News | Steuern 25.01.2017

EU will Körperschaftssteuer einheitlich bemessen

Die EU will die 28 unterschiedlichen Systeme vereinheitlichen 28 unterschiedliche Körperschaftsteuersysteme gibt es in der EU – für jeden Mitgliedsstaat eines. Eine beträchtliche Erschwerung für grenzüberschreitend tätige Unternehmen bei der Erfüllung ihrer steuerlichen Pflichten. Die EU will jetzt für Erleichterung sorgen.

Steuererklärung bei grenzüberschreitenden Geschäften

Den Unternehmen die Steuererklärung bei grenzüberschreitenden Geschäften erleichtern – das ist das hehre Ziel der EU-Kommission. Sie plant hierfür die Gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer Bemessungsgrundlage (GKKB). Erste Pläne dazu stellte sie bereits vor zehn Jahren vor. Doch hatte noch 2011 der Ministerrat den Richtlinien-Vorschlag abgelehnt. Nun unternimmt die Kommission einen zweiten Anlauf.

Zweistufenplan

In einem Zweistufenplan entwickelt sie einen Gegenentwurf zu den bestehenden 28 unterschiedlichen Körperschaftsteuersystemen. Sie erschweren bislang grenzüberschreitend tätigen Unternehmen die Erfüllung ihrer steuerlichen Pflichten.

Erster Schritt

Im ersten Schritt will man ein einheitliches Regelwerk für die gemeinsame Körperschaftsteuer- Bemessungsgrundlage (GKB) innerhalb der EU schaffen. Verbindlich soll es für Unternehmensgruppen mit einem konsolidierten Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro sein. Für alle Wirtschaftsbeteiligten unterhalb dieser Schwelle und für rein nationale Aktivitäten ist die GKB optional.

Zweiter Schritt

In einem zweiten Schritt soll die Konsolidierung erfolgen. Dabei sollen unternehmerische Gewinne und Verluste in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten zu einem Nettoergebnis, dem GKKB, zusammengefasst werden können. Daraus folgende Steuerzahlungen will man nach einem bestimmten Schlüssel auf die Mitgliedstaaten, in denen das jeweilige Unternehmen aktiv ist, verteilen.

Mehr Zeit, weniger Normen

Von der Vereinheitlichung versprechen deren Väter einige Vorteile. Die steuerliche Gewinnermittlung würde einfacher. Anstatt der derzeit mehreren hundert wären nur noch rund 70 Normen zu beachten – eine zeitliche Entlastung für Unternehmen. Nach Kommissionsschätzungen könnte das einen Investitionsimpuls von rund dreieinhalb Prozent auslösen. Damit wären positive Wachstumseffekte verbunden. Die Beschäftigung könnte in der EU immerhin um einen halben Prozentpunkt steigen. Dank der Konsolidierung im zweiten Schritt bräuchten Unternehmen nur noch eine statt maximal 28 Steuererklärungen abzugeben.

Steuerliche Forschungsförderung

Unternehmen in Deutschland könnten sich auf ein weiteres Highlight freuen. Der Entwurf enthält eine steuerliche Forschungsförderung. Bis zu 200 Prozent der Kosten für Forschung und Entwicklung sollen von der steuerlichen Bemessungsgrundlage abgezogen werden dürfen. Zudem sind ein Abzug von fiktiven Finanzierungskosten für Eigenkapital und ein verbindlicher Mechanismus zur Schlichtung von Doppelbesteuerungs-Streitigkeiten vorgesehen.

Wünsche offen

Der GKKB-Relaunch lässt aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) allerdings auch Wünsche offen. So sollten auch Offene Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften als häufigste Unternehmensform im deutschen Mittelstand in das GKKB-Regelwerk einbezogen werden. Des Weiteren sollte die Zeit zur Verrechnung von Verlusten mindestens acht Jahre betragen.

Bekämpfung der Gewinnverkürzung

Und schließlich müssten die Maßnahmen der G20-/OECD-Staaten zur Bekämpfung der Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung (BEPS) einschließlich der entsprechenden Umsetzungsrichtlinien der EU-Kommission und die GKKB-Vorschriften widerspruchsfrei aufeinander abgestimmt sein. Andernfalls müssten Unternehmen doppelte Standards erfüllen. Sie wären im internationalen Wettbewerb sogar benachteiligt.

Nicht ohne alle EU-Minister

Ob und wie schnell die offenen Wünsche des DIHK in das künftige Regelwerk Eingang finden, ist zur Zeit offen. Ihnen müsste der EU-Ministerrat zustimmen – einstimmig. Und das kann dauern.

 

Hinweis der Redaktion – Stolperfallen im deutschen System

Übrigens hält das deutsche System einige Stolperfallen bereit, nicht nur für grenzüberschreitend tätige Steuerpflichtige. „SteuerSparbrief AKTUELL“ (1/2017 Januar) berichtet aber jetzt über ein Urteil des Finanzgerichtes Münster zur Berücksichtigung nicht elektronisch übermittelter Unterlagen bei der Steuerfestsetzung – mit überraschenden Konsequenzen für Steuerpflichtige.

Autor: Franz Höllriegel