24.07.2017

Frauen an die Macht, ein „Ritt auf der Schnecke“!

DIW stellt „Führungskräfte-Monitor 2017“ vor. Frauen an die Macht. Seit Mai 2015 gilt das Gesetz für gleiche Teilhabe von Frauen an Führungspositionen. Es sollte deren Anteil daran endlich erhöhen. Doch zwei Jahre später ist das Ergebnis eher ernüchternd – auch wenn Befürworter des Gesetzes nach wie vor von Erfolg sprechen.

Schnecke

Frauen in Führungspositionen

Der Anteil von Frauen unter den angestellten Führungskräften in Privatunternehmen ist in den Jahren 1995 bis 2015 um rund zehn Prozentpunkte auf etwa 30 Prozent gestiegen. Das geht aus dem neuen „Führungskräfte-Monitor 2017“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. Er deckt erstmals einen Zeitraum von 20 Jahren ab und zeigt auch langfristige Entwicklungen auf.

Führungspositionen in weitem Sinne

Der Führungskräfte-Monitor betrachtet dabei Führungspositionen in einem weiten Sinne und erstreckt sich auf:

  • Vorstände,
  • Aufsichtsräte,
  • niedrigere Führungsebenen
  • allgemein Angestellte mit hochqualifizierten Aufgaben.

FüPoG seit 2015

Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen endlich signifikant zur erhöhen, trat am 1. Mai 2015 das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG) in Kraft. Zuvor war der Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Unternehmen trotz Apellen und freiwilliger Selbstverpflichtung jahrelang stagniert.

Die Quote wirkt

Zwei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zeigt sich: die Quote wirkt. Jedenfalls nach Feststellung des Bundesfrauenministeriums noch Anfang Mai. Alle Unternehmen, die unter die Regelung der festen Quote fallen und 2016 neue Aufsichtsratsposten besetzen mussten, haben sich demnach an die feste Quote gehalten. Sofern nicht schon ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht war, seien frei werdende Aufsichtsratsposten durchgehend mit einer Frau nachbesetzt worden.

Ziel gleicher Teilhabe in weiter Ferne

„Es geht voran, was den Anteil von Frauen in Führungspositionen betrifft“, resümiert auch Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies. Allerdings liegt für sie das Ziel, genauso viele Frauen wie Männer in Führungspositionen zu haben, noch immer in weiter Ferne. Der Frauenanteil nehme nur noch langsam zu und gleiche zuletzt eher wieder einem „Ritt auf einer Schnecke“. Holst: „Und das, obwohl Frauen schon seit vielen Jahren die Männer bei den Qualifikationen eingeholt und teilweise sogar überholt haben.“

Kulturelle Rahmenbedingungen

Holst vermutet als Ursache für die Entwicklung kulturelle Rahmenbedingungen. Während der Frauenanteil in Führungspositionen in Ostdeutschland bei 44 Prozent liege, sei er in Westdeutschland mit 27 Prozent deutlich geringer und seit 1995 auch erheblich langsamer gestiegen. Um die Gleichstellung zu fördern, sieht Studienautorin Holst neben Politik die Unternehmen in der Pflicht. Sie müssten die Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen als zentrales Unternehmensziel definieren und einen verbindlichen Zeitplan festlegen.

Transparenz bei Gehältern

Wichtig sei die Transparenz bei der Besetzung von leitenden Positionen und bei den Gehältern. Flexible Arbeitszeiten und Zeit-Souveränität seien wichtige Optionen, um die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen in Führungspositionen voranzutreiben. „Unterstützt durch eine Politik aus einem Guss sowie eine stärkere partnerschaftliche Aufgabenteilung in der Familie können vorhandene positive Ansätze mehr Fahrt aufnehmen“, so Holst.

 

Hinweis der Redaktion

Auswahl schon im Trainee-Programm

Bei Unternehmen setzt die Suche nach geeignetem Führungspotential bereits beim Nachwuchs an. Spezielle Trainee-Programme gelten hierfür als ein geeignetes Mittel. „Personaltipp AKTUELL“ geht in der aktuellen Ausgabe (09/2017 Juli) auf solche Programme ein und zeigt, worauf insbesondere bei der Vertragsgestaltung und der Vergütung zu achten ist. In wieweit man hier auf geschlechtliche Präferenzen achten können wird, bleibt abzuwarten.

Autor: Franz Höllriegel