Fachbeitrag | Management
07.12.2015

Firmenchefs sind digital zu sorglos

Mangelndes Sicherheitsbewusstsein bei Vorständen und Geschäftsführern.

NSA, Bespitzelung von Freunden und dann noch der Wirtschaft – „geht gar nicht“, befand einst die Bundeskanzlerin. Geht doch, lässt eine jetzt veröffentlichte Studie befürchten. Grund: Deutschlands Unternehmensführer sind zu sorglos, was die Cybersicherheit ihrer Unternehmen angeht.

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Opfer von Cyberangriffen

Hamburg. 7. Dezember 2015 – Knapp drei Viertel aller deutschen Unternehmen wurden laut Angaben des IT-Verbandes Bitkom in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Cyberangriffen. Das müsste doch eigentlich reichen, um ein hinreichendes Problembewusstsein zu schaffen, sollte man meinen.

Digitale Sorglosigkeit in deutschen Unternehmen

Doch weit gefehlt, wie die Studie „Potenzialanalyse Digital Security“ von Marktforscher Sopra Steria Consulting jetzt belegt. Danach herrscht in deutschen Unternehmen immer noch „digitale Sorglosigkeit“ vor.

Mangelnde Initiative in puncto digitale Sicherheit

Befragt wurden 110 IT-Entscheider aus Unternehmen ab 500 Mitarbeitern der Branchen Finanzdienstleister, Energieversorger, Automotive, sonstiges Verarbeitendes Gewerbe, Telekommunikation und Medien sowie Öffentliche Verwaltung. Ergebnis:

  • 85 Prozent der IT-Leiter deutscher Unternehmen bescheinigen ihren Vorständen und Geschäftsführern eine mangelnde Initiative in puncto digitale Sicherheit. Sie stuften die Gefahr von Cyberangriffen offensichtlich einfach als zu gering ein.

Millionenfache Identitätsdiebstähle

Dabei erscheint ein gerüttelt Maß an Vorsicht durchaus nicht unangebracht. Aktuelle IT-Sicherheitsvorfälle führten, so die Marktforscher, zu millionenfachen Identitätsdiebstählen. Sie zeigten: Cyberangriffe auf IT-Infrastrukturen werden immer komplexer und professioneller.

Kein Mangel an Sicherheitsmaßnahmen

Dabei herrsche in deutschen Unternehmen an Sicherheitsmaßnahmen kein Mangel – auch das zeigt die Untersuchung. Und trotzdem:

  • Mehr als ein Viertel der IT-Führungskräfte bemängelt bei ihren Geschäftsleitern zu hohe Risikobereitschaft im Hinblick auf Cyberangriffe.
  • Dabei hielten sich deutsche Unternehmen aus Sicht von jedem Fünften IT-Entscheider für wenig attraktiv für Cyberangriffe.

Bedrohungslage durch Cyberangriffe

„Angesichts der heutigen Bedrohungslage ist eine mangelnde Absicherung eines Unternehmens gegen Cyberangriffe ausgesprochen risikoreich. Firmenleiter müssen sich bewusst sein, dass jeder Angriff letztlich den Fortbestand des eigenen Unternehmens gefährden kann“, so Gerald Spiegel, Leiter Information Security Solutions bei Sopra Steria Consulting.

Social Media im Blick

Ein positives Beispiel stelle die Absicherung von Social-Media-Aktivitäten dar. Hier seien viele Unternehmen bereits auf einem guten Weg. 80 Prozent der befragten Unternehmen nutzen Social Media oder Plattformen zur Kommunikation und Interaktion mit Kunden. Neun von zehn Firmen hätten bereits Maßnahmen zur Absicherung dieser Kanäle implementiert.

Zum Einsatz kämen dabei

  • gleichermaßen Schulungen und Awareness-Kampagnen für die Mitarbeiter (72 Prozent)
  • wie die Umsetzung technischer Maßnahmen zur Data Leakage Prevention (69 Prozent).
  • Gut 60 Prozent der Unternehmen regeln die Nutzung der Kommunikationskanäle zudem innerbetrieblich über eine Social Media Policy.
  • Vor allem Finanzdienstleister seien in der Absicherung von Social Media Vorreiter: Lediglich fünf Prozent hätten bislang keinerlei Maßnahmen ergriffen.

Sicherheitsfalle mobile Endgeräte

Die Situation im Umfeld mobiler Endgeräte stellt sich indes komplexer dar. Die Gefahren aus Unachtsamkeit im Umgang mit diesen Geräten scheinen Unternehmen generell bekannt zu sein. 90 Prozent führen laut Umfrage IT-Sicherheitsmaßnahmen für mobile Systeme durch.

Mischung von privaten und geschäftlichen Endgeräten

Problematisch gestalte sich die Mischung von privaten und geschäftlichen Endgeräten im Unternehmensalltag. Sie ist in 66 Prozent der befragten Firmen möglich. Bei der geschäftlichen Nutzung von Privatgeräten ohne Sicherheitsmaßnahmen könnten Daten ungewollt abfließen – und diese Gefahr fährt latent immer mit.

Autor: Franz Höllriegel

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