10.02.2016

Führung auf den Hund gekommen

Hundetrainer coacht Führungskräfte. Schon Lenin wusste: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ein Hundetrainer überträgt nun Schlüsse aus dem Umgang mit Hunden auf die Führung von Menschen. Dabei kommt er zu anderer Erkenntnis als Lenin: Kontrolle ist gut, Wahlmöglichkeiten sind besser. Auf die Augenhöhe kommt es an.

Prinzip von Befehl und Gehorsam

Hamburg. 10. Februar 2016 Führung baut auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam auf. Beim Militär wenigstens. Und im Umgang mit Hunden. Doch selbst da hat ein Wandel eingesetzt. Jedenfalls nach Auffassung des Hundetrainers Ulv Philipper. In einem Interview mit dem „manager magazin“ verrät er, worin sich die Führung von Hunden und Menschen gleicht – und wo nicht.

Auf Augenhöhe mit Mitarbeitern – und Hunden

Philipper: „Von einem Hund wird immer noch erwartet, dass er auf Anhieb gehorcht, wo man bei Menschen längst begriffen hat, dass man mit Kommandos nicht weit kommt.“ Eine gute Führungsperson muss sich seiner Ansicht nach auf Augenhöhe begeben – „mit Mitarbeitern oder dem Hund, ganz egal, nur dann kann er die Bedürfnisse seines Gegenübers verstehen“.

Von Dackeln und Schäferhunden, Führungskräften und Angestellten

Philipper begann vor 26 Jahren als Hundetrainer, heute coacht er vom westfälischen Lippetal aus beides: Besitzer von Dackeln und Schäferhunden, aber auch Führungskräfte und Angestellte. Der Autor des Buches „Dog Management – überraschend einfach führen“ hält es für den größten Fehler im Umgang mit Hunden und Menschen, wenn Führung auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam aufbaut.

Hunde mit Menschen vergleichen

Dabei stört sich Philipper nicht daran, Hunde mit Menschen zu vergleichen. Philipper: „Aber vergleichen heißt doch nicht gleichmachen.“ Hunde und Menschen hätten viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede: Beide sind Säugetiere, beide seien gewohnheits- und freiheitsliebend, und „beide haben überhaupt keine Lust, fremdbestimmt zu werden“, findet Philipper.

Können Millionen Menschen doch irren?

Diese Sicht lässt sich Philipper auch nicht von den vielen Menschen eintrüben, die kein Problem damit haben, wenn der Chef sagt, was sie machen sollen. Philipper. „Genau das ist ja das Problem.“ Immer noch gingen Tausende von Führungskräften von Arbeitnehmern aus, die gern kontrolliert werden. In Wirklichkeit wollten diese aber gar nicht bevormundet werden. Das Bedürfnis nach Struktur würde hier mit dem Wunsch nach Kontrolle verwechselt.

Kontrolle ist gut, Wahlmöglichkeit ist besser

Kontrolle aber schränke die Wahlmöglichkeit ein. Philipper. „Das führt zwangsläufig zum Widerspruch.“ Wird etwas befohlen, sage der andere: „Mache ich aus Prinzip nicht.“ Oder etwas wird verboten. Dann führe es zur Trotzreaktion: „Jetzt erst recht.“ Der Arbeitnehmer, der sich begrenzt fühlt, werde – wie ein Hund übrigens auch – eine Möglichkeit suchen, die Kontrolle zu umlaufen – und sie finden.

Jahrelange gute Führung

Für Philipper gibt gute Führung keine Kommandos. Sie stellt stattdessen Optionen zur Auswahl. Der Chef wisse, welche die beste ist, lasse sie den Mitarbeiter aber selbst erkennen und gebe ihm so das Gefühl, selbst entschieden zu haben. Philipper: „Wer jahrelang gut geführt hat, muss keine Optionen mehr zur Verfügung stellen. Ihm vertrauen die Mitarbeiter.“

Aufgabe zum Wohl des Mitarbeiters

Der Chef formuliere eine Aufgabe zum Wohl des Mitarbeiters so, dass der sie annehmen kann. Belohnen müsse er nur, wenn er ihm vorher etwas aufgezwungen habe. Gute Führung schaffe es, dass Mitarbeiter ihre Aufgaben freiwillig in Angriff nehmen, weil sie verinnerlicht haben, dass es keine niedrigen Aufgaben gibt. Philipper: „Je mehr ein Chef belohnt, desto schwächer ist seine Führung.“

Autor: Franz Höllriegel