03.08.2021

Hygienekonzepte – was Unternehmen lernen können

Nach der Toilette, vor dem Essen – Hände waschen nicht vergessen. Die Älteren unter uns beherzigen diese Grundregel, solange sie denken können. Nur, dass dies heute Hygiene heißt, über den Küchentisch hinausreicht und Abstand, Masken und Lüften hinzugekommen sind.

Hygienekonzepte

Wer trägt in Ihrem Unternehmen die Verantwortung für Infektionsschutz?

Sie als Arbeitgeber. Sie beurteilen die Gefährdung durch den Virus SARS-CoV-2. Und Sie legen hierauf die Maßnahmen dafür fest.

Was betreffen diese Maßnahmen zum betrieblichen Infektionsschutz insbesondere?

Die Bundesregierung plädiert in einer Internet-Mitteilung für die Einhaltung der Ahala-Regeln:

  • Abstand: auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Anstehen – dabei gilt: in der Öffentlichkeit 1,5 Meter Mindestabstand zu anderen halten.
  • Hygiene: Richtiges Husten und Niesen in die Armbeuge sowie gründliches Händewaschen – mindestens 30 Sekunden mit Wasser und Seife.
  • Alltag mit Maske: Ob draußen oder in Innenräumen – überall wo es eng wird, sollte ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.
  • Lüften: Innenräume regelmäßig lüften, damit sich Coronaviren nicht über Aerosole im Raum verbreiten können.
  • App: Die Corona-Warn-App nutzen, um über Ansteckungsgefahr informiert zu werden und Infektionsketten zu durchbrechen.

Reicht das, um sich ausreichend gegen eine Infektion zu schützen?

Bei einer einmaligen Anwendung wohl kaum. Diese Regeln sind regelmäßig auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Darüber hinaus rät Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow, Chefarzt der Abteilung für Hygiene des Klinikums Ernst von Bergmann Potsdam, in einem öffentlichen Aufruf vom Juni 2021 an Bundeskanzlerin Angela Merkel zu der Desinfektion des Mund-Rachen-Raumes. Dies könne beispielsweise nach Aufenthalt in einer infektiösen Umgebung mit vielen möglichen Kontakten zu anderen Menschen mit einem viruziden, also Viren abtötenden Mund-Antiseptikum wie z.B. einem PVP-Jod-Präparat geschehen:

  • etwa 30 Sekunden Gurgeln und Mundspülen
  • mit ein bis zwei Milliliter Jod-Präparat
  • in etwa der gleichen Menge Wasser aufgelöst
  • jeden dritten Tag abends nach dem Zähneputzen.

Der Mund-Rachen-Raum sei der Ort, an dem das Virus in den menschlichen Körper eindringe, Nachwirkung auf Grund der geringen Menge nicht zu befürchten. Zastrow war u.a. Leiter des Fachgebiets „Übertragbare Krankheiten, Impfwesen und Krankenhaushygiene“, Vorsitzender der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention und Geschäftsführer der ständigen Impfkommission (StiKo) des Bundesgesundheitsamtes.

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Wie machen es Veranstalter großer Events?

Sie als Arbeitgeber können aus deren Hygienekonzepten einiges für Ihr Unternehmen ableiten. Je nach Rechtslage, die im Übrigen ziemlich unsicher ist, finden in Deutschland derzeit zumindest einige kleine, mittlere oder auch große Events ohne Unterhaltungscharakter statt. Bedingung dafür sind u.a. mit den örtlichen Behörden abgestimmte Hygienekonzepte. Sie enthalten wirksame Ideen für die Sicherheit:

  • an den Arbeitsplätzen in Ihrem Unternehmen
  • Ihrer Kunden, soweit Ihr Unternehmen fürs Kundengeschäft öffnen darf
  • der Teilnehmer bei geschäftlichen Veranstaltungen Ihres Unternehmens.

Müssen Sie als Arbeitgeber ein solches Hygienekonzept aufstellen?

Um es vorweg klarzustellen: Nein, es gibt dafür keine generelle Pflicht für sie als Arbeitgeber, ein gesondertes Hygienekonzept im Unternehmen aufzustellen und zu dokumentieren. Das mag, insbesondere in der Gesundheitsbranche oder im Wohlfahrtswesen, teilweise anders sein. Grundsätzlich gilt: Solange Sie sich an den veröffentlichten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard bzw. die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregeln halten, ist nichts weiter erforderlich – es sei denn, Sie wünschen es selbst oder haben dies z.B. mit Gewerkschaften oder Ihrem Betriebsrat, sollte Ihr Betrieb einen haben, anders vereinbart.

Trotzdem kann es aus Haftungsgründen für Sie als Arbeitgeber sinnvoll sein, die aktuellen Arbeitsschutzmaßnahmen und den betrieblichen Umgang mit der Pandemie zu dokumentieren. Auch Ihren Mitarbeitern können Sie als Arbeitgeber dadurch ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, was wiederum zur Arbeitsmotivation beiträgt. Merke: Je größer Ihr Unternehmen oder Ihre Veranstaltung, desto größer Ihre Verantwortung als Unternehmer!

Was können Sie als Arbeitgeber von der Eventbranche lernen?

Ein Covid-19-sicheres Event ohne Unterhaltungscharakter bedeutet:

  • genaue Planung
  • Erstellung eines Hygienekonzepts
  • Ein so geringes Infektionsrisiko auf dem Event, dass alle Teilnehmer vor einer möglichen Infektion geschützt sind und eine Ausbreitung des Coronavirus nicht stattfinden kann.

Gleiches werden Sie auch für Ihr Unternehmen wünschen.

Was regelt die Eventbranche typischerweise in ihren Hygienekonzepten?

In der Regel folgende acht Punkte:

  1. Maßnahmen zur Gewährleistung des Mindestabstands von 1,5 m oder Regelungen für Fälle, bei denen dieser Mindestabstand nicht erreicht wird
  2. Mund-Nasen-Bedeckungen und persönliche Schutzausrüstung
  3. Handlungsanweisungen für Verdachtsfälle
  4. Maßnahmen zur Handhygiene
  5. Steuerung und Reglementierung des Mitarbeiter- und Kundenverkehrs
  6. Arbeitszeit- und Pausengestaltung
  7. Sicherheit in Sanitärräumen
  8. Unterweisung der Mitarbeiter und aktive Kommunikation

Daneben ist für Unternehmen wichtig, Regelungen zu treffen zu:

  • Arbeitsplatzgestaltung und Homeoffice
  • Dienstreisen und Meetings
  • Zutritt betriebsfremder Personen zu Arbeitsstätten und Betriebsgelände
  • Sicherheit in Kantinen und Pausenräumen

Aus diesen Punkten können Sie Ihr individuelles Konzept für Ihren Betrieb ableiten.

Können Sie das Hygienekonzept jemandem überlassen, der sich damit auskennt?

Ja, das können Sie. Inzwischen gibt es einige Anbieter, die sich um Hygienekonzepte bei Events und in Unternehmen kümmern. Diese finden Sie im Internet unter dem Stichwort „Hygienekonzepte“. Sie versprechen Entlastung und Sicherheit bei der Organisation wichtiger Firmenveranstaltungen oder Ihren Meetings. Dominik Markoč von „hygienekonzept.events“ zum Beispiel nennt folgende Aspekte, die für Sie als Arbeitgeber wesentlich sein können:

  • Gewinn von gesundheitlicher Sicherheit
  • Haftungsminimierung für Sie als Unternehmen und Veranstalter z. B. eines Firmenevents
  • Recherche der rechtlichen Genehmigungssituation
  • Einhaltung der Datenschutzanforderungen
  • umfangreiches Hygienekonzept.

Darüber, was Sie als Unternehmen sonst für den SARS-CoV-2-Arbeitsschutz beachten müssen, informiert Sie unser Beitrag „SARS-CoV-2 Arbeitsschutz im Unternehmen: Das müssen Sie beachten“.

Autor: Franz Höllriegel