23.09.2021

Führungsaufgabe: Normalität neu denken

Covid-19 – für die Wirtschaft der GAU. Doch war wirklich alles schlecht? Oder kann man nicht die erforderlichen „Verbote als Innovationstreiber“ (Baerbock) sehen? Die Pandemie kann ein Entwicklungsbeschleuniger sein. Vorausgesetzt, Sie als Führungskraft verhalten sich entsprechend.

Führungsaufgabe

War es das jetzt mit der Normalität: nur noch Corona-Krise in alle Ewigkeit?

Gegenfrage: Wie sah unsere „Normalität“ denn aus? Was verstehen Sie unter „zurück zur Normalität“. Und was, wenn wir nie wieder dorthin zurückkehren? Ergäbe es womöglich gar keinen Sinn, zur früheren Normalität zurückzufinden? Wollen wir zurück zu wachsender Globalisierung um jeden Preis? Oder ist dieses Lied seit Covid-19 nicht ausgesungen? Wie wäre es, wenn es uns die Krise ermöglichte, eine neue, nicht nur auf Leistung getrimmte Globalisierung zu schaffen? Eine Globalisierung, die auf Risikostreuung und Nachhaltigkeit gerichtet ist – und das eigene Unternehmen zukunftsfähiger macht?

Wie könnten Antworten in der Praxis lauten?

  • Beispiel Reisen: Früher musste man lange für den Urlaub sparen. Es ist bereits länger her, da konnten sich Reisebüros nicht beklagen. Ihre Kunden hielten Ihnen oft seit Jahrzehnten die Treue. Aber auch diese Kundschaft hat spätestens in dieser Krise gelernt, wie das Internet samt E‑Commerce und Online-Buchungen funktioniert. Dann kamen die Billigflieger, und man flog mal eben für 49 Euro ein Wochenende nach Mallorca. Wird ein Urlaub bei solchen Preisen noch wertgeschätzt? Muss Reisen heute so billig sein, nur weil wir auf großem Fuß leben wollen? Vergessen Sie bitte nicht: wir hinterlassen damit auch einen imposanten unökologischen Fußabdruck.
  • Beispiel Verkehr: Zurück daheim geht es nach solch einem vermeintlich erholsamen Wochenende am Meer pünktlich um 7 Uhr mit dem Auto oder der Bahn zur Arbeit. Stau und überfüllte Züge sind Alltag. Ist halt so. Schließlich müssen die meisten pünktlich wieder bei der Arbeit sein. Doch müssen sie das wirklich? Covid-19 hat gezeigt, dass es auch anders geht.
  • Beispiel Arbeitsmodelle: Gewiss: Homeoffice ist nicht für jeden eine Erfahrung, die der Vergnügungssteuerpflicht unterliegt, auch wenn uns Experten das Gegenteil weismachen wollen. Mit zwei Kindern in einer Dreizimmerwohnung ist Homeoffice nicht gerade ein Kinderspiel, nicht tatsächlich und nicht in übertragenem Sinne. Dennoch ist es für viele Menschen möglich, zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit in einem auf sie zugeschnittenen Homeoffice oder in einem Co-Working-Space in Fußabstand zu arbeiten. Übrigens: Seit Juli 2021 besteht für Sie als Arbeitgeber keine Pflicht mehr, ein Homeoffice zu stellen. Hier haben Sie ein Wörtchen mitzureden. Wie Sie damit umgehen, lesen Sie in dem Beitrag „So beenden Sie Homeoffice-Vereinbarungen rechtssicher“. Und damit Ihrem Mitarbeiter der Abschied vom Homeoffice leichter fällt, haben wir für Sie dafür einen Text zum, Download vorbereitet mit der „Musterformulierung Homeoffice-Beendigung per Weisungsrecht“.

Tipp der Redaktion

Ganz gleich, ob Sie Fragen zu Mitarbeitergesprächen, Zielvereinbarungen oder Ihrem Führungsstil haben: „Führung & Management“ hilft praxisnah und zuverlässig. Erfolgreich als Führungskraft und Manager – So meistern Sie die Herausforderungen und optimieren das Unternehmen!

Was verstehen wir also unter neuer Normalität?

Als Unternehmen stehen Ihnen grundsätzlich zwei Möglichkeiten offen, um auf die durch Covid-19 erzeugten Herausforderungen zu reagieren:

  • Sie suchen die Schuldigen, zeigen fortwährend auf sie und verlangen, dass sofort alles wieder besser, sprich: so wie früher wird: hierfür analysieren Sie zunächst genau, was war und wie Ihr eigenes Geschäft vor der Corona-Krise funktioniert hat. Näheres zu den Auswirkungen der Krise finden Sie in dem Beitrag „Corona-Krise: So meistern Sie als Arbeitgeber die Herausforderungen“.
  • Anschließend untersuchen Sie die neue Normalität und leiten daraus zukunftsfähige Möglichkeiten ab, beispielsweise durch die längst überfällige Digitalisierung.
  • Oder sie handeln. Und ja: Das trifft auf jede Branche zu. Schließlich haben wir nur die beiden Optionen: weitermachen und uns verändern oder aufgeben und resignieren.

Welche Anforderungen ergeben sich aus dieser neuen Normalität?

Als Führungskraft sind Sie Dienstleister für Ihre Mitarbeiter. Sie haben als solche die Aufgabe, alles zu tun, damit die Arbeit wirkungsvoll und zielgerichtet vonstattengeht. Damit haben Sie die wichtigste Aufgabe: Sie müssen schauen, dass Sie selber noch für Ihren Job im übertragenen Sinn brennen. Ohne Energie und Antrieb sind Sie als Führungskraft ein Leistungsverhinderer für Ihr ganzes Team.

Fassen Sie es als seltene Chance auf: die aktuelle Situation liefert Ihnen einen wirklich ernsthaften Anlass, über unsere angebliche Normalität in den verschiedenen Lebensbereichen nachzudenken und sie zu hinterfragen: Wie wollen Sie wirklich leben und arbeiten?

Was lernen Sie für Ihre Praxis als Führungskraft daraus?

Hier ein paar Tipps:

Tipp 1: Richten Sie Ihre eigene Einstellung aus!

Demotivation ist extrem ansteckend. Motivieren Sie sich also!

  • Sorgen Sie dafür, dass Sie weiterhin inspiriert und von Ihrem Produkt und dem Unternehmen begeistert sind. Aber bitte nicht gespielt! Das spürt jeder sofort.
  • Seien Sie echt! Eine schwierige Aufgabe in Krisenzeiten. Ihre Einstellung zur Krise und ihren Veränderungen für die Zukunft ist entscheidend:
  • Stehen Sie sich nicht selbst im Weg! Seien Sie positiv! Nicht alles ist schwierig, nicht jeder Mitarbeiter ein unmotivierter Lohnempfänger, die Wirtschaft fährt nicht gerade an die Wand.
  • Bemühen Sie sich um aufbauende Gedanken und Einstellungen! Sie sind zumal für Sie als Führungskraft besonders wichtig. Stimmt Ihre Einstellung, stimmt auch die Ihrer Mitarbeiter.

Tipp 2: Nehmen Sie sich ein Beispiel am Leitbild?

  • Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, als Führungskraft Ihre Mitarbeiter zu motivieren! langfristig hat das noch nie funktioniert.
  • Tun und leben Sie das, was in den meisten Leitbildern steht! Das reicht schon.
  • Holen Sie Ihre Mitarbeiter mit ins Boot! Die Krise bietet ihnen eine einmalige Chance dafür.
  • Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern über deren Ängste und Sorgen. Fast jeder hegt welche.
  • So fangen Sie eventuelle Unsicherheiten ab.

Tipp 3: Zeigen Sie Interesse! Klären Sie auf!

  • Lassen Sie die unsichtbaren Masken fallen! Zumal in einer Zeit der Masken in Unternehmen wichtiger denn je! À propos: Masken, Corona-Tests für Ihre Mitarbeiter? Haben Sie als Arbeitgeber sich schon mal gefragt: Wer soll das alles bezahlen? Wenn nicht, sollten Sie unseren Beitrag „Schutzmasken und Corona-Test: geldwerter Vorteil?“ studieren.
  • Seien Sie Mensch! Zeigen Sie echtes Interesse an Ihren Mitarbeitern! Das schweißt zusammen. Nur mit einem guten Team bewältigen Sie die Krise.
  • Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern darüber:
    • wie sie wirklich arbeiten wollen,
    • wie sie die eigene Lebenszeit verbringen möchten und
    • welche Veränderungen jetzt zu bewältigen sind.

Tipp 4: Kommunizieren Sie, aber richtig: transparent und ehrlich!

  • Vermeiden Sie Worthülsen wie „Krise als Chance sehen“! Solche Sätze könnte zynisch wirken. In schwierigen Situationen zeigt sich das wahre Gesicht eines Unternehmens. Sind die Worte im Leitbild und im Nachhaltigkeitsbericht nur schönen PR-Kosmetik oder spiegeln sie die wahren Werte wider?
  • Machen Sie sich bewusst: viele berufliche Existenzen stehen auf dem Spiel! Vielleicht auch die Jobs einiger Ihrer Teammitglieder.
  • Kommunizieren Sie offen, verständlich und ehrlich.

Tipp 5: Ziehen Sie Bilanz!

Jede persönliche Krise ist eine Zäsur, ein Einschnitt im Leben. Nutzen Sie diese – sobald Sie etwas Abstand gewonnen haben –, um Ihre persönliche Bilanz zu ziehen:

  • Wie gut bin ich auf meinem Weg?
  • Wie motiviert und inspiriert bin ich in meinem Leben?
  • Wie stark ist meine Energie, wenn ich an meinen Beruf denke?
  • Was muss ich verändern, damit die Energie wieder so stark ist, damit ich andere Menschen (mein Team) inspirieren kann:
    • an mir,
    • meinem Umfeld und
    • meiner Arbeit?

Tipp 6: Gebe Sie nicht auf!

  • Aufgeben ist für Sie keine Option! Egal, wie hart der notwendige Neuanfang beruflich oder privat sein mag.
Autor: Franz Höllriegel