02.01.2023

Häusliches Arbeitszimmer absetzen – auch wenn es nicht notwendig ist

Aufwendungen für Ihr häusliches Arbeitszimmer steuerlich absetzen? Da stellt sich das Finanzamt gerne quer. Sein Argument: das Zimmer sei für Ihren Beruf nicht erforderlich. Was es übersieht: solche Aufwendungen sind dennoch abzugsfähig. Der BGH nennt jetzt die Bedingungen dafür.

Häusliches Arbeitszimmer absetzen

Was heißt „von der Steuer absetzen“?

Folgendes: Als steuerpflichtige GmbH geben Sie in Ihrer Steuererklärung Ihre Ausgaben und Ihre Einkünfte an. Der Finanzbeamte prüft Ihre Steuererklärung. Er zählt dabei Ihre Ausgaben zusammen. Die Gesamtsumme zieht er von Ihren Jahreseinkünften ab. Auf das, was übrig bleibt, zahlen Sie Steuern. Das nennt beispielsweise der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. Neustadt/Weinstraße „von der Steuer absetzen“.

Was kann man absetzen?

Die Lohnsteuerhelfer unterscheiden die vom Staat auf manche Dinge gewährten Steuervorteile in drei Kategorien:

  • Werbungskosten: Bestimmte Kosten für den Beruf wie z.B.:
    • Bewerbungen
    • Fort- und Weiterbildungen
    • Fahrten von und zur Arbeit.
  • Sonderausgaben: private Kosten wie z.B.:
    • Schulgeld für Kinder
    • Spenden: als selbstständiges Unternehmer können Sie Zuwendungen für einen guten Zweck als Geld, Kleider oder ihre Arbeitskraft an eine steuerbegünstigte Organisation als Sonderausgabe von der Steuer absetzen. Was darunter zu verstehen ist und was es für Sie als Unternehmen beim Spenden zu beachten gilt, damit die Spende vom Fiskus steuerlich anerkannt wird – dazu alles Wissenswerte in unserem Beitrag „Steuerliche Erleichterungen für Spenden verlängert“.
    • Kranken- oder Pflegeversicherungsbeiträge.
  • außergewöhnliche Belastungen: besondere Kosten, denen Sie sich nicht entziehen könnten, wie z.B.:
    • Unterhaltszahlungen
    • Pflegeheimkosten
    • Ausgaben aufgrund einer Krankheit.

Was muss man tun, um etwas absetzen zu können?

Grundvoraussetzung dafür ist am Ende des Jahres die erwähnte Steuererklärung. Dafür füllen Sie verschiedene vorgedruckte, mehrseitige Formulare aus. Diese gibt es beim Finanzamt oder online auf der Steuererklärungsplattform „Elster“. Sie können damit einiges tun, um den Finanzbeamten die Arbeit zu erleichtern und damit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie ihren Bescheid schneller erhalten, wie Sie unserem Beitrag „Das lange Warten auf den Steuerbescheid“ entnehmen können. Über das Formular in dem kostenfreien Elster-Programm können Sie als Arbeitgeber der Finanzverwaltung den Lohnsteuerabzug Ihres Arbeitnehmers mitteilen. Lesen Sie dazu unseren Beitrag „Arbeitgeber tragen Freibeträge für zwei Jahre ein“.

Tragen Sie zunächst in das Hauptformular oder Mantelbogen genannt Ihren Namen, Ihre Adresse sowie andere private Angaben ein. Danach gliedert sich die Steuererklärung in zwei Bereiche:

  • Einnahmen: hier tragen Sie ein, was Sie verdienen oder zum Beispiel über eine vermietete Wohnung eingenommen haben.
  • Ausgaben: hier tragen Sie ein, was Sie ausgegeben haben und was Sie absetzen können.

Die Lohnsteuerhilfe zeigt am Beispiel das weitere Vorgehen:

  • Sie sitzen an Ihrer Steuererklärung,
  • neben sich Ihre vorsortierte Sammlung von Rechnungen, Kassenbons und sonstigen Nachweisen der letzten zwölf Monate.
  • Tragen Sie anhand Ihrer Belege die verschiedenen Beträge in die entsprechenden Leerfelder im Formular ein:
    • Was gehört zu Werbungskosten,
    • was zu Sonderausgaben
    • was zu außergewöhnlichen Belastungen?

Zu beachten gibt die Lohnsteuerhilfe: Wenn Sie kein Geld zum Beispiel für außergewöhnliche Belastungen ausgegeben haben und somit keine Kosten hatten, können Sie an dieser Stelle auch keine Beträge oder Ausgaben in die Steuererklärung eintragen. Ansonsten heben Sie alle Rechnungen und Nachweise, die Sie eingetragen haben, auf, falls ein Finanzbeamter oder eine Finanzbeamtin Ihre Angaben prüfen will.

Was sagt der Bundesgerichtshof (BGH) zum Absetzen von der Steuer?

Er hat die Grundsätze bestätigt, die allgemein für Betriebsausgaben und Werbungskosten gelten. Danach ist es Ihre freie Entscheidung als steuerpflichtige GmbH, welche Aufwendungen Sie für Ihren Betrieb machen möchten. Höhe, Notwendigkeit, Üblichkeit und Zweckmäßigkeit der Aufwendungen sind für die Anerkennung als Betriebsausgaben grundsätzlich ohne Bedeutung.

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Worum ging es in dem Streitfall?

Eine vollzeitbeschäftigte Stewardess besaß gemeinsam mit ihrem zusammen mit ihr zur Einkommensteuer veranlagten Ehemann ein Einfamilienhaus. Aus einer Aufstellung der Reisekosten ergab sich, dass die Klägerin an 66 Tagen zum Dienstflughafen und zurück gefahren war, sich an 27 Tagen auf Reisen im Inland und an 107 Tagen auf Reisen im Ausland befunden hatte (insgesamt 134 Reisetage). Sie machte für ein in dem Haus gelegenes 13,5 m² großes Arbeitszimmer Aufwendungen in Höhe von 1.250 Euro als Werbungskosten geltend. Sie gab an, sie benötige das häusliche Arbeitszimmer, um sich auf anstehende Flüge vorzubereiten einschließlich:

  • Einwählen in das Informationssystem der Fluggesellschaft vor jedem Flug,
  • Abrufen wichtiger Informationen wie
    • Dienstpläne,
    • Zollbestimmungen,
    • Routenverlauf,
    • Sicherheitsvorkehrungen und
    • dergleichen mehr.

Für diese Tätigkeiten habe ihr kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung gestanden:

  • keine Möglichkeit, die Vorbereitungen in den Flugzeugen,
  • nicht die dafür benötigte Zeit nach der Ankunft am Flughafen.

Im Streitjahr war sie an 134 Reisetagen unterwegs.

Wie reagierte das Finanzamt?

Es verweigerte der Stewardess den Werbungskostenabzug. Es hielt aufgrund des einer Ansicht nach sehr geringen Anteils der Flugvorbereitungen ein häusliches Arbeitszimmer für nicht erforderlich. Die Stewardess könne diese Tätigkeiten von rund 50 Stunden im Jahr an einem anderen Tisch in einem anderen häuslichen Raum wie etwa am Küchentisch erledigen. Die Stewardess bestritt das und klagte dagegen.

Mit welchem Erfolg?

Das Finanzgericht (FG) als Vorinstanz hat den Werbungskostenabzug mit der seiner Ansicht nach im Hinblick auf den zeitlichen Nutzungsumfang fehlenden „Erforderlichkeit“ eines Arbeitszimmers abgelehnt. Es hat die Erforderlichkeit des Arbeitszimmers für die Tätigkeit der Klägerin als maßgebend erachtet. Die Klägerin hätte nach Ansicht des FG die Arbeiten, für die ihr kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand, am Küchentisch, im Esszimmer oder in einem anderen Raum erledigen können.

Was sagte der BFH?

Er widersprach FG und Finanzamt (BGH, Urteil vom 03.04.2019, Az.: VI R 46/17). Zunächst verweist er darin auf die Regelung nach § 9 Abs. 5 iin Verbindung mit § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) kann ein Steuerpflichtiger Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht als Werbungskosten abziehen. Dies gelte nach Satz 2 der Vorschrift nicht, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Nach Ansicht der Münchener Richter setze der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers voraus, dass der jeweilige Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche bzw. berufliche Zwecke genutzt werde. Dabei sei es unerheblich, ob ein häusliches Arbeitszimmer für die Tätigkeit erforderlich sei. Für die Abzugsfähigkeit von Aufwendungen genüge die Veranlassung durch die Erzielung der Einkünfte.

Damit liegt dieses Urteil auf einer Linie mit dem Urteil des BFH vom 08.03.2017 (Az.: IX R 52/14). Dort hatten die Finanzrichter ausgeführt, dass der Werbungskostenabzug weder die Notwendigkeit noch die Erforderlichkeit eines häuslichen Arbeitszimmers voraussetze. Den beiden Fallgruppen läge die Überlegung zugrunde, dass die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer in diesen Fällen bereits aufgrund der Typisierung erforderlich seien, also ohne eine tatsächliche Feststellung.

Wie definiert der BGH ein häusliches Arbeitszimmer?

Im Sinne des EStG als einen Raum, der

  • typischerweise mit Büromöbeln und einem Schreibtisch regelmäßig als zentralem Möbelstück eingerichtet ist,
  • seiner Lage, Funktion und Ausstattung in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden
  • demnach die Erzielung von Einnahmen bezwecke und
  • ausschließlich oder
  • nahezu ausschließlich zur Einkünfteerzielung genutzt werde sowie
  • vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder -organisatorischer Arbeiten diene.

Aufwendungen für gemischt – also beruflich wie auch privat – genutzte Räume seien dagegen insgesamt nicht abzugsfähig. Im Entscheidungsfall stand die nahezu ausschließliche berufliche Nutzung nicht fest. Das nachträglich zu klären, hat der BGH der Vorinstanz aufgetragen. Das FG habe zwar den Umfang der Arbeiten festgestellt, für die der Klägerin kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand. Es habe aber keine Feststellungen getroffen, ob der Raum im Streitjahr tatsächlich – wie von den Klägern behauptet – nahezu ausschließlich zur Einkünfteerzielung verwendet wurde oder aber neben der einkünfterelevanten Nutzung eine schädliche private Mitnutzung vorlag. Derartige Feststellungen obliegen dem FG als Tatsachengericht und sind zur Entscheidung des Falls erforderlich

Wie sieht der Gesetzgeber die Sache?

Er verwendet den Begriff der Erforderlichkeit oder Notwendigkeit nicht. Für ihn sind Voraussetzungen und Höhe der abziehbaren Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer im Einkommensteuergesetz in zwei Fallgruppen abschließend bestimmt:

  • Fallgruppe, für betriebliche oder berufliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung: als Werbungskosten abziehbare Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer 1.250 Euro
  • Fallgruppe, das Arbeitszimmer bildet den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung: die Aufwendungen sind unbeschränkt abziehbar.

Zu diesen beiden Fallgruppen gäbe es kein zusätzliches ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal der Erforderlichkeit. Daher spiele es keine Rolle, dass die über keinen anderen Arbeitsplatz verfügende Stewardess die Flugvorbereitungen etwa am Küchen- oder an einem sonstigen Tisch in einem anderen Raum hätte erledigen können. Ohne die strengen Voraussetzungen eines Arbeitszimmers nachweisen zu müssen, können Arbeitnehmer auch die Homeoffice-Pauschale von fünf Euro pro Arbeitstag für die Arbeit im Homeoffice beanspruchen, maximal allerdings 600 Euro pro Kalenderjahr.

Was, wenn Sie sich ein Arbeitszeit mit einer anderen Person teilen?

Das ist eine Besonderheit für die erste Fallgruppe. Früher teilten Sie sich den Höchstbetrag von 1.250 Euro untereinander, den Sie einkünftemindernd geltend machen können. Auch damit hat der BFH aufgeräumt: Jeder der ein Arbeitszimmer sich das häusliche Arbeitszimmer teilenden Steuerpflichtigen kann die abziehbaren Aufwendungen bis zum Höchstbetrag von 1.250 Euro voll für sich beanspruchen. Alles wichtige dazu lesen Sie bitte in unserem Beitrag „Häusliches Arbeitszimmer: Wenn zwei sich eins teilen“.

Autor*in: Franz Höllriegel