28.06.2018

Geleaste Dienstfahrräder – Vorsicht bei Kaufoption!

Im Kampf um Mitarbeiter scheint mittlerweile jedes Mittel recht zu sein. Nach dem Ködern mit dem geleasten Dienst-Pkw à gogo bieten immer mehr Unternehmen jetzt geleaste Dienstfahrräder to go. Doch Vorsicht! Hier lauert eine Steuerfalle – für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer.

Dienstfahrräder

Dienstfahrräder locken Mitarbeiter

Mitarbeiter von SAP nutzen es genauso wie von IBM, Rewe oder der Bahn: sie fahren mit geleasten Dienstfahrrädern zur Arbeit. Bundesweit sollen mittlerweile über 200.000 Dienstfahrräder geleast sein, „Tendenz steigend“, wie „Euro am Sonntag“ Ulrich Prediger, Gründer des Freiburger Leasingrad-Anbieters JobRad, zitiert.

Dabei suchen Arbeitnehmer sich ein Fahrrad oder E-Bike nach Wunsch aus, der Arbeitgeber least es und überlässt es dem Mitarbeiter zur freien Nutzung. Im Gegenzug behält er einen geringen Teil vom Bruttogehalt des Arbeitnehmers ein und bedient damit die Leasingrate.

Hierzu schließt der Arbeitgeber zunächst einen Kauf- oder Leasingvertrag mit einem Händler. Die Leasingzeit beträgt in der Regel drei Jahre. Zusätzlich schließt der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer einen Vertrag, mit dem er ihm das Rad überlässt.

Geringeres Steuereinkommen

Durch die Gehaltsumwandlung sinkt das zu versteuernde Einkommen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen dadurch weniger Abgaben leisten. Arbeitnehmer sparten deutlich, heißt es in dem Bericht weiter.

  • Das neue Dienstrad werde lediglich nach der Ein-Prozent-Regel versteuert.
  • Jeden Monat sei Lohnsteuer auf ein Prozent des Kaufpreises des Fahrzeugs fällig, also insgesamt zwölf Prozent im Jahr.

2012 hatten die obersten Finanzbehörden der Länder die Diensträder den Dienstautos steuerlich gleich gestellt.

Wettbewerb um Fachkräfte

Unternehmen bekämen mit dem umweltfreundlichen Dienstrad aktivere und motivierte Mitarbeiter. Viele Firmen nutzten es zudem als Wettbewerbsvorteil im Wettbewerb um Fachkräfte. Die Unternehmen koste das Angebot meisten nichts.

Lediglich den administrativen Aufwand müssten sie organisieren – oder organisieren lassen. Hierfür bieten Leasingfirmen wie JobRad, Eurorad, Regonova, Baron Mobility Service oder Company Bike Solutions ihre Dienste an. Neben Wartung oder Versicherungen regeln sie Leasing oder Überlassung der Räder digital und bringen die Kunden mit Fahrradhändlern zusammen.

Achtung Fallstricke bei geleasten Dienstfahrrädern

Doch gibt es Fallstricke, und zwar sowohl für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber:

1. Fallstrick für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer müssen aufpassen, wenn der Vertrag eine Kaufoption enthält, sie also das Rad nach Ablaufen der Leasingzeit erwerben können. Wer dies unterschreibt, riskiere seine Steuervorteile.

Der Mitarbeiter wird so zum wirtschaftlichen Leasingnehmer. Das aber könne sehr teuer für ihn werden. Die Gehaltsumwandlung werde dann steuer- und sozialversicherungspflichtig – und zwar rückwirkend!

Damit aber wird alles nun steuerlich so behandelt, als hätte der Mitarbeiter das Fahrrad selbst geleast. In der Regel würden solche Fehler erst im Zuge einer Betriebsprüfung aufgedeckt. Die kann auch erst Jahre später erfolgen.

2. Fallstricke für Arbeitgeber

Arbeitgeber müssen darauf achten, dass dem Arbeitnehmer keine Kaufoption eingeräumt wird. Soll das Dienstfahrradmodell funktionieren, müsse sich der Arbeitgeber auch wie ein Leasingnehmer verhalten. Arbeitgeber sollten also den Überlassungsvertrag an das Arbeitsverhältnis koppeln. Endet die Beschäftigung, so müssten sie das Fahrrad zurücknehmen.

Zudem sollten Arbeitgeber einen Teil der Kosten übernehmen, beispielsweise für die Versicherung. Das ist vor allem notwendig, wenn der Arbeitnehmer die Leasingraten allein trägt.

Hinweis der Redaktion

Wir haben für Sie zur Vereinfachung das kostenlose Vertrags-Muster

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JobRad bietet Lösungen

JobRad erwähne die Kaufoption in den Vertragsformularen nicht, beabsichtige aber, dem Mitarbeiter das Dienstrad nach Leasingende zum Kauf anzubieten. Der Gebraucht-Kaufpreis wird mit 17 Prozent des Neupreises angesetzt.

Zudem bietet JobRad eine Lösung für das zweite Problem, das beim Kauf entsteht: den geldwerten Vorteil. Die Finanzbehörden setzten seit Mai 2017 den pauschalen Marktwert für Diensträder auf 40 Prozent des Listenpreises fest. Die Differenz von 23 Prozent zum Restwert müsste der Jobradler als geldwerten Vorteil versteuern. Doch hier springe JobRad ein und übernehme die Versteuerung – eine „rechtssichere Lösung“, wie Prediger versichert.

 

Autor: Franz Höllriegel