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08.10.2015

Flexible Frauenquote auch für GmbH

Praxisleitfaden vom Bundesfrauenministerium erschienen.

Seit Mai 2015 gilt die Frauenquote. Nur für die Großen, unser Unternehmen ist nicht betroffen. Das dachte zumindest so mancher Unternehmens-Chef. Doch stimmt das in dieser Allgemeinheit? Jetzt hat dazu das Bundesfrauenministerium einen Leitfaden herausgegeben. Mit einigen Überraschungen etwa für GmbH.

felxible Frauenqoute© eyetronic /​ fotolia.com

Seit Mai Gesetz zur Frauenquote in Führungspositionen

Kissing. 7. Oktober 2015 – Am 1. Mai 2015 ist das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ in Kraft getreten. Damit stellte sich zunächst einmal eine Fülle von Fragen wie:

  • Welche Unternehmen sind betroffen?
  • Welche Zielgrößen gelten?
  • Was, wenn in unserem Unternehmen bereits Frauen in Führungsposition beschäftigt sind?
  • Nach welchen Maßstäben wird der Frauenanteil gemessen?

Leitfaden für 3.500 Unternehmen

Den Informationsbedarf wollen Bundesfrauen- und Justizministerium jetzt mit einem Praxisleitfaden decken. Er richtet sich an 3.500 Unternehmen. Sie alle müssen sich Gedanken über die Frauenquote machen.

Verpflichtende Quote für Top 100

Eine verpflichtende Quote gibt es nur für die Aufsichtsräte von rund 100 Großunternehmen. Alle anderen müssen zumindest Zielgrößen zum Frauenanteil in verschiedenen Führungsebenen entwickeln. Die Praxisbroschüre soll Unternehmen dabei unterstützen, die Zielgrößen festzulegen und sie dann konsequent umzusetzen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD): „Wie ein Unternehmen Frauen besser fördert, hat es selbst in der Hand.“

Gleiche Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen und Männer

Unternehmen, die Frauen wie Männern die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen wollen, müssen strukturelle Rahmenbedingungen verändern. Zugleich wird ein organisatorischer und kultureller Wandel unvermeidbar.

Fixe Geschlechterquote

Eine fixe Geschlechterquote ist dem Leitfaden zufolge kumulativ nur bei Aktiengesellschaften (AG) und Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA) sowie bestimmten Europäischen Gesellschaften (Societas Europaea – SE) vorgeschrieben.

Pflicht für andere Unternehmen

Doch auch andere, mitbestimmungspflichtige oder börsennotierte Unternehmen werden nicht aus der Pflicht zur Förderung des Anteils weiblicher Führungskräfte entlassen. Hier können auch GmbH, eG oder VVaG betroffen sein. Sie müssen Zielgrößen zum Frauenanteil und Fristen zu deren Erreichung in Aufsichtsrat, Vorstand und den beiden Führungsebenen unterhalb des Vorstands festlegen.

GmbH-Geschäftsführer müssen Anteil festlegen

Bei GmbH und KGaA muss die Geschäftsführung Zielgrößen zum Frauenanteil für die beiden Führungsebenen darunter festzulegen. Bei der drittelmitbestimmten GmbH werden die Zielgrößen für die Geschäftsführung von der Gesellschafterversammlung festgelegt – es sei denn, die Gesellschafterversammlung hat die Aufgabe auf den Aufsichtsrat übertragen.

Verschlechterungsverbot bei 30 Prozent

Eine Mindestzielgröße sei grundsätzlich nicht vorgesehen. Allerdings gilt die Vorgabe des sogenannten Verschlechterungsverbots: Liegt der Frauenanteil unter 30 Prozent, dürfen die Zielgrößen den jeweils erreichten Anteil nicht mehr unterschreiten.

 

Autor: Franz Höllriegel 

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