03.04.2018

Finanzamt hilft beim Sparen für die Vorsorge

Rente, Krankheit, Pflege – wenn man nicht selber für alles vorsorgt, macht es sonst niemand. Doch der Staat hilft wenigstens etwas beim Sparen der Steuern. Und nicht nur bei diesen drei Posten. Wo der Staat bei Ausgaben der Lebensführung noch hilft, hat die Stiftung Warentest untersucht.

Sparschweine

Als Sonderausgaben abziehen

Spenden, Flüchtlingshilfe, Kirchensteuer, Unterhaltszahlungen an den/die Ex – die Palette der Sonderausgaben ist breit. Steuerzahler können diese und noch mehr in der Jahresabrechnung als Sonderausgaben abziehen. Die Sitftung Warentest hat untersucht, welche Sonderausgaben das sind. Sonderausgaben sind demnach weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten. Sie passen in keine andere Schublade der Bürokratie. Es können private Kosten sein, die jeder haben kann, die sich aber kaum vermeiden lassen. Und: bei ihnen kann es um viel Geld gehen, sehr viel Geld.

Sonderausgabenpauschale gering

Selbst bei keinen oder nur geringen Vorsorge- oder anderen Sonderaufwendungen gewährt laut Stiftung Warentest das Finanzamt Alleinstehenden immer noch automatisch einen Pauschbetrag von 36 Euro pro Jahr, Paaren 72 Euro. Allein die gezahlte Kirchensteuer kann sich oft auf mehrere Hundert Euro summieren. Je nach Bundesland zieht der Chef dafür acht oder neun Prozent von der Lohnsteuer ab.

Glaubensunterschiede in der Ehe

Absetzen können Sie auch das besondere Kirchgeld. Es wird bei unterschiedlicher Glaubenszugehörigkeit und zusammenveranlagten Ehegatten erhoben, wenn der Hauptverdiener keiner Konfession angehört und der andere einer Kirche angehörige Ehegatte keine oder nur sehr niedrige Einkünfte hat. Es wird dann wie normale Kirchensteuer im Einkommensteuerbescheid festgesetzt. Steuervorteile bringen auch Unterhaltszahlungen an den geschiedenen oder getrenntlebenden Expartner. Ebenso Kosten für Abendabitur, Erststudium oder erste Berufsausbildung. Schließlich drücken Ausgaben für die Kinderbetreuung oder auch Schulgeld für eine Privatschule Ihre Steuerlast.

Jährliche Obergrenzen

Sonderausgaben etwa für ein Bachelorstudium akzeptiert das Finanzamt bis zu 6.000 Euro, Spenden höchstens zu einem Fünftel der gesamten Einkünfte und Unterhaltszahlungen an den Expartner erkennt das Finanzamt bis zu einer Höhe von 13.805 Euro an. Zudem wirken sich Sonderausgaben nur in dem Jahr aus, in dem sie angefallen sind. Wer also in einem Jahr nur geringe oder gar keine Einkünfte hatte, dem nützen hohe Sonderausgaben gar nichts.

Unterschied zwischen Sonderausgaben und Werbungskosten

Sonderausgaben unterscheiden sich steuerlich von Werbungskosten etwa für Arbeitswege oder Arbeitsmittel. Die dürfen in unbegrenzter Höhe abgesetzt werden. Zudem darf man Verluste aus einem Jahr mitnehmen. Sie senken dann die Steuerlast in späteren Jahren. Das ist zum Beispiel für Bachelorstudenten wichtig. Nach wie vor strittig ist laut Stiftung Warentest, ob das Erststudium eine rein private Sonderausgabe ist oder zu den Werbungskosten zählt. Studenten, die wenig oder keine Steuern zahlen, bringen Sonderausgaben aber nichts. Für sie wären daher Werbungskosten vorteilhafter. Wenn sie jährlich einen Verlust aufgrund von Werbungskosten feststellen lassen, zahlen sie Jahre später beim ersten Gehalt weniger Steuern.

Hier noch einige Beispiele abzugsfähiger Vorsorgeaufwendungen:

Gesetzliche Rente: Rentenbeiträge gehören in die Anlage Vorsorgeaufwand. Bis zu 23.362 Euro können Singles für 2017 angeben (Paare 46.724 Euro), abzüglich Arbeitgeberanteil.

Riester-Rente: Selbstgezahlte Beiträge für den Riester-Vertrag (maximal 2.100 Euro pro Jahr) kommen in die Anlage AV. Bis zu dieser Grenze erkennt das Finanzamt Eigenbeträge und Zulagen als Sonderausgaben an.

Rürup-Rente: Altersvorsorge mit Rürup bei eigener Rente begünstigt. Ausnahme: Ehe- oder Lebenspartner darf Empfänger sein, Kinder nicht. Anlage Vorsorgeaufwand. 84 Prozent erkennt das Finanzamt für 2017 an.

Krankenversicherung: Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung aus der Lohnsteuerbescheinigung in Anlage Vorsorgeaufwand.

Versicherungen: Beiträge für Risikolebensversicherung oder Arbeitslosenversicherung Anlage Vorsorgeaufwand, hälftig Beiträge zur privaten Unfallversicherung oder Kfz-Haftplicht. Sachversicherungen wie Hausrat- oder Kfz-Kaskoversicherung zählen nicht.

Kirchensteuer: Kirchensteuer in unbegrenzter Höhe als Sonderausgabe in das Hauptformular. Mitgliedsbeiträge für Religionsgemeinschaften gelten bis zur Höhe der Kirchensteuer (je nach Bundesland acht oder neun Prozent).

Flüchtlingshilfe: Bis Ende 2018 Steuerabzug in unbegrenzter Höhe gegen vereinfachten Nachweis.

Weitere Beispiele bei Stiftung Warentest https://www.test.de/Steuererklaerung-Sonderausgaben-absetzen-5217731-0/

Ausländische Sozialversicherungen

Anders als bei der inländischen gesetzlichen Sozialversicherung gibt es einige ausländische Sozialversicherungen, in denen bezogen auf die Beitragsleistung nicht nach verschiedenen Zweigen unterschieden und ein einheitlicher Globalbeitrag erhoben wird. Wie „Lohn- & Gehaltsprofi AKTUELL“ in seiner Ausgabe 04-2018 berichtet, erfolgt die Aufteilung in jedem Jahr nach einem anderen Schlüssel. Welche Vorsorgeaufwendungen das Finanzamt in diesem Jahr berücksichtigt, hat das Bundesfinanzministerium im Oktober vergangenen Jahres festgelegt. Der Newsletter für betriebsprüfungssichere Abrechnung bringt eine Übersicht der Aufteilung der Vorsorgeaufwendungen je nach Land zusammen mit einem Berechnungsbeispiel.

 

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Autor: Franz Höllriegel