25.08.2017

Industrieproduktion in Großstädten

Bessere Fachkräfteauswahl mit ausschlaggebend Die Stadt ist für Unternehmen immer noch die bessere Standortwahl. Die Produktion ist hier ganz klar in einer besseren Position. Unter anderem ist die Auswahl an Fachkräften größer. Doch ist diese gute Position kein Selbstläufer. Die kommunale Wirtschaftspolitik hat hier einiges zu tun.

Bick auf Stuttgart

 

Industrieproduktion in 15 deutschen Städten

Die Industrieproduktion ist in den 15 größten deutschen Städten seit 2008 um 24 Prozent gestiegen – und damit stärker als in Deutschland insgesamt. Da stieg sie nur um 20 Prozent an. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. Dafür hat Alexander Eickelpasch, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Unternehmen und Märkte, die Entwicklung der Industrie in Großstädten mit der in Metropolregionen und dem gesamten Bundesgebiet verglichen.

Industrie in Großstädten 15 Prozent der Wertschöpfung

Von einer Erosion der Industrie in Großstädten könne keine Rede sein. Auch die großstädtische Industriebeschäftigung habe sich nach der Krise 2008 und 2009 deutlich erholt. Eickelpasch: „Klein, aber fein ist eher eine passende Zuschreibung.“ Die Industrie mache in Großstädten zwar nur 15 Prozent der gesamten Wertschöpfung aus, sei dafür aber hoch produktiv, auf Wachstumskurs und deshalb sehr bedeutend für die wirtschaftliche Entwicklung der Städte.

Stuttgart vor Bremen und München

Die größte Rolle spielt die Industrie in Stuttgart. Dort macht sie der Untersuchung zufolge fast ein Drittel der lokalen Wirtschaft aus. Es folgen Bremen und München. Am stärksten ausgeweitet haben die Industrieunternehmen ihre Produktion seit 2008 in Leipzig. Dort hat sie sich fast verdoppelt. In Köln stieg sie um mehr als die Hälfte. Allerdings ist in diesen beiden Städten der Industrieanteil an der gesamten Wirtschaft nach wie vor unterdurchschnittlich. Dementsprechend gebe es Luft nach oben. Bei Produktivität jedes erwirtschafteten Euros pro Arbeitsstunde sehen die Forscher Stuttgart, München und Frankfurt am Main als die führenden Industriestandorte.

Großstädtische Industrie mit Produktivitätsvorsprung

Auch im Durchschnitt sind die in die Studie einbezogenen 15 Großstädte äußerst produktiv. Der Produktivitätsvorsprung gegenüber Deutschland insgesamt beträgt etwa 40 Prozent. Die Industrie in Großstädten sei stärker auf forschungs- und exportorientierte Branchen wie Automobilindustrie und Pharmazie ausgerichtet. Zudem übten mehr Beschäftigte besonders wettbewerbsrelevante und hoch entlohnte Tätigkeiten aus etwa in

  • Unternehmensführung,
  • Forschung und Entwicklung,
  • Werbung,
  • Marketing.

Industrienahes Dienstleistungsgewerbe

Der geringer entlohnte Fertigungs- und Montagebereich spielt demgegenüber in großen Städten eine geringere Rolle. Auch das industrienahe Dienstleistungsgewerbe muss bei einer Betrachtung der Industrie als Wachstumsmotor für Großstädte beachtet werden. Dies sei dort zuletzt besonders stark gewachsen.

Standort Stadt kein Selbstläufer

Die gute Position der städtischen Industrie ist jedoch kein Selbstläufer. Sie hängt ab von verschiedenen Bedingungen wie:

  • Verkehrsanbindung,
  • digitale Infrastruktur,
  • Energieversorgung,
  • Gewerbesteuer,
  • Fachkräfteangebot.

„Um als Industriestandort langfristig attraktiv zu bleiben, sollte die kommunale Wirtschaftspolitik nicht nur einzelne Ansatzpunkte stärker in den Blick nehmen, sondern auch auf eine sinnvolle Abstimmung der verschiedenen Handlungsfelder achten“, empfiehlt DIW-Ökonom Eickelpasch.

Im Fokus: Fachkräfteangebot

Gerade was das Fachkräfteangebot angeht, schläft die Konkurrenz nicht. So berichtet „Meisterbrief AKTUELL“ (11/2017 August), dass immer mehr Unternehmen unter akutem Fachkräftemangel leiden. Sie bekämen aber Unterstützung durch eine besondere Dienststelle der Bundesagentur für Arbeit (BA), die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). Die sucht für Sie nach qualifizierten Fachkräften – im Ausland. Mehr zur Funktionsweise und der Art der Hilfe, die die ZAV nach Fachkräften suchenden Unternehmen bieten kann, in dem Wirtschaftsbrief für das Deutsche Handwerk.

Autor: Franz Höllriegel