20.07.2022

Innere Stärken für ein intuitives Management

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Diese Binsenwahrheit sollten Sie als Führungskraft sich besonders zu Herzen nehmen – und vor allem mit Blick auf Ihre Führung im eigenen Unternehmen. Trauen Sie sich, neue Wege zu gehen! rät der Führungscoach Christoph Döhlemann.

intuitives Management

Sie sind als Führungskraft mit alten Strategien recht gut gefahren?

Das mag ja sein. Aber mal ehrlich: wollen Sie als Führungskraft persönlich und beruflich etwas erreichen, sprich mehr erreichen als auf dem Status quo zu verharren? Na, sehen Sie. Glauben Sie wirklich, dass Sie da mit Ihren alten gewohnten Strategien und Methoden weiterkommen? Wenn ja, dann gestatten Sie die Frage: warum sind Sie dann mit diesen nicht schon jetzt weitergekommen als dahin, bis wohin Sie gekommen sind? Zugegeben: etwas ketzerisch gefragt. Sie könnten sich auf die Position zurückziehen: Wenn das Wörtchen Wenn nicht wär‘ … Unser Friedensangebot: lassen wir die Vergangenheit einmal ruhen, wenden wir den Blick in die Zukunft: Trauen Sie sich, neue Wege zu gehen! Unser Versprechen: Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter werden wachsen und sich entfalten können. Wenn nicht, können Sie ja immer noch auf Ihre alten Gewohnheiten zurückfallen.

Wieso sollten Sie sich etwas trauen?

Weil man manchmal erst erkennt, wie wichtig und wertvoll etwas ist, wenn man es verloren hat. Die US-amerikanische Grammy- und Oscar-Gewinnerin und als solche mehrfach ausgezeichnete Sängerin und Songwriterin Carly Simon fasste diese Erkenntnis in den 1970er Jahren in die Song-Zeilen: „Grandma used to nag at me to straighten up my spine, I hated being criticized, I didn’t cry when Granny died, she made me so depressed – and then I found I missed her, more than I’d ever guessed.“

Tipp der Redaktion

Erfolgreich als Führungskraft und Manager: Ganz gleich, ob Sie Tipps zur Führung von Mitarbeitergesprächen, Vertriebsteams oder Optimierungswünsche zu Ihrem eigenen Führungsstil haben: „Führung & Management AKTUELL“ hilft praxisnah und innovativ!

Oder, etwas prosaischer, Christoph Döhlemann, Unternehmer und Initiator des Quant-Modells: „Wir sehen oft, wofür es zu spät ist, statt zu erkennen, wofür genau jetzt die richtige Zeit ist.“ Seit 1996 begleitet Döhlemann Unternehmer und Führungskräfte dabei, sich von innen heraus zu stärken und so den Herausforderungen der Zukunft kraftvoll zu begegnen. Wenn Sie mehr über Döhlemann und sein Wirken erfahren wollen, in unseren Beitrag „Mitarbeiter verbinden statt führen?“ gehen wir detailliert darauf ein.

Was tun, wenn Maßnahmen keine Wirkung zeigen?

Das liegt Döhlemann zufolge meist daran, dass Unternehmen, wenn Abläufe nicht passen, einfach mehr Regeln einführen. Sie glaubten, mit einem Handbuch für Qualitätsmanagement (QM) werde alles besser. Dabei vergäßen sie allerdings, dass viele Regeln die Quellenenergie (Q) vernichten. Oft stagniere die Umsetzungsenergie (U), weil vor lauter Regeln gar nichts mehr passiere. Ausschüsse, Meetings und Formulare verhinderten die Leichtigkeit und Freude im Alltag. Stärkten Sie als Unternehmer Ihr Q, so trügen Sie dies in Ihr Unternehmen. Ergriffen Sie als Führungskraft und Unternehmen dann Maßnahmen, das Q zu stärken, folge tatsächlich das U – und Sie könnten die Bürokratie zugleich in Zaum halten. Regeln würden nur befolgt, wenn ein Sinn erkennbar ist und akzeptiert wird. Döhlemann: „Gibt es einen gemeinsamen Sinn oder Leitstern, dem wir folgen, dann ergeben sich viele Regeln und Abläufe fast schon spielerisch von selbst.“

Was sind Folgen davon, dass wir das Wichtige nicht erkennen?

Wir hätten so viele Gestaltungsmöglichkeiten, sagt Döhlemann! Vorausgesetzt, wir nutzen die Gestaltungsebenen im Unternehmen auf ganz natürliche Weise, indem wir unser Weltbild und das Bild von Menschen öffnen. So steuern Sie als Führungskraft nicht mit Druck. Als Unternehmen erzeugen Sie damit Sogkraft.

Aber unsere Wahrnehmung bestimmt unser Handeln. Bewusste Veränderungsarbeit ist nicht leicht. Zu erfahren, warum wir trotz bester Absicht negative Ergebnisse erzielen, kann für den Einzelnen sehr schmerzhaft sein. Aber es lohne sich und sei der einzige Weg, so Döhlemann. So entdecken Sie, wie Sie als Führungskraft positive Resultate steuern, wenn Sie völlig neue Wirkungsgesetze ihr volles Potenzial entfalten lassen.

Was ist das Rezept für Sie als Führungskraft hierfür?

  • Sie lassen menschliche Talente sich entfalten!
  • Sie lassen wirtschaftliche Möglichkeiten ausschöpfen!
  • Dafür lassen Sie alte Gewohnheiten hinter sich!
  • Wenn Sie als Unternehmen andere Wege gehen wollen, erkennen Sie neue Zusammenhänge!
  • Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitern, neue Erkenntnisse zu gewinnen!

Vor dem Hintergrund sich ständig wandelnder Arbeitswelt und Gesellschaft betrifft dies

  • in erster Linie Ihren Umgang mit sich selbst
  • als Grundlage für den Umgang mit anderen Menschen.

Ihr Unternehmen kann nur wachsen und gedeihen, wenn Sie als Unternehmer oder Führungskraft bereit sind,

  • sich von innen heraus zu stärken,
  • mit zukunftsorientierten Methoden sich selbst zu führen und
  • so die Wirkung als Team, als Ganzes zu steigern.

Hört sich leichter an, als es wahrscheinlich ist. Oder?

Das ist sicher so. Neue Wege entstehen, wenn man sie geht, so Döhlemann.

  • Rituale und Routinen seien wichtig.
  • Sie bilden den Kitt in jeder Gemeinschaft, ob in der Familie oder im beruflichen Team. Dagegen spricht aus Sicht Döhlemanns auch nichts.
  • Aber: das Neue mache Angst.

Das sollte allerdings nicht dazu führen, dass Sie als Führungskraft und Unternehmen unverrückbar an Abläufen und Vorgehen festhalten, nur weil Sie sie schon immer anwenden, sie Ihnen doch so vertraut sind und Ihnen Sicherheit bieten.

Was ist gegen diese Sicherheit einzuwenden?

Zunächst einmal nichts. Aber manchmal bremst Sie diese Sicherheit aus. Sie vermittelt Ihnen:

  • alles ist schon o.k.,
  • es läuft doch,
  • Sie brauchen nur abzuwarten, bis Zeit, Wirtschaft, Politik oder das Wetter wieder besser wird.

Selbstbestimmt ist nach Döhlemann anders! Die leichte, dauerhaft erfolgreiche, ertragreiche und freudige Gestaltung eines Unternehmens ist ihm zufolge theoretisch ganz einfach:

  • Bewusstsein entwickeln
  • Probleme als Potenziale erkennen
  • Konflikte und Engpässe auflösen
  • gewonnene Potenziale, Erträge und Energie sinnvoll einsetzen
  • die richtigen Gestaltungsebenen für die gewünschten Wirkungen benutzen
  • die Strategie aus den gewonnenen Erkenntnissen dem Unternehmen und den Mitarbeitern entsprechend anpassen

Theoretisch! Und praktisch?

Dazu bedarf es vier Voraussetzungen:

1. Persönliche Entwicklung zulassen

Menschen sind unterschiedlich. Auch wenn das deutsche Grundgesetz das anders sieht und erklärt, alle Menschen seien gleich. Sie sind es nicht, schon gar nicht vor dem Gesetz. Italien hat das erkannt und leitet sein Grundgesetz ein mit den Worten: „La legge è uguale per tutti – Das Gesetz ist gleich für alle.“ Dazu finden Sie mehr in unserem Beitrag „Wettbewerbsvorteile durch Diversity-Management“.

Trotz allen Unterschieden stellt Döhlemann auch Gemeinsamkeiten fest. Beides hält er für entscheidend dafür, ob eine gemeinsame Aufgabe gelingt, ein Projekt funktioniert. Die Mischung schätzen zu lernen – ja vielleicht sogar bei der Zusammensetzung eines Teams bewusst einzusetzen –, macht es genauso aus wie die Bereitschaft des Einzelnen, sich weiterzuentwickeln.

2. Macht als Hindernis erkennen

Döhlemann will erkannt haben, dass Führungskräfte und Unternehmen täglich Menschen manipulieren, blockieren und am Wachstum hindern. Dabei würden sie es vielfach gar nicht merken. Macht- und Kontrollspielchen stünden in Unternehmen an der Tagesordnung – obendrein oft absichtlich eingesetzt. Gewollt oder ungewollt – derartige Verhaltensweisen seien wahre Energiefresser – für andere, aber vor allem für Unternehmen selbst.

Döhlemann rät: ein guter Grund, auszusteigen:

  • aus persönlichem Habitus,
  • aus in Ihrem Unternehmen üblichen Handlungsmustern.

Eigene und kollektive Blockaden lösten sich auf, negative Glaubenssätze würden durchbrochen, und es profitierten alle von einer anderen, besseren Energie im Unternehmen. Diese wirke sich auf das Privatleben positiv aus.

3. Probleme erkennen – Potenziale nutzen

Probleme werden häufig als lästig empfunden. Sie versuchen sie zu vermeiden – als einzelner Mensch, im Team und im Unternehmen. Üblichen Strategien dafür sind nach Döhlemann:

  • ausweichen
  • schnell lösen.

Wo, in welcher Weise und wie oft sie auch auftreten, Probleme weisen auf innere Baustellen hin, beim einzelnen Menschen wie im Unternehmen. Deshalb sind sie wirkungsvolle Wegweiser für die Entwicklung. Schaffen Sie als Führungskraft es, diese Konflikte aufzulösen, steht Ihnen die gesamte Energie zur Verfügung, die Sie sonst in den Kampf gegen sie oder ihre Lösung investierten.

4. Engpässe im Denken und Handeln aufdecken

Vielen Menschen haben sich den Kampf und die permanenten Anstrengungen gewöhnt. Folge: sie fühlen eine Leere ohne diese Probleme, ohne den mit ihnen verbundenen Ärger. Daraus folgt für Döhlemann die Frage: „Lassen wir selbst und lässt unser Umfeld überhaupt eine Veränderung zu?“ Der einzelne Menschen wie für ein Unternehmen brauchen einen Betrachter, der von außen die Lücken der eigenen Wahrnehmung füllen kann. Döhlemann: „Wie eine verstopfte Wasserleitung blockieren Engpässe im Unternehmen den Fluss von Freude, Tatkraft, Kunden und Euros.“

Döhlemann gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken: Die Engpässe im Unternehmen sind die Summe der Blockaden jedes Einzelnen. Lassen sich diese aufdecken! Tun Sie das nicht, kommt es nicht nur dauerhaft zu kräftezehrenden Störungen und Energieverlust, sondern mittelfristig unvermeidlich zum Niedergang des Unternehmens.

Was bedeutet das für Ihre tägliche Praxis als Führungskraft?

Dass Sie Abhängigkeiten aufdecken und beenden. Bringen Sie persönliche Erkenntnisse mit strategischen Zielen in Einklang, finden Sie Potenziale in Ihrem Unternehmen und entfalten Sie sie, um Attraktivität und Strahlkraft aufzubauen. Döhlemann empfiehlt Ihnen für die persönliche Entwicklung, die folgenden acht Tipps zu verinnerlichen und zielführend umzusetzen:

  • Schauen Sie hinter Ihre wiederkehrenden Probleme! Lösen Sie so deren Ursachen auf, statt weiter an Symptomen zu doktern.
  • Lassen Sie sie auf Sie selbst wirken! Lassen Sie sie auf andere ausstrahlen!
  • Lernen Sie neue Arten der Unternehmensanalyse und -steuerung, die das bisherige Repertoire ergänzen und unkopierbar machen!
  • Nutzen Sie neueste Techniken und zeitgemäßes Wissen, um sich von den Wettbewerbern positiv zu unterscheiden.
  • Vermitteln Sie auch komplizierte Zusammenhänge anschaulich und verständlich! Befleißigen Sie sich zu diesem Zweck guter Rhetorik und Präsentationsgeschicks!
  • Entwickeln Sie sich selbst stetig weiter!
  • Seien Sie offen für radikal neue Wege, um endlich aus Ihrem sprichwörtlichen Hamsterrad der ewigen Wiederholung von Altem und Hergebrachtem herauszukommen!
  • Lassen Sie Erfolg mit Leichtigkeit geschehen, statt sich daran abzuarbeiten! Will heißen: Arbeiten Sie nicht verbissen am Erfolg nur um des Erfolges willen, sondern lassen Sie ihn geschehen mit Leichtigkeit – und, wie der Dichter ergänzt, mit Humor, das bewahrt Sie als Einzelnen vor Magengeschwüren, Gürtelrose oder noch schlimmeren gesundheitlichen Folgen. Dabei ist Humor nicht misszuverstehen als Lachen aus Trotz, wie Sie unserem Beitrag „Effektives Selbstmanagement – Humor statt Ärger“ entnehmen können.
Autor*in: Franz Höllriegel