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30.10.2015

Fachkräftemangel: Flüchtlinge am Arbeitsmarkt kaum vermittelbar

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland bietet aktuell keinen wesentlichen Beitrag zur Lösung des Fachkräftemangels. 70 Prozent der Flüchtlinge brechen eine Lehre ab. Das ergaben neueste Marktforschungen. Das ifo-Institut fordert Kombi-Löhne anstelle des Mindestlohns.

© bumann /​ fotolia.com

Gedämpfte Erwartungen im Mittelstand: Nicht einmal jeder zehnte Flüchtling vermittelbar

München. 30. Oktober 2015 – Noch nicht einmal jeder zehnte Flüchtling sei direkt in Arbeit oder Ausbildung vermittelbar. Davon gehen einer Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) zufolge derzeit mehr als 78 Prozent aller befragten Inhaber und Geschäftsführer kleiner und mittlerer Betriebe aus.

Damit muss die Frage, ob der Zuzug von Flüchtlingen den deutschen Fachkräftemangel auf absehbare Zeit beheben kann, wohl mit „Nein“ beantwortet werden.

70 Prozent der Flüchtlinge brechen eine Lehre ab

Wie der Präsident des Münchener ifo-Instituts, Prof. Hans-Werner Sinn, auf dem „ifo-Branchendialog“ am 28. Oktober mitteilte, brechen nach Angaben der Bayerischen Handwerkskammer 70 Prozent der bisherigen Immigranten eine Lehre ab.

Zum Vergleich: von deutschen Azubis brechen rund 25 Prozent ihre Ausbildung ab. 22 Prozent der neuen Flüchtlinge aus Krisengebieten seien ohne Hauptschulabschluss.

Abkühlung des Arbeitsmarktes

Dabei besteht bei den Betrieben konkreter Bedarf nach Fachkräften. Mehr als 48 Prozent der Entscheider gaben bei der BVMW-Umfrage an, auf der Suche nach Mitarbeitern zu sein.

Damit nicht genug, steht auch die Beschäftigungsentwicklung in einem schlechten Licht da. Bis Ende 2017 erwarten mehr als 64 Prozent der Befragten eine deutliche Abkühlung des Arbeitsmarktes. Ihnen zufolge wird die Arbeitslosenquote steigen. Lediglich etwas mehr als drei Prozent erwarten ein weiteres Absinken der Quote.

„Mehr geht nicht“ oder „Wir schaffen das“?

Besonders groß sind die Befürchtungen der Unternehmen, wenn sich die Zahl der einreisenden Flüchtlinge z.B. durch Familiennachzug verdreifachen würde.

60 Prozent der Befragten stimmen der Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer „Mehr geht nicht“ zu, nur 35 Prozent schließen sich dem „Wir schaffen das“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel voll oder teilweise an.

Behindert Mindestlohn die Integration?

Einen wesentlichen Hinderungsgrund für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sieht das ifo-Institut im Mindestlohn. Das Institut bezieht sich dabei auf Zahlen aus türkischen Lagern und internationalen Test-Ergebnissen.

Mindestlohn in Heimatländern

Schon im Jahre 2013 hätten 22 Prozent der Migranten zwischen 25 und 55 Jahren aus nicht-westlichen Kulturkreisen von Stundenverdiensten in ihrer Heimat unter dem heutigen Mindestlohn berichtet, schreiben die ifo-Autoren Gabriel Felbermayr und Michele Battisti unter Berufung auf Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP).

Keine Ausnahmen vom Mindestlohn für Flüchtlinge

Jedoch warnt das Institut vor Ausnahmen beim Mindestlohn nur für Flüchtlinge. Dies sei „kontraproduktiv und nicht empfehlenswert“. Der Mindestlohn sollte stattdessen für alle Arbeitnehmer abgeschafft werden, raten die Wissenschaftler.

Verteilungspolitische Ziele würden besser mit einem Kombi-Lohn verfolgt als mit einem staatlichen Eingriff in die Lohnstrukturen. Eine Reform sei dringend geboten.

Niemand spielt Jemanden gegen jemand Anderen aus

Nicht nachvollziehbar sei die Argumentation, die Flüchtlinge würden gegen die Arbeitslosen ausgespielt. Beide träten lediglich in Konkurrenz zueinander. Sinn: „Das ist normales Marktgeschehen auf dem deutschen Arbeitsmarkt.“

Steigendes Angebot, stagnierender Preis?

Der Arbeitsmarkt funktioniere wie jeder andere Markt auch: Wenn ein zusätzliches Angebot auf den Markt kommt, sei es unverständlich, warum die Nachfrage auf diesem Markt dieses zusätzliche Angebot an Menschen aufnehmen solle, ohne dass der Preis dafür falle.

Sinn: „Warum sollen die Nachfrager, die Unternehmen, mehr Menschen nachfragen, wenn sie nicht billiger werden?“ Die Politik habe bislang noch keine Antwort auf diese Frage gegeben.

Autor: Franz Höllriegel
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