News | Steuern
02.03.2016

Immer mehr Unternehmen nutzen Unterschiede bei Hebesätzen

DIHK: Spreizung zwischen Kommunen nimmt zu.

Früher wanderten Arbeitnehmer Unternehmen hinterher. Heute wandern immer mehr Unternehmen – nicht Arbeitnehmern, aber dafür dem günstigsten Gewerbesteuer-Hebesatz hinterher. Eine verhängnisvolle Spirale für ärmere Kommunen. Der DIHK warnt vor Sanierung per Gewerbesteuer.

© mapoli-photo /​ fotolia.com

Digitalisierung und Dienstleistungssektor

Berlin. 2. März 2016 Digitalisierung und die gewachsene Bedeutung des Dienstleistungssektors machen es möglich. Unternehmen sind heute bei der Wahl ihres Standortes flexibler als früher. Sie können sich eher ihren Standort aussuchen. Und die Wahl fällt immer öfter auf solche mit dem geringsten Gewerbesteuer-Hebesatz.

Wettbewerb der Kommunen

Hier hat offenbar ein Wettbewerb der Kommunen eingesetzt. Reiche Kommunen in Deutschland können sich niedrige Gewerbesteuer-Hebesätze leisten. Ärmere Städte versuchen dagegen, ihre Schuldenlast mit höheren Sätzen zu erleichtern. Folge: ein immer größeres Ungleichgewicht.

Immer größere Spreizung

Kathrin Andrae, Referatsleiterin Öffentliche Finanzen beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), betrachtet die Entwicklung mit großer Sorge. „Die Spreizung zwischen den Kommunen nimmt von Jahr zu Jahr zu“, sagte Andrae der „Nürnberger Zeitung“. Ähnliche Ergebnisse brachte eine Untersuchung der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY).

Hebesatz bayerischer Kommunen konstant

Der Wettbewerb um günstige Standorte wird intensiver – und der Gewerbesteuer-Hebesatz ist dabei ein wichtiges Kriterium. Im Schnitt liegt der Hebesatz in Deutschland bei den Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern bei 431 Prozent.

Gewaltige Spannweite

Die Spannweite ist aber gewaltig. Am höchsten war der Satz im vergangenen Jahr in Oberhausen im Ruhrgebiet mit 550 Prozent, am niedrigsten in Eschborn in Hessen mit 280 Prozent. Hier haben sich große Unternehmen wie die Deutsche Börse, Autovermietung Hertz oder Hotelkette Best Western angesiedelt.

Kommunale Sanierung per Gewerbesteuer

Zu den günstigsten Standorten gehörten neben Eschborn auch Unterhaching mit 295 Prozent sowie Monheim mit 285 Prozent. Am oberen Ende lagen NRW-Städte wie Marl (530 Prozent) und Hagen (520 Prozent). DIHK-Expertin Andrae warnt: „Kommunen sollten nicht versuchen, sich über die Gewerbsteuer zu sanieren.“ Ein Appell, dessen Erfolg eher ungewiss ist. Den letzten vorliegenden Zahlen vom ersten Halbjahr 2015 zufolge senkten nur 35 Kommunen die Gewerbesteuer, 1558 erhöhten sie.

Eschborn günstig, Oberhausen ungünstig

Diese Unterschiede wirken sich aus. Ein kleineres Unternehmen mit einem Jahresgewinn von 500.000 Euro trägt in Eschborn eine Belastung von 49 000 Euro, eines in Oberhausen eine von 96.250 Euro, rechnet Andrae vor.

 

Autor: Franz Höllriegel
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