News | Management
12.08.2015

Immer mehr Konzerne fordern Vorbildfunktion von den Chefs

Psychische Erkrankungen vom Führungsverhalten eines Chefs abhängig .

Wie der Herr, so ’s Gescherr. Die alte Weisheit scheint im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten zu sein. Doch mit Burn-Out und Psychostress am Arbeitsplatz könnte sie jetzt eine Wiederbelebung erfahren. Immer mehr Konzerne fordern von ihren leitenden Mitarbeitern Vorbildfunktion beim offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Chef© elnariz /​ fotolia.com

Vorbildfunktion als eine Hauptaufgabe von Führungskräften

Frankfurt/M. 12. August 2015 – Bosch tut’s. Die Bahn tut’s. SAP tut’s. Immer mehr Konzerne entdecken die Vorbildfunktion als eine der Hauptaufgaben ihrer Führungskräfte wieder. Das berichtet jetzt die „Frankfurter Neue Presse“ in dem Bericht „Damit Arbeit nicht krank macht – Chefs als Vorbilder“.

Offener Umgang mit seelischen Belastungen

Im Kern geht es darum, die Vorbildfunktion von Chefs für einen offenen Umgang mit seelischen Belastungen ihrer Mitarbeiter zu nutzen. Der Bericht nennt Beispiele:

  • Der Technik-Konzern Bosch will künftig Führungskräfte und Mitarbeiter sensibilisieren und anonyme Hilfsangebote bereitstellen. Mit dem Betriebsrat habe man dazu jetzt eine Betriebsvereinbarung geschlossen.
  • Beim Stuttgarter Autokonzern Daimler werden Führungskräfte in Schulungen für persönliche Krisen bei Mitarbeitern empfindlich gemacht. So sollen sie Anzeichen besser wahrnehmen und gegebenenfalls den Werksarzt einschalten können.
  • Bei der Deutschen Bahn wurde ein Betreuungskonzept auf alle Mitarbeiter ausgeweitet. Es war eigentlich für Lokführer vorgesehen, die Unfälle mit Menschen verarbeiten mussten.
  • Bei Softwarekonzern SAP will man ebenfalls auf Grundlage einer Betriebsvereinbarung der psychischen Belastung gegensteuern.

Chefs sollen andere Kultur vorleben

Nur mit einem Beschluss oder einer Vereinbarung werde allerdings keine Bewusstseinsänderung erreicht, zitiert die Zeitung die Gesundheitsmanagerin von SAP, Natalie Lotzmann. Ihr zufolge setzt man wie bei Bosch auf Vorbilder. 600 Führungskräfte bei SAP werden derzeit geschult. Sie sollen ihren Mitarbeitern eine andere Kultur vorleben.

Manager für Gesundheit wichtig

„Ein Manager muss sich bewusst sein, dass er wichtiger für die Gesundheit ist als ein Hausarzt“, so Lotzmann. Betriebsrat Ralf Kronig sieht das dem Bericht zufolge allerdings eher kritisch. Die Verantwortung für gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen liege am Ende doch beim Betriebsarzt.

Psychische Anforderungen im Job gestiegen

Die psychischen Anforderungen im Job sind laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) seit Mitte der 90er Jahre deutlich gestiegen. Und nach dem „Gesundheitsreport 2015“ des BKK Dachverbands sind etwa 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage der etwa 4,3 Millionen BKK-Versicherten in Deutschland psychisch bedingt, heißt es in dem Artikel.

Autor: Franz Höllriegel 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen