haben Sie Reserven für Unvorhergesehenes eingeplant?

Sie haben Ihre Zielsetzung, Wirtschaftlichkeit und Finanzbedarf geklärt. Was nun?

Dann steht die Vorbereitung des Kreditgesprächs bei der Bank an. Besprechen Sie wichtige Punkte vorab mit einem Fachmann, damit Sie gegenüber dem Finanzberater lösungsorientiert auftreten können. Bis zum Kreditgespräch sollten Sie geklärt haben, auf welche Schultern Sie die Finanzierung verteilen können wie:

  • vorhandene liquide Mittel,
  • Privateinlagen,
  • Kapitalerhöhung,
  • Fremdkapital.

Für den Banktermin sind diese gezielt vorbereiteten Geschäftsunterlagen von großem Vorteil:

  • die Bilanzen der vergangenen zwei (besser: drei) Jahre Ihres Unternehmens
  • eine aktuelle, aussagekräftige betriebswirtschaftliche Auswertung
  • Berechnungen zur Ermittlung der Kosten und des Kapitalbedarfs für die anstehende Investition
  • der Verweis auf vorhandene Eigenmittel und Sicherheiten
  • Unterlagen zu Ihren Planungen einschließlich eingeholter Angebote (Investitionsplan)
  • Rentabilitätsberechnungen gegebenenfalls mit Absatz- und Umsatzplan

Was, wenn Ihre Investition sich bezahlt und Ihr Unternehmen Gewinn macht?

Dann vergrößert sich Ihre Steuerlast. Es sei denn, Sie können Ihren Gewinn mindern. Auch dies können Sie bei der Investition berücksichtigen.

Was können Sie als kleiner oder mittlerer Betrieb zwecks Minderung des Gewinns abziehen?

Als steuerpflichtiger Betrieb helfen Ihnen Investitionsabzugsbetrag (IAB) und Sonderabschreibung von:

  • künftiger Anschaffung oder
  • Herstellung
  • von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens.

Unter welcher Voraussetzung?

Unter der, dass Sie Ihre Anschaffung:

  • mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung folgenden Wirtschaftsjahrs vermieten
  • oder in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebs ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich nutzen.

Können Sie als Unternehmen einen IAB bei Maschinenwerkzeugen vornehmen?

Ja, auch hierbei können Sie mit dem IAB sparen. Wie das funktioniert, erklären wir in dem Beitrag „Morgen investieren, heute Steuer sparen – Wie funktioniert der IAB?“. Ob der IAB bei Werkzeugen funktioniert, hat der BFH entschieden. Darüber berichten wir in dem Beitrag „Steuersparchance: Investitionsabzugsbetrag bei Maschinenwerkzeugen“.

Um wie viel können Sie Ihre Anschaffung zur Minderung Ihres Gewinns abziehen?

Um bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten.

Wo steht das?

Im Gesetz, und zwar in § 7g Investitionsabzugsbeträge und Sonderabschreibungen Einkommensteuergesetz (EStG). Danach gilt die Vergünstigung für Ihren Betrieb,

  • wenn sein Gewinn im Wirtschaftsjahr, in dem Sie als solcher die Abzüge vornehmen wollen, 200.000 Euro nicht überschreitet – ohne Berücksichtigung der Investitionsabzugsbeträge,
  • wenn Einkünfte vorliegen aus:
    • Gewerbebetrieb,
    • selbstständiger Arbeit oder
    • einem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft.

Was bewirken Sie mit der Nutzung dieser gesetzlichen Möglichkeit?

Mit diesem beliebten steuerlichen Gestaltungsinstrument glätten Sie Gewinnspitzen. Folge: Ihr Unternehmen wird liquider. Nehmen Sie die geplante Anschaffung später doch nicht vor, kommt es zur Rückabwicklung des IAB im Veranlagungsjahr seiner Bildung. Übrigens können Sie als Unternehmen die Vorteile des IAB mit einem speziellen Tool des Investitionscontrolling leicht ermitteln. Welches das ist und wie es funktioniert, lesen Sie in unserem Beitrag „Investitionscontrolling“.

Was aber gilt bei einer vorzeitigen Betriebsaufgabe?

Wenn Sie dadurch die vorgeschriebene Haltedauer des Wirtschaftsgutes nicht einhalten können, gilt es nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofes (BFH) nicht.

Worum ging es in dem vom BFH entschiedenen Fall?

Eine Unternehmerin hatte in ihrer Gewinnermittlung für das Jahr 2012 einen Investitionsabzugsbetrag von 14.400 Euro als Betriebsausgabe angesetzt. Im Mai 2014 erwarb sie das vorgesehene Fahrzeug, im Juli 2015 gab sie ihren Betrieb auf. Daraufhin wollte das Finanzamt den gebildeten IAB rückgängig machen. Es argumentierte, die Unternehmerin habe das Kfz aufgrund der Betriebsaufgabe im Folgejahr der Anschaffung nicht ganzjährig betrieblich genutzt.

Wie hat die Unternehmerin die Entscheidung des Finanzamts aufgenommen?

Sie legte dagegen Einspruch ein.

… und das Finanzamt darauf?

… lehnte den Einspruch ab. Die Unternehmerin klagte.

Mit Erfolg?

Ja, die Richter folgten der Argumentation der Unternehmerin (BFH, Urteil vom 28.07.2021, Az.: X R 30/19). Sie berief sich darauf, dass nach § 7g EStG auch ein Rumpfwirtschaftsjahr als vollgültiges Wirtschaftsjahr anzusehen sei – und die Unternehmerin ihren Pkw bis zum Ende des Rumpfwirtschaftsjahrs fast ausschließlich betrieblich genutzt habe.

Eine Betriebsaufgabe sei nicht als Verletzung der Nutzungsfrist anzusehen. Zwar wäre diese Nutzungsfrist eigentlich erst Ende 2015 abgelaufen, jedoch habe das Wirtschaftsjahr mit der Betriebsaufgabe vorzeitig im Juli 2015 geendet.

Mit welcher Vorschrift begründete das Gericht seine Entscheidung?

Nicht nur mit den Bestimmungen des § 7g EStG, sondern zusätzlich mit § 8b Satz 2 Nr. 1 Einkommensteuerdurchführungsverordnung (EStDV). Er bestimmt, dass in Fällen der Betriebsaufgabe ein Wirtschaftsjahr auch einen Zeitraum von weniger als zwölf Monaten umfassen dürfe. Insofern seien die Bildung des IAB und die Vornahme von Sonderabschreibungen zulässig.

Wie können Sie als kleiner oder mittlerer Betrieb das Urteil für sich nutzen?

Von der steuerfreundlichen Entscheidung können Sie aktuell profitieren. In der jetzigen Fassung verlangt das Gesetz unverändert eine ausschließliche oder fast ausschließliche betriebliche Nutzung im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und im darauffolgenden Wirtschaftsjahr (§ 7g Abs. 6 Nr. 2 EStG). Damit gelten weiterhin die gleichen Voraussetzungen wie im Urteilsfall. Verwehrt Ihnen das Finanzamt künftig in solchen Fällen den IAB-Abzug oder eine Sonderabschreibung, sollten Sie als steuerpflichtiger Betrieb auf das BFH-Urteil verweisen.

Für Sie als Betrieb dürfte noch eine zusätzliche Anmerkung des BFH bei der Urteilsbegründung interessant sein. Die Richter lassen ausdrücklich offen, wie ihre Gerichtsentscheidung aussehen würde, wenn Sie ein Wirtschaftsgut am 30. Dezember anschaffen und Sie Ihren Betrieb am 2. Januar des Folgejahrs schließen würden. Es dürfte kaum großer Phantasie bedürfen sich vorzustellen, dass bei einer sehr geringen Zeitspanne zwischen Anschaffung des IAB-Wirtschaftsgutes und einer Betriebsaufgabe die Richter anders entscheiden könnten.

Warum hätten die Richter bei geringer Zeitspanne zwischen Anschaffung und Betriebsaufgabe wahrscheinlich anders entschieden?

Weil Sie wahrscheinlich in diesem Fall eine IAB ohne Investition unterstellt haben könnten. Sie müssen innerhalb von drei Jahren nach Bildung eines IAB die Investition vornehmen. Unterbleibt diese, ist der Investitionsabzugsbetrag rückgängig zu machen:

  • Er wird dann rückwirkend im Jahr der Bildung gewinnerhöhend aufgelöst,
  • der Steuerbescheid des früheren Jahres zu Ihrem Nachteil als Steuerpflichtiger geändert,
  • die Nachzahlung aktuell mit sechs Prozent verzinst, wobei der Zinssatz nach der jüngsten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Höhe des Zinssatzes künftig geringer ausfallen könnte. Der Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ablauf des Jahres der Bildung und endet mit dem Monat vor Ergehen des geänderten Bescheids.
Autor*in: Franz Höllriegel