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19.10.2016

Frauenquote auch durch Gesetz kaum verbessert

Dax-Unternehmen zögerlich bei Einsatz von Frauen in Führungsgremien

Vor rund einem Jahr begann die Frist zur Frauenquote. Rund 3500 deutsche Unternehmen mussten seither laut Gesetz erstmals Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils in ihren Führungsebenen festlegen. Die Frist läuft noch bis Ende Juni 2017. Doch bislang tut sich hier kaum etwas. Eine Zwischenbilanz.

Frauenquote© motorradcbr /​ fotolia.de

Zielgröße Null

Unternehmensführung /  Management.  Mehr als drei Viertel der untersuchten Börsenunternehmen haben derzeit keine einzige Frau im Vorstand. 110 von 160 im Dax, MDax, SDax und TecDax börsennotierte Unternehmen haben in ihrer Planung für die Erhöhung des Frauenanteils entweder gar kein konkretes Ziel gesetzt oder die „Zielgröße Null“ gewählt.

Frauenquote in deutschen Unternehmen

Sie werden bis zum 30. Juni 2017 genau null Frauen im Vorstand haben. Sie haben keine Frauen und sie wollen laut Geschäftsbericht auch keine Frauen im Vorstand. Zu diesem Ergebnis gelangt ein Zwischenbericht der AllBright-Stiftung in Berlin zur Entwicklung der Frauenquote in deutschen Unternehmen.

Internationaler Vergleich

Aus dieser im internationalen Vergleich abweichenden Haltung schließen die Forscher: Der überwiegende Teil der deutschen Firmen hat die unternehmerischen Vorteile gemischter Führungsteams noch nicht erkannt.

Niedrige Zielgrößen

„Wir haben diese erschreckend niedrigen Zielgrößen nicht erwartet“, zitiert das „Handelsblatt“ AllBright-Geschäftsführerin Wiebke Ankersen. Dem Bericht zufolge begründeten viele Unternehmen ihre Abstinenz mit Verträgen, die über die gesetzlich festgelegte Frist bis Juni 2017 hinausgingen. Die zweithäufigste Erklärung war demnach, Kompetenz sei den Unternehmen wichtiger als ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis.

Neubesetzungen in Aufsichtsräten

Das Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen trat im Mai 2015 in Kraft. Seit 2016 gilt für Neubesetzungen in Aufsichtsräten von rund 150 großen Unternehmen eine Quote von 30 Prozent. Zudem mussten rund 3500 deutsche Unternehmen bis zum 30. September 2015 konkrete Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in ihrer obersten Führungsebene bis Ende Juni 2017 festlegen.

Eine einzige Frau Vorstandsvorsitzende – Co-Vorstandsvorsitzende

Am 1. September 2016 waren dem AllBright-Bericht zufolge die Vorstände der 160 Börsenunternehmen mit 631 Männern und 44 Frauen besetzt. Das ist ein Frauenanteil von 6,5 Prozent. Eine einzige Frau hat es auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden geschafft: Anke Schäferkordt bei RTL. Doch selbst sie teilt sich den Posten als Co-CEO mit einem Mann.

TecDax Schlusslicht

21 der insgesamt 44 Vorstandsfrauen arbeiten in Dax30-Unternehmen. Im MDax gibt es acht Vorstandsfrauen, im S-DAX zwölf. Der TecDax bildet das Schlusslicht – mit nur drei Frauen in den Vorständen.

Bewegung in Aufsichtsräten

Etwas anders das Bild in den Aufsichtsräten der untersuchten Börsenunternehmen. Seit Januar 2016 gilt eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent. Deswegen hat sich hier im vergangenen Jahr einiges getan: am 1. September 2016 saßen dort 1265 Männer und 436 Frauen – ein Frauenanteil von 25,6 Prozent. Zurzeit erfüllen zehn Firmen die international vorherrschende Quote von 40 Prozent.

 

Autor: Franz Höllriegel 

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