News | Management 22.12.2016

Immer mehr Unternehmensübernahmen

Folgen der Demografie immer stärker spürbar Entweder stimmt der Preis nicht. Oder es findet sich erst gar kein geeigneter Nachfolger. Die Übergabe der Firmen auf die nächste Generation gestaltet ich immer schwieriger. Einer der Gründe: die Demografie. Ein anderer: Unternehmensübernehmen sind zu schwierig. Die Politik ist gefragt.

Nachwuchssorgen

Betriebsnachfolger gesucht

Die Demografie wirkt sich zunehmend stärker aus. Immer mehr Alt-Inhaber gehen in den Ruhestand. Sie suchen Betriebsnachfolger – und finden keine. Und wenn, stehen immense bürokratische Hindernisse einer Übernahme im Wege. Zudem sind Konditionen für unternehmerische Selbstständigkeit nach wie vor zu schlecht.

Übernahme eines Unternehmens

Das ist eines der Ergebnisse von insgesamt über 5.000 Gesprächen der Industrie- und Handelskammern (IHK) zur Übernahme eines Unternehmens im Jahr 2015. Die Kammern haben dabei 6.483 Senior-Unternehmer beraten, neun Prozent mehr als im Vorjahr. In den neuen Bundesländern beträgt der Anstieg sogar über 20 Prozent.

Sorgenkind Kaufpreis

Übernahmeverhandlungen gestalten sich demzufolge oftmals schwierig. Beim Kaufpreis klaffen die Vorstellungen nicht selten auseinander. 44 Prozent der Alt-Inhaber fordern einen im Vergleich zur Markteinschätzung überhöhten Kaufpreis. Auch ist die ohnehin komplizierte Materie der Nachfolge für Senior-Chefs oft emotional aufgeladen – 37 Prozent fällt es schwer, ihr Lebenswerk anderen zu überlassen.

Kinder der Unternehmer gehen eigene Wege

Zudem gehen die Kinder der Unternehmer zunehmend eigene Wege. Ein Familienautomatismus zur Übernahme des Unternehmens durch Tochter oder Sohn ist immer seltener anzutreffen. Wahr ist auch: 40 Prozent der Nachfolgeinteressenten unterschätzen die Anforderungen an die Übernahme eines Betriebes.

Einigung bei der Erbschaftssteuer

Mit der Einigung bei der Erbschaftssteuer haben Familienunternehmen jetzt zwar endlich Rechtssicherheit. Allerdings wird die Übergabe an die nächste Generation auch teurer. Das macht es den Kindern nicht leicht, ihr Erbe anzutreten. In Zukunft dürften mithin noch mehr Unternehmer einen Nachfolger außerhalb der Familie suchen.

Bessere Konditionen gefordert

Die Politik ist gefragt. Die Kammern fordern von ihr, Unternehmensübernahmen zu erleichtern und bessere Konditionen für unternehmerische Selbstständigkeit zu schaffen. Man müsse den Mittelstand entlasten. Nachfolger müssten sich ganz darauf konzentrieren können, das Unternehmen auf neuen Kurs zu bringen.

Chance Bürokratieentlastungsgesetz

Eine Chance sehen die Kammern derzeit mit dem Zweiten Bürokratieentlastungsgesetz. Der Bundestag sollte die Anhebung der seit 50 Jahren gültigen Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von 410 Euro auf 1.000 Euro beschließen. Das würde viele kleine und mittelgroße Unternehmen von einem Teil der Steuerbürokratie befreien.

Angebot potenzieller Nachfolger

Auch das Angebot an potenziellen Nachfolgern müsse weiter steigen. Das sei es zwar jetzt schon. Insgesamt aber gehe die Motivation, unternehmerisch selbstständig zu sein, seit Jahren zurück. Notwendig sei ein konsistenter Politikmix aus:

  • Bürokratieabbau etwa durch funktionierende One-stop-Shops in den Regionen und
  • besseren Bedingungen für die Finanzierung, insbesondere für privates Wagniskapital.

Unternehmergeist wecken

So ließe sich der Unternehmergeist vieler Menschen wecken. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf würde vielen Müttern und Vätern die unternehmerische Selbstständigkeit erleichtern, etwa durch das Recht auf einen Platz an einer Ganztagsschule für ihr Kind.

Lichtblicke?

Immerhin: Bei der Unternehmensnachfolge im Mittelstand sehen die IHK Lichtblicke. Im Jahr 2015 hätten sich erstmals seit 2009 deutlich mehr Personen zur Übernahme eines Unternehmens beraten lassen. Und: es gibt mehr weibliche Nachfolge-Aspiranten – ihr Anteil ist in den letzten fünf Jahren von 15 auf 22 Prozent gestiegen.

 

Anmerkung der Redaktion

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Autor: Franz Höllriegel