13.12.2017

Fachkräftemangel von Experten unterschiedlich beurteilt

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht mindestens ein Unternehmer beklagt, vergeblich nach Personal zu fahnden. Übertreibt die Wirtschaft ihr „Gejammer über Engpässe“, wie manche vermuten? Oder ist die Lage sogar noch ernster als gedacht? Ein aktueller Report bringt neue Zahlen.

Aktueller Bericht des IAB

Fachkräfte mit Hochschulabschluss

Nicht genügend qualifizierte Bewerbungen von Fachkräften – fast zwei Drittel der deutschen Unternehmen klagen darüber. Schwierig ist die Situation dabei vor allem bei berufserfahrenen Fachkräften mit Hochschulabschluss. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Recruiting-Reports 2017/2018 der Personalmarkt Experten der Berliner index Gruppe. Vor dem Hintergrund des verstärkten Wettbewerbs um mehr Bewerber sind die Recruiting-Budgets der deutschen Unternehmen gestiegen. Der Anteil mittlerer und größerer Budgets ist um vier bzw. fünf Prozentpunkte gewachsen.

2.000 Personalverantwortliche aus acht Ländern

Für die Studie wurden fast 2.000 Personalverantwortliche aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien, Dänemark, Frankreich und Schweden befragt zu:

  • Recruiting-Aktivitäten,
  • Budgets,
  • Maßnahmen der Mitarbeitergewinnung.

Der Bewerbermangel verschärft sich den Forschern zufolge mittlerweile auf allen Ebenen. So erhielten 60 Prozent der deutschen Unternehmen nicht genügend Bewerbungen für Positionen in der Unternehmensführung, sechs Prozent mehr als 2015. Auch an Berufseinsteigern wie Young Professionals und Hochschulabsolventen fehle es. 41 Prozent der befragten Firmen wollen auch aus dieser Zielgruppe nicht genügend passende Bewerbungen erhalten haben.

Anhaltende positive Wirtschaftslage

Im Vergleich zu 2008 befragten die Marktforscher das erste Mal Personaler zu ihren Recruiting-Aktivitäten. Die anhaltende positive Wirtschaftslage zusammen mit der demografischen Entwicklung haben die Situation auf dem Arbeitsmarkt grundlegend verändert. Heute sind es oftmals die Unternehmen, die sich um Talente und gestandene Professionals bemühen müssen – in vielen Fällen sind die Firmen gefordert, Kandidaten von ihren Qualitäten zu überzeugen und nicht mehr umgekehrt.

Gejammer über Engpässe?

Doch nicht alle stützen die Vermutung eines flächendeckenden Fachkräftemangels. Die „Wirtschaftswoche“ fragt: „Übertreibt die Wirtschaft ihr Gejammer über Engpässe? Ist der Fachkräftemangel in Wahrheit nur ein Mythos?“ In dem Bericht werden die Erfahrungen eines Ingenieurs mit Berufserfahrung geschildert. Er arbeitete früher für ein Jahressalär von 170.000 Euro. Die Stelle fiel einer Umstrukturierung zum Opfer. Er entschied sich, freiwillig auszuscheiden gegen eine Abfindung von 300.000 Euro. Er dachte, als Ingenieur mit Berufserfahrung und guten Referenzen fände er schnell wieder etwas neues. Was er bekam, waren nur Absagen. Er sei „überqualifiziert“, zu Deutsch: zu teuer. Zehn bis 15 Jahre Berufserfahrung, aber höchstens 70.000 Euro Jahresgehalt zahlen – das passe nicht zusammen, so der Ingenieur. Er fand keinen Zugang zum Arbeitsmarkt. Nicht trotz seiner Qualifikation. Sondern ihretwegen.

Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit

Auch nicht alle Wissenschaftler bestätigen die Bericht über einen flächendeckenden Fachkräftemangel. Das Wirtschaftsmagazin zitiert eine aktuelle Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA). Diese sieht lediglich Engpässe in einigen technischen Berufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen. Mit durchschnittlich 162 Tagen am längsten bleiben demnach Stellen in der Altenpflege unbesetzt, gefolgt von Jobs im Bereich Heizung, Sanitär, Klimatechnik und Klempnerei (150 Tage) sowie Softwareentwicklung und IT-Beratung (143 Tage).

Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wiederum kommt laut dem Bericht in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass die Firmen derzeit etwa die Hälfte aller Stellen in Engpassberufen ausschreiben und somit Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung vielerorts bereits die Regel und nicht die Ausnahme seien. Im Süden sei die Lage dabei angespannter als im Norden. Auch in Ostdeutschland spitze sich die Situation teils zu. Das Magazin zitiert Enzo Weber vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). In einigen ostdeutschen Boom-Regionen steige der Arbeitskräftebedarf bei gleichzeitig fehlendem Zuzug entsprechender Fachkräfte.

DIW: Geschrei der Unternehmen

Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): „Das Geschrei der Unternehmen ist viel heiße Luft.“ Natürlich gebe es in einigen Branchen Engpässe und in manchen Bereichen sogar einen Mangel, etwa in der Pflege, im Handwerk oder bei speziellen IT-Berufen. Arbeitgeber sollten neue Wege bei der Fachkräftesuche gehen, schlägt er vor, beispielsweise durch Hilfe bei der Eingliederung in neue Regionen.

Starkes Instrument der Mitarbeiterbindung

Einen interessanten Aspekt, wie Arbeitgeber ihre Mitarbeitersituation verbessern können, gibt Dipl.-Betriebswirt Joachim Welper, LL. M., Chefredakteur von GmbH-Brief AKTUELL“ (16/2017), zu überlegen. Nutzen Sie eine Betriebliche Krankenversicherung als gute Chance der Mitarbeitermotivation, die häufig übersehen wird. „Ein starkes Instrument der Mitarbeiterbindung“. Mehr dazu auf Seit 8 der neuen Ausgabe des Newsletters für Steuervorteile, Haftungsschutz und Finanzsicherheit.

 

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Autor: Franz Höllriegel