07.09.2021

Führung verleiht Flügel

Fossil? Gar kriminell? Oder ist die menschliche Energie in Ihrem Unternehmen einfach nur verbraucht? Egal? Sagen Sie das nicht! Produktive Energie macht den Unterschied. Als Führungskraft entfachen Sie Energie bei sich selbst und dem Team. Immer und immer wieder.

Führung verleiht Flügel

Was macht produktive Energie aus?

Eine ganze Menge:

  • Dynamik und Innovation
  • Inspiration und Identifikation
  • Performance und Wachstum
  • Sinn und Arbeitsfreude.

… und negative Energie?

Sie drückt auf die Stimmung, die Zusammenarbeit und die Gesundheit. Nachweislich einige der gravierendsten Auswirkungen können sein:

  • Innere Kündigung
  • Dienst nach Vorschrift
  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • geschwächtes Immunsystem.

Nur wenn Sie als Führungskraft selber voll positiver Tatkraft und Leidenschaft sind, können Sie andere mitnehmen. Deshalb:

  • Machen Sie sich Ihres eigenen Levels bewusst!
  • Steuern Sie konsequent Energieströme!
  • Öffnen Sie so die Tür zu einer ungeheuren Unternehmensenergie!

Wie erkennen Sie Ihr Level, steuern und mobilisieren Sie Energieströme?

Vier entscheidende Schlüssel helfen Ihnen dabei.

Schlüssel 1: Beginnen Sie Ihren Tag mit einer Reflexion!

Morgenstund‘ hat Gold im Mund. Die Energie des Morgens ist wertvoll. Vergeuden Sie sie nicht mit Stress und Grübeleien! Verschwenden Sie keine Gedanken an den Job, womöglich im Pendlerstau. Ein vollgepackter Tagesplan verdirbt Ihnen nur die Lust aufs Homeoffice schon beim Frühstück.

Gewöhnen Sie sich stattdessen ein festes Morgenritual an. Es kostet nur fünf Minuten, wirkt sich aber nachhaltig auf die Dynamik Ihres ganzen Tages aus. Denken Sie fünf Minuten über folgende feste Leitfragen nach; sie haben sich bewährt:

  • Was ist heute mein positiver Glaubenssatz? Ich bin …: Angenommen, ein nicht gerade angenehmer Vortrag steht an. Stimmen Sie sich kraftvoll beispielsweise mit einem Leitgedanken ein: „Ich bin … ein kompetenter Redner. Ich begeistere mein Publikum.“
  • Was kann ich heute ein bisschen besser machen als gestern?

Denken Sie an scheinbare Kleinigkeiten der Organisation, Zwischenmenschliches! Verbessern Sie Ihren  Energiehaushalt mit einer kleinen Tagesaufgabe, etwa so: „Ich werde in Ruhe einen Kaffee mit meinem Assistenten trinken. Seine Mutter ist schwer krank, und ich denke, er braucht ein offenes Ohr. Gestern kam ich nicht dazu, mich um ihn zu kümmern.“

  • Meine Priorität, meine wichtigste Aufgabe heute ist …:

Konzentrieren Sie sich auf entscheidende oder dringliche Stellschrauben! Lassen Sie sich nicht ablenken von den wichtigen Dingen: „Heute erreiche ich meine Budgetprognose für das nächste Quartal.“

Mit morgendlichen Einträgen zu diesen Leitfragen gewinnen Sie an Richtung und Klarheit. Am Abend schauen Sie befriedigt auf das Erreichte. Von der Energie, die das bei anderen entfacht, ganz zu schweigen.

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Schlüssel 2: Übertragen Sie Ihre Energie!

Verbringen Sie Zeit mit Ihrem Team! Denken Sie an ein gemeinsames Mittagessen in der Cafeteria oder virtuell am Bildschirm! Kleine Gesten der Zusammengehörigkeit eben, die im übertragenen Sinn den Draht schaffen, ohne den Ihre Energie nicht fließen kann.

Aller guten Dinge sind drei:

  • See-Gos: Gehen Sie durch die Produktion, seien Sie sichtbar!
  • Care-Calls: Führen Sie Videosessions mit Ihren Teams oder Führungskräften durch, rufen Sie sie an!
  • Sitting-arounds: Arbeiten Sie an einem freien Arbeitsplatz in wechselnden Abteilungen!

Mit diesem Kleeblatt schaffen Sie Verbindung, signalisieren Ihr Interesse, steigern Nahbarkeit. Das hilft Ihnen, wenn Sie Widerstände auflösen müssen. Wenn Sie nie zu sehen sind, öffnet sich Ihnen auch niemand.

Im nächsten Schritt nehmen Sie sich wieder am besten schriftlich vor:

  • In welchen Abteilungen oder Teams führen Sie im kommenden Monat See-Gos, Care-Calls und ein Sitting-around durch?
  • Wie genau können Sie das anschließend in Ihren Arbeitsplan einbauen?

Können Sie prüfen, wie sichtbar Sie sind?

Ja, das können Sie. Dazu genügt es nicht, wenn Sie nur darüber nachdenken! Lassen Sie Ihren Einsichten Änderungen folgen, indem Sie darüber hinaus die Antwort auf die folgenden Fragen aufzuschreiben: Wie sichtbar sind Sie neben Ihren Vorgesetzten und anderem Leitungspersonal für

  • Menschen, die Sie als Führungskraft führen?
  • Menschen, die direkten Kontakt mit Ihren Kunden haben?
  • Leute in der Produktion, die körperlich anstrengende Arbeiten haben?
  • Verkäufer, indem Sie sie zum Kundenbesuch begleiten?
  • Mitarbeiter an der Hotline, indem Sie einmal persönlich am Telefon eine Reklamation aufnehmen?

Schlüssel 3: Schluss mit Multitasking, hinein in eine „Fokus-Initiative“

Alles parallel erledigen und wenig zu Ende bringen – das führt zu Erschöpfung und Stress. Im Multitasking brauchen Sie rund 30 Prozent länger als bei gezielter Bearbeitung. Blocken Sie für die wichtigen Dinge Zeitfenster!

Überlegen Sie sich morgens die Reihenfolge Ihrer Arbeiten! Dann brauchen Sie sich abends nicht zu fragen, was Sie am Tag wirklich erledigt haben. Das tatsächlich Wichtige bringen Sie fertig, Überstunden und Stress nehmen ab:

  • Üben Sie strenges Zeitmanagement!
  • Schließen Sie Outlook!
  • Schalten Sie Telefonate und Messages stumm!
  • Hängen Sie einen „Bitte-nicht-stören-Zettel“ an Ihre Bürotür!

Sie werden sehen: ohne Ablenkung erreichen Sie in ein oder zwei Stunden Unglaubliches.

Und nicht nur Sie als Führungskraft. Ihre Priorität und Ihr zielgerichtetes Steuern überträgt sich auf Ihr Team. Gestehen Sie jedem Ihrer Mitarbeiter diese ungestörten Zeitfenster zu – auch vor Ihnen! Sie werden erfreut feststellen, wie sich Ihre Kollegen selbst in Großraumbüros in diesen Freiräumen unterstützen. Dank Ihrer Ziel-Initiative mit wirklichem Spitzenvorzug je Tag beruhigen sich die Nerven. Ihre Mitarbeiter und Sie denken klarer, Ihre Aufmerksamkeit für andere steigt.

Aber: aller Anfang ist schwer. Unterschätzen Sie nicht die dornige Lernphase. Mal schnell Mails oder Handy prüfen, ist ein hartnäckiger Störfaktor. Singletasking erfordert eine schmerzhafte Medienentgiftung. Üben Sie es immer wieder! Klüger arbeiten, nicht härter, ist die Devise.

Schlüssel 4: Psychologische Sicherheit vermitteln

Seine eigene Meinung äußern, eigene Entscheidungen fällen – oh Gott, lieber nicht, jemand könnte das ja verurteilen! Restriktive Gruppennormen und ungeschriebene Regeln bremsen und befördern solche Befürchtungen, etwa aus der Reihe zu tanzen oder informelle Rangordnungen nicht zu beachten. Sorgen Sie deshalb für psychologische Sicherheit und damit für mehr konstruktive Offenheit.

  • Räumen Sie jedem gleich viel Redezeit ein! Niemand sollte eine Versammlung beherrschen. Hören Sie einander zu! Das hat einen hohen Stellenwert. Lassen Sie sich nicht ablenken: keine Notebooks, keine Anrufe, keine SMS oder abschweifende Gedanken.
  • Zeigen Sie soziales Denken und Mitfühlen! Stimmlage und Körpersprache zeigen, wie man sich fühlt.
  • Scheuen Sie als Führungskraft sich nicht, auch Fehlbarkeit zuzugeben! Niemand ist perfekt, auch Sie als Führungskraft nicht, egal wie viel man Ihnen bezahlt. Sie können nicht alles wissen – und müssen es auch nicht. Werden Sie von Tag zu Tag besser! Das ist der wahre Energieturbo!

Jetzt wissen Sie also, dass und wie Sie als Führungskraft Ihre Arbeit und die Ihrer Mitarbeiter gesund gestalten können. Das sollten Sie beherzigen; denn: tun Sie es nicht, motivieren Sie nicht so, wie Sie es könnten, kann das Sie und Ihre Mitarbeiter im Gegenteil sogar krank machen. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie unseren Beitrag „Mangelnde Motivation macht krank“.

Besonders Ihre Fähigkeiten als Führungskraft zu Motivation und zielgerichtetem Arbeit verlangt die Digitalisierung. Mit Problemlösung auf Knopfdruck ist es in der Unternehmenswelt 4.0 nicht getan. Die digitalisierte Arbeitswelt verlangt Ihnen mehr ab. Was, lesen Sie in den Beiträgen „Digitalisierung verändert Führungskultur in Unternehmenswelt 4.0“ und „Herausforderung: Führung 4.0“.

Und noch etwas: Sie werden in diesem Beitrag festgestellt haben, dass wir den Anglizismus „Management“ vermieden haben. Er ist zu einem Allgemeinplatz geworden, unter dem sich kaum jemand noch etwas konkret vorzustellen vermag. Wechseln Sie mit uns den Stil und verschaffen Sie sich Klarheit über den Unterschied zwischen oberflächlichem Management und wirklichem Leadership durch Lektüre des Beitrages „Stilwechsel: Vom Management zum Leadership“. Viel Spaß dabei!

Autor: Franz Höllriegel