18.03.2021

Homeoffice: Gibt es einen Vorsteuerabzug bei Renovierung?

Corona-Zeit – Homeoffice-Zeit. Das bleibt nicht folgenlos für die Finanzen. Damit wird eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs aus Vor-Coronazeit aktuell. Es geht um Vorsteuer für Renovierung des Homeoffices Ihres Arbeitnehmers, wenn dieser es an Sie als Arbeitgeber vermietet hat.

Homeoffice Vorsteuerabzug Renovierung

Ihr Arbeitnehmer? Vorsteuer? Homeoffice an Sie als Arbeitgeber vermietet? Geht da etwas durcheinander?

Nein, eigentlich ist alles ganz logisch: Ein Arbeitnehmer besitzt ein Homeoffice. Darin arbeitet er. Er hat es an seinen Arbeitgeber vermietet und dies zur Vorsteuer angemeldet. So die Ausgangslage in einem Fall, den der Bundesfinanzhof (BFH) zu entscheiden hatte (Urteil vom 07. Mai 2020, V R 1/18).

Was ist dann passiert?

Der Arbeitnehmer renovierte nun sein Homeoffice. …

Dürfen wir raten: er möchte für die Renovierungsmaßnahmen Vorsteuer geltend machen?

Richtig.

Was wären die Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug?

Eigentlich hätte der Arbeitnehmer keine schlechten Karten. Als Unternehmer können Sie gesetzlich geschuldete Steuer für Leistungen, die ein anderer Unternehmer für Ihr Unternehmen ausgeführt hat, als Vorsteuer abziehen – Betonung auf „Unternehmer“. Die Berechtigung zum Vorsteuerabzug setzt u.a. voraus, dass die in Frage stehende Eingangsleistung unternehmerischer Art ist.

Wann ist eine Eingangsleistung der unternehmerischen Tätigkeit des Steuerpflichtigen zuzuordnen?

Dafür muss generell ein direkter und unmittelbarer Zusammenhang zwischen Eingangs- und Ausgangsumsatz bestehen. Nach ständiger Rechtsprechung ist das bei Aufwendungen der Fall, die zu den Kostenelementen der zum Abzug berechtigenden Ausgangsumsätze gehören. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit den Vermietungsumsätzen besteht bei Aufwendungen zur Renovierung des an den Arbeitgeber vermieteten Homeoffice, soweit der Arbeitnehmer das Homeoffice beruflich nutzt.

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Wie verhielt es sich im konkreten Streitfall?

Er begann noch vor Ausbruch der Pandemie. Der Arbeitnehmer besitzt zusammen mit seinem Ehepartner gemeinsam ein Zweifamilienhaus. Es besteht aus der von diesen selbst genutzten Wohnung im Erdgeschoss und einer weiteren Wohnung im Souterrain, das Homeoffice, bestehend aus Büro, Besprechungsraum, Küche und Bad mit WC.

Dies vermieteten sie umsatzsteuerpflichtig an den Arbeitgeber des Arbeitnehmers, der seine Bürotätigkeit dort ausübte. Im Streitjahr renovierten die Eheleute das Homeoffice und bezogen hierfür Leistungen überwiegend zur Renovierung des Badezimmers. Die auf diese Handwerkerleistungen entfallende Umsatzsteuer machte der Arbeitnehmer als Vorsteuer geltend.

Mit Erfolg?

Nein, das Finanzamt erkannte diesen Vorsteuerabzug nicht an. Es ordnete das Badezimmer des Homeoffice dem privaten Bereich der Kläger zu. Der legte Einspruch gegen den Umsatzsteuerbescheid ein – auch ohne den erhofften Erfolg.

Immerhin: Das Finanzgericht (FG) gab den Klägern teilweise recht. Es erkannte die Vorsteuer nur insofern an, als diese im Zusammenhang mit den Vermietungseinkünften der Kläger stehe, also nur die Kosten für die Sanitäreinrichtungen Toilette und Waschbecken. Dagegen legte der Kläger Revision beim BFH ein. Er besteht auf einem weitergehenden Vorsteuerabzug, hat damit aber auch beim BFH wieder keinen Erfolg. Der weist die Klage als unbegründet zurück.

Warum unbegründet?

Weil nach Ansicht des BFH sich die berufliche Nutzung des Homeoffice bei einer Bürotätigkeit nicht auf die Dusche und die Badewanne erstrecke. Daran ändert auch nichts die umsatzsteuerrechtliche Anerkennung seitens des BFH einer Gestaltung des Homeoffices wie jene durch den Kläger zum Zwecke der Vermietung an den Arbeitgeber, damit dieser dem Kläger das Homeoffice zur Verfügung stellen kann. Dem BFH fehlt es hinsichtlich der Sanitäreinrichtungen an einer beruflichen Nutzung. Die Vorgaben des Arbeitgebers zur Ausstattung des Homeoffice umfassten lediglich das Vorhandensein einer Sanitäreinrichtung.

Zudem habe der Kläger die Miete trotz der umfassenden Renovierung des Badezimmers nicht erhöht. Hieraus folgert der BFH, dass diese Aufwendungen in keinem Zusammenhang zur Anmietung des Homeoffice durch den Arbeitgeber standen.

Weiterhin sei, so der BFH, die Geschäftsgrundlage der Vermietung an den Arbeitgeber die Rücküberlassung durch den Arbeitgeber für dienstliche Zwecke gewesen. Handelt es sich hierbei um eine Bürotätigkeit, kann zur Nutzungsüberlassung auch ein Sanitärraum, wie etwa eine Toilette, gehören. Allerdings spreche nichts dafür, dass der Arbeitgeber in einem solchen Fall Räumlichkeiten anmietet, um seinem Arbeitnehmer die dienstlich veranlasste Nutzung einer Dusche und Badewanne zu ermöglichen.

Was bedeutet der Richterspruch für Ihre Praxis als unternehmerisch tätiger Arbeitnehmer, der sein Homeoffice an den Arbeitgeber vermietet?

Sie werden künftig diese Grundsätze in Abhängigkeit von der jeweiligen Tätigkeit, die im Homeoffice erbracht wird, umsetzen: Stehen die Aufwendungen im erforderlichen direkten und unmittelbaren Zusammenhang?

Sie sollten allerdings auch die weitere Rechtsprechung beobachten. Die vom BFH in diesem Fall aufgestellten Grundsätze mögen eindeutig klingen. Der Weisheit letzter Schluss für alle Fälle dürften sie nicht sein. Es bleibt abzuwarten, inwieweit diese Entscheidung zur Rechtsklarheit beiträgt. Möglicherweise wird es weiterer Urteile bedürfen, um im jeweiligen Einzelfall über den erforderlichen Zusammenhang zu entscheiden.

Autor: Franz Höllriegel