19.12.2019

GmbH-Beteiligung: Wann müssen Sie als Einzelunternehmen sie aktivieren?

Privat oder Betrieb? Das ist die entscheidende steuerliche Frage zur GmbH-Beteiligung eines Einzelunternehmens – eine Zuordnung mit erheblicher Bedeutung für die Besteuerung von Dividenden oder beim Anteilsverkauf. Sie spielte jetzt eine Rolle bei einer BFH-Entscheidung.

GmbH-Beteiligung

Was ist günstiger: Betriebsvermögen oder Privatvermögen?

Pauschal lässt sich das – wieder mal – nicht sagen. Als Einzelunternehmen beispielsweise können Sie eine GmbH-Beteiligung Ihrem daneben vorhandenen Einzelunternehmen zuordnen. Sie machen daraus also Betriebsvermögen – oder Sie halten es im Privatvermögen. Beides geht. Es gibt aber je nach Zuordnung erhebliche Unterschiede:

  • Dividenden werden anders besteuert,
  • Verluste im GmbH-Anteil werden berücksichtigt oder auch nicht,
  • bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer können andere Werte gelten,
  • die Entnahme oder Auflösung der Betriebsvermögenseigenschaft führt zu einer Besteuerung usw.

Deswegen sollten Sie als Einzelunternehmen bei parallelen GmbH-Beteiligungen immer äußerst sorgfältig vorgehen. Prüfen Sie, ob die GmbH-Beteiligung zum Betriebsvermögen gehört oder ins Privatvermögen. Sie verschaffen sich hier am besten Rechtssicherheit über eine „verbindliche Auskunft“ vom Finanzamt (nach § 89 Abs. 2 Abgabenordnung – AO).

Unternehmer, Privatpersonen und Investoren können dort eine solche steuerliche Beurteilung eines von ihnen konkret vorgetragenen Sachverhalts vor dessen Umsetzung beantragen. Voraussetzung ist, dass Sie als Antragsteller aufgrund erheblicher steuerlicher Auswirkungen daran ein besonderes Interesse haben. Damit können Sie sich unter Umständen viel Ungemach ersparen, wie es jetzt eine GmbH in einem letztlich vom Bundesfinanzhof (BFH) entschiedenen Fall erleben musste.

Worum ging es in dem Fall vor dem BFH?

Dabei unterhielt eine GmbH an verschiedenen Standorten Einzelhandelsunternehmen. Zur weiteren Geschäftsentwicklung investierte die GmbH in einen Online-Shop. Seitens eines Einkaufsverbandes bestanden rechtliche Einwände gegen die Inbetriebnahme des Online-Shops innerhalb der GmbH. Stattdessen gründete der Mehrheitsgesellschafter ein Einzelunternehmen und betrieb dort den Online-Shop.

Dessen Wareneinkauf erfolgte unter Nutzung der Beziehungen zum Einkaufsverband über die GmbH, später vom Einzelunternehmen direkt beim Einkaufsverband. Bei dem war das Einzelunternehmen als „Niederlassung der GmbH“ gelistet. Auch Personal wurde bei Bedarf von der GmbH dem Einzelunternehmen überlassen, etwa für Versand, Lagerhaltung etc. Später übertrug der Hauptgesellschafter der GmbH, nicht aber das Einzelunternehmen, seine Anteile auf seine Tochter.

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Wie sah das das Finanzamt?

Es stellte in einer Außenprüfung fest, dass der GmbH-Anteil von Beginn der Gründung des Einzelunternehmens an als eingetragener Kaufmann (e.K.) an Betriebsvermögen des Einzelunternehmens beteiligt war. Die Übertragung der GmbH-Anteile auf die Tochter führte in der Folge zur Entnahme der GmbH-Anteile aus dem Betriebsvermögen des Einzelunternehmens. Daraus stellte das Finanzamt einen Entnahmegewinn fest. Entnahmegewinn war der Wert des GmbH-Anteils bei Übertragung an die Tochter minus Wert des GmbH-Anteils bei erstmaliger Einlage in dem Betriebsvermögen – im Ergebnis ein erheblicher Steuerwert, der da fällig wurde.

Was entgegnete der steuerpflichtige Einzelunternehmer?

Dass der GmbH-Anteil kein Betriebsvermögen, sondern Privatvermögen sei, da keine Betriebsaufspaltung vorlag. Dafür hätte seiner Ansicht nach das Einzelunternehmen wesentliche Wirtschaftsgüter an die operative GmbH überlassen müssen.

… und was der BFH?

Zweierlei:

  1. Die Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft gehört zum notwendigen Betriebsvermögen, wenn sie:
    1. entweder die gewerbliche branchengleiche Betätigung des Steuerpflichtigen entscheidend fördern oder
    2. dazu dienen soll, den Absatz von Produkten des Steuerpflichtigen zu gewährleisten.
  2. Eine Förderung in Alternative a erfordert, dass der Steuerpflichtige seine Beteiligung an der Kapitalgesellschaft zum Wohle seines Einzelgewerbebetriebs einsetzt. Das sieht der BFH dann als gegeben an, wenn zwischen Kapitalgesellschaft und Einzelgewerbebetrieb eine intensive und nachhaltige Geschäftsbeziehung besteht. Sie muss sich für den Einzelgewerbebetrieb als erheblich vorteilhaft erweisen. Zudem muss dieser Vorteil seine Ursache im Gesellschaftsverhältnis haben. Bei einer solchen Geschäftsbeziehung wird die Kapitalbeteiligung erst recht zum Zwecke der Förderung des Einzelgewerbebetriebs eingesetzt, wenn dieser hierdurch fremdunübliche Vorteile erlangt (BFH, Urteil vom 12.06.2019, Az.: X R 38/17).

Im Streitfall wurde der GmbH-Anteil also direkt Betriebsvermögen der e.K. – leider unerkannt, was dann später zu einer steuerpflichtigen Entnahme führte.

Was lernen Sie als Unternehmen mit einer GmbH-Beteiligung daraus?

Wenn es sich nicht schon um eine Betriebsaufspaltung handelt, sollten Sie die Betriebsvermögenseigenschaft dieser GmbH-Anteile dringend neu prüfen lassen – um unangenehme Folgen zu vermeiden.

Autor: Franz Höllriegel