07.04.2022

Investitions-Check – Lohnt sich Ihre Investition?

Durchs Leben fährt man mit dem Blick in den Rückspiegel: nach vorne sieht man nichts. Das trifft auch zu auf Investitionen. Um sicher zu gehen, schauen Sie als Unternehmer in Ihren Rückspiegel namens „Erfahrung“ oder nach vorn ins „Bauchgefühl“. Wie bringen Sie beides zusammen?

Investitions-Check

Wären Analysen und Planungen nicht besser für die Investition?

Sollte man meinen. Denn bei einer Investition geht es in der Regel um Geld – viel Geld. Als Unternehmen riskieren Sie dafür einiges. Investieren Sie falsch, können Sie das hinterher kaum wieder gutmachen. Deswegen treffen viele Unternehmer Investitionsentscheidungen auf Grundlage von Erfahrungswerten oder ihres Bauchgefühls und nicht von sorgfältigen Analysen und Planungen. Häufig sind dafür psychologische Gründe anzuführen. Zumal bei Investitionsanträgen wird gern übertrieben. Dies geschieht nicht einmal bewusst oder leichtfertig. Vielmehr neigen Führungskräfte aufgrund vergangener Erfolge häufig dazu:

  • unvorsichtig zu werden,
  • Risiken auszublenden
  • sich selbst zu überschätzen.

Sind also Erfahrungen der bessere Ratgeber für Ihre Investitionen als Unternehmer?

Die Erfahrung spricht dagegen. Erfahrungen liefern oft trügerische Sicherheiten. Bisher durchgeführte Investitionen können sich als sinnvoll herausstellen – ein Freibrief für Ihre Entscheidungen bei zukünftigen Investitionen sollte das allerdings nicht sein. Investitionsentscheidungen zu treffen, gehört zu Ihren wichtigsten Aufgaben als Unternehmer überhaupt. Geht dabei etwas schief, kann Sie das:

  • viel Geld und
  • Nerven kosten sowie
  • das Gefühl einbringen, dass Sie das Unglück hätten vermeiden können, wenn Sie zuvor etwas sorgfältiger geplant hätten.

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Was macht die Investitionsplanung so schwierig?

Die Probleme der Investitionsplanung beginnen oft bei der Bestimmung des Investitionsvolumens. Wollen Sie beispielsweise in eine Standardmaschine investieren, können Sie in der Regel auf Marktpreise zurückgreifen. Was aber, wenn kein Marktpreis vorliegt? Aufgrund von Leistungs- oder Ausstattungsunterschieden können die Preise dann weit auseinander liegen.

Kommt hinzu, dass Sie Höhe und genauen Zeitpunkt der Ein- und Auszahlungen der Investition nicht genau vorhersagen können. Diese können u. a. abhängen von

  • Kundenverhalten,
  • Absatzmöglichkeiten,
  • Preisentwicklung,
  • Wettbewerbspreisen,
  • Vielen weiteren Faktoren.

Warum ist die Investitionsrechnung wichtig?

Sie ist Ihr Mittel als Investor, um eine möglichst objektive Entscheidung über die Vorteilhaftigkeit eines Investitionsprojektes zu treffen aufgrund der Berechnung von Zielwerten wie

  • Kosten
  • Gewinn
  • Rentabilität

Mit der Investitionsrechnung können Sie als Unternehmen unterschiedliche Parameter eines Investitionsborhabens aufgrund vorliegender Größen berechnen. Jede Investition verursacht über einen längeren Planungszeitraum hinweg Einnahmen wie auch Ausgaben. Arten von Investitionen können sein:

  • Sachinvestitionen in materielle Güter:
    • Maschinen
    • Werkzeuge
    • Grundstücke
    • Gebäude
    • Anlagen
    • Materialien
    • Stoffe
  • Sachinvestitionen in immaterielle Güter:
    • Lizenzen
    • Patente
    • Forschung
    • Entwicklung
  • Finanzinvestitionen:
    • Aktien
    • Wertpapiere
    • Forderungen
    • Beteiligungen

Weitere Investitionsarten lassen sich nach deren Anlass unterscheiden:

  • Errichtungs- und Gründungsinvestition:
    • Unternehmensgründungen
    • Errichtung von Betriebsstätten
    • Errichtung von neuen Niederlassungen
  • Ersatz- oder Reinvestition: alter oder fehlerhafter Anlagen oder anderen materiellen Sachgütern
  • Rationalisierungsinvestition: zwecks Steigerung der Produktivität Ihres Unternehmens etwa bei Ersatz des Menschen durch Maschinen.
  • Erweiterungsinvestition: Erweiterung Ihres Betriebes durch neue Geschäftsteile
  • Diversifizierungsinvestition: Sie als Unternehmen wollen neue Bereiche erschließen
  • Sicherungsinvestition: Sie sichern bestehende Bereiche ab.

Wie aus der Investitionsfalle herausfinden?

Zunächst bleibt Ihnen als Unternehmer nichts anderes übrig, als zumindest die mit der Investition direkt verbundenen Aus- und Einzahlungen möglichst genau zu schätzen. Dann dokumentieren Sie die dabei getroffenen Annahmen so, dass Sie Ihre Gedanken hierzu nach einigen Jahren nachvollziehen können. Das sollte Sie als Unternehmer in die Lage versetzen, für Ihr Unternehmen gute Entscheidungen zu treffen.

Haben Sie sich ein Bild von dem mit der Investition verbundenen Zahlengerüst gemacht, können Sie die Vorteilhaftigkeit Ihres Vorhabens beurteilen. Hierbei hilft Ihnen ein Verfahren der Investitionsrechnung. Man unterscheidet zwischen:

  • statischem und
  • dynamischem Investitionsrechnungsverfahren.

In der Praxis bevorzugt man ein statisches Verfahren:

  • Sie sind einfach in der Anwendung,
  • Sie kommen schnell zu einem Ergebnis.
  • Nachteil: viele Vereinfachungen – wie z. B. das Vernachlässigen des Zinseffekts – können zu falschen Ergebnissen führen. Unterschiedliche Ergebnisse für das gleiche Investitionsvorhaben sind bei den statischen Verfahren keine Seltenheit.

Statische Investitionsrechnungen kommen zur Anwendung, wenn die verschiedenen Zahlungsströme der Investition nicht beachtet werden müssen. Sie berücksichtigen überwiegend nur eine Periode der Investition (z. B. ein Wirtschaftsjahr) als repräsentativ für die gesamte Laufzeit der Investition oder als Durchschnittsperiode. Je nach Zielwert der Rechnung wird zwischen vier großen Arten der statischen Verfahren unterschieden.

  • Kostenvergleichsrechnung: Sie kommt bei Vergleich zweier ähnlicher Investitionsprojekten zur Anwendung. Zielgröße der Rechnung sind die Kosten der Investition aus
    • Lohnkosten
    • Miete
    • Energiekosten
    • Steuern
    • Instandhaltungskosten.
  • Gewinnvergleichsrechnung: Ähnlich wird der erwartete Gewinn eines Investitionsprojektes errechnet und dem einer vergleichbaren Investition gegenübergestellt.
  • Rentabilitätsrechnung: Der voraussichtliche Gewinn einer Investition wird in Beziehung zum Kapitaleinsatz gesetzt und errechnet so die Rentabilität des Projektes.
  • Amortisationsrechnung oder Pay-Back-Methode: errechnet die Amortisationszeit eines Investitionsprojektes durch Gegenüberstellung von Kapitaleinsatz und voraussichtlichen Gewinnen. Die Amortisationsrechnung ist somit das einzige statische Verfahren, das nicht einperiodisch ist, sondern die Gesamtzeit der Investition errechnet.
Statische Verfahren Dynamische Verfahren
Zinseffekte bleiben unberücksichtigt. Zinseffekte werden berücksichtigt.
Es wird nur eine Durchschnittsperiode (ein Jahr) analysiert. Es wird der gesamte Investitionszeitraum analysiert.
Betrachtet werden Kosten und Erlöse. Betrachtet werden Ein- und Auszahlungen.
Die Investitionssumme wird über die Abschreibung kostenmäßig erfasst. Die Investitionssumme wird als Auszahlung zum Zeitpunkt der Barwertermittlung berücksichtigt.
Anwendung relativ einfacher Rechenverfahren Anwendung der Finanzmathematik

Zu den wichtigsten dynamischen Verfahren gehören:

  • die Kapitalwertmethode,
  • die interne Zinsfußmethode und
  • die dynamische Amortisationsrechnung.

Am häufigsten kommt die Kapitalwertmethode zum Einsatz.

Was besagt die Kapitalwertmethode?

Ihr Maßstab zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einer Investition ist der Barwert aller Ein- und Auszahlungen zum Beginn der Nutzungsdauer. Sie ermitteln den Kapitalwert als Differenz

  • aus der Summe der Barwerte aller investitionsbedingten Zahlungseingänge und
  • der Summe der Barwerte aller investitionsbedingten Zahlungsausgänge einschließlich der Auszahlung für das Investitionsobjekt.

Für die Anwendung der Kapitalwertmethode zinsen Sie alle investitionsbedingten Zahlungsein- und -ausgänge während der gesamten Nutzungsdauer der Investition auf den Zeitpunkt unmittelbar vor Beginn der Investition ab. Hierfür nutzen Sie folgende Formel:

Formel Barwert
Formel Barwert

mit

BW = Barwert

Z = Zahlungseingang/-ausgang

i = Kalkulationszinssatz

n = Jahr

Wann ist Ihr Investitionsvorhaben sinnvoll?

Wenn sich als Ergebnis dieser Berechnung ein positiver Kapitalwert ergibt. Je höher der berechnete Kapitalwert, desto vorteilhafter Ihr Vorhaben. Bei mehreren Investitionsalternativen wählen Sie diejenige Alternative mit dem höchsten Kapitalwert. Grundsätzlich können Sie zwischen folgenden Ergebnissen unterscheiden:

  • Kapitalwert größer als null: Sie erhalten Ihr eingesetztes Kapital zurück und darüber hinaus eine Verzinsung über dem Kalkulationszinssatz.
  • Kapitalwert kleiner als null: eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals zum Kalkulationszinssatz ist nicht gewährleistet.
  • Kapitalwert gleich null: Sie erhalten Ihr eingesetztes Kapital zurück und zusätzlich eine Verzinsung in Höhe des Kalkulationszinssatzes.
  • mehrere Investitionsalternativen zum Vergleich: Sie realisieren das Vorhaben mit dem größten Kapitalwert.

Der Vorteil der Kapitalwertmethode liegt darin, dass sie alle Ein- und Auszahlungen entsprechend ihren Zahlungszeitpunkten berücksichtigt. Dadurch nimmt die Genauigkeit im Vergleich zu den Durchschnittswerten der statischen Verfahren zu. Mithilfe der Excel-Anwendung, die Ihnen im Download-Bereich zur Verfügung steht, können Sie das wirtschaftliche Ergebnis Ihrer Vorhaben zudem mit wenigen Eingaben berechnen. Sie brauchen sich nicht mit finanzmathematischen Formeln auseinanderzusetzen.

Was bedeutet das für Ihre Praxis als Unternehmer?

Experten raten Ihnen zu einem der dynamischen Verfahren. Diese haben gegenüber den statischen Verfahren u. a. den Vorteil, dass sie nicht mit Kosten und Erlösen, sondern mit Ein- und Auszahlungen arbeiten. Daher wird beispielsweise die Anschaffungsauszahlung nicht indirekt über die Abschreibungen als kalkulatorische Kostenart berücksichtigt, sondern als Auszahlung zum Anschaffungszeitpunkt erfasst.

Bei einer teuren Neuinvestition können Sie sparen mit dem IAB. Wie das funktioniert, erklären wir in dem Beitrag „Morgen investieren, heute Steuer sparen – Wie funktioniert der IAB?“. Ob der IAB bei Werkzeugen funktioniert und was der Bundesfinanzhof dazu entschieden hat, lesen Sie in unserem Beitrag „Steuersparchance: Investitionsabzugsbetrag bei Maschinenwerkzeugen“. Für ihre strategischen und operativen Investitionen brauchen Sie als Geschäftsführer perfekte Planung, Steuerung und Kontrolle. Dabei unterstützt sie das Investitionscontrolling. Wie und unterstützt durch welche Excel-Tools, verrät Ihnen unsere Beitrag „Investitionscontrolling“.

Autor*in: Franz