24.11.2017

Führende Industriestaaten wollen aus Kohleenergie aussteigen

Gemischtes Echo auf Bonner Klimakonferenz: Schon bis 2030 will die Bundesregierung den Energieverbrauch drastisch senken. Zu einem Verzicht auf Kohleenergie kann sie sich aber nicht durchringen. Genauso zwiespältig ist das Echo auf die Klimakonferenz die letzten beiden Wochen in Bonn. Oben auf der Agenda: Energieeffizienz.

Energie Gewinnung - verschiedene Wege

Ambitionierte Ziele im Klimaschutz

Deutschland hat sich im Klimaschutz ambitionierte Ziele gesetzt. Wie die Bundesregierung auf der letzte Woche in Bonn zu Ende gegangenen Klimakonferenz „COP 23“ erklärte, sei man entschlossen, dem Klimawandel mit ehrgeiziger Klimaschutzpolitik zu begegnen. Die Regierung verweist insbesondere auf ihren Ende 2016 beschlossenen Klimaschutzplan 2050. Auf der Klimakonferenz äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Klimawandel. Für sie sei der Kampf gegen den Klimawandel „die zentrale Herausforderung der Menschheit“, es handele sich um eine „Schicksalsfrage“.

Gemischte Bilanz des Weltklimagipfels

Der Vizedirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, hat eine gemischte Bilanz des Weltklimagipfels in Bonn gezogen. Er sagte im „Deutschlandfunk“, diplomatisch sei es eine erfolgreiche Konferenz gewesen, weil man sich auf die wichtigsten Ausführungsbestimmungen des Pariser Klimaabkommens geeinigt habe. Wenn man den Gipfel allerdings an den globalen Herausforderungen messe, zeige sich, dass der Prozess der Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu langsam verlaufe.

Bedeutung des Kohleausstiegs

Der Klimaforscher betonte zudem die Bedeutung des Kohleausstiegs. Es sei eine falsche Wahrnehmung, dass dadurch Innovationen verhindert würden. Vielmehr könne hier ein effizientes Vorgehen der Wirtschaft sogar nützen. Am Donnerstag voriger Woche haben sich Großbritannien, Kanada und rund 20 weitere Staaten zu einer Allianz für den Kohleausstieg zusammengeschlossen. In einer Erklärung sagen sie zu, alle herkömmlichen Kohlekraftwerke schrittweise vom Netz zu nehmen. Deutschland gehört dem Bündnis nicht an. Es hat sich dafür den Ausstieg aus der Kernenergie zum Ziel gesetzt. China, Frankreich, Italien und 16 weitere Länder, überwiegend Nutzer von Kernenergie, kündigten an, verstärkt Biomasse zur Energiegewinnung zu nutzen, also etwa Holzpellets oder Abfälle aus der Zuckerherstellung.

Senkung des Energieverbrauches

Für Deutschland kommt es mithin vor allem auch auf eine Senkung des Energieverbrauches an. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist der Endenergieverbrauch (EEV) in Deutschland seit Beginn der 1990er Jahre kaum gesunken. Es wird demnach zwar immer mehr Energie effizienter genutzt und teilweise eingespart. Doch Wirtschaftswachstum und Konsumsteigerungen verhinderten einen deutlicheren Verbrauchsrückgang, d.h. der Energieproduktivität.

Energieproduktivität

Die Energieproduktivität ist ein Maß dafür, wie viel Geldeinheiten wirtschaftlicher Leistung im Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einheit eingesetzter Energie erzeugt werden. Sie bezieht sich entweder auf den Primärenergieverbrauch (PEV) oder den Endenergieverbrauch (EEV).

Für die Bewertung der Effizienzsteigerung ist der Bezug auf den Endenergieverbrauch geeigneter. Der Indikator ist dadurch um den Effekt des eingesetzten Energieträgermixes mit unterschiedlichen Kraftwerkstypen und Wirkungsgraden bereinigt.

Eine steigende Energieproduktivität kann zu einem geringeren Energieverbrauch und sinkendem Treibhausgas-Ausstoß beitragen.

Einfluss der Witterung

Im kurzfristigen Zeitraum eines Jahres betrachtet hat die Witterung, die sich auf den Bedarf an Wärmeenergie auswirkt, großen Einfluss auf die Verbrauchsentwicklung. Ein immer größerer Anteil des Endenergieverbrauchs wird nach Angaben des Amtes in Deutschland durch erneuerbare Energien gedeckt. Ziel der Bundesregierung sei es, den Anteil bis zum Jahr 2020 auf 18 Prozent und bis zum Jahr 2030 auf 30 Prozent zu steigern.

Energieverbrauch der Industrie

Im Sektor Industrie ging dem Amt zufolge der Endenergieverbrauch (EEV) im Betrachtungszeitraum ab dem Jahr 1990 merklich zurück. Dies führen die Wissenschaftler hauptsächlich auf den Schwund der Industrie in den neuen Bundesländern zwischen 1990 und 1993 zurück. Aber auch die Verbrauchsentwicklung der letzten Jahre sei rückläufig. Die Industrie sei nicht mehr der verbrauchsintensivste Sektor. Etwa zwei Drittel des Endenergieverbrauchs werden für Prozesswärme benötigt. Mechanische Energie etwa zum Betrieb von Motoren oder Maschinen sorgt für circa ein Viertel des Verbrauchs. Raumwärme hat nur einen kleinen Anteil.

Mineralöl, Biokraftstoffe und Strom

Im Verkehrssektor ist der Kraftstoffverbrauch in den letzten 25 Jahren leicht gestiegen. Es werden zu über 90 Prozent Kraftstoffe aus Mineralöl eingesetzt, Biokraftstoffe und Strom spielen bislang nur eine geringfügige Rolle. Fast die gesamte im Verkehr eingesetzte Energie wird zur Erzeugung von mechanischer Energie verwendet, wovon bei Verbrennungsmotoren durchschnittlich jedoch nur weniger als die Hälfte für den Antrieb umgewandelt wird. Ein großer Anteil geht als Abwärme verloren. Der Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) ist ebenfalls vom Heizverhalten abhängig. Raumwärme macht hier immerhin die Hälfte des Endenergieverbrauchs aus. Gleichzeitig ist hier der Stromanteil relativ am höchsten, was auf den verstärkten Einsatz für Beleuchtung und mechanische Energie zurückzuführen ist. Seit 1990 ist der EEV in diesem Sektor allerdings zurückgegangen.

Energieverbrauch von Elektrogeräten

Damit Verbraucher zukünftig den Energieverbrauch von Elektrogeräten leichter einschätzen können, gelten spätestens ab 2020 neue Energielabels. Wie „Meisterbrief AKTUELL“ (15/2017) berichtet, hat das EU-Parlament eine entsprechende Neuregelung gebilligt. Warum es diese gibt, was sich durch sie für Unternehmen und Betriebe ändert, hat der Wirtschaftsbrief für das Deutsche Handwerk in dem Bericht umfassend aufbereitet.

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Autor: Franz Höllriegel