26.11.2020

Erbschaftsteuer – So ermitteln Sie den Ertragswert

Teufel oder Belzebub: Zur Minderung der Erbschaftsteuer haben Sie die Wahl zwischen beiden. Die Frage ist: Welchen Betrag müssen Sie ans Finanzsamt abführen? Antwort finden Sie in einem Gutachten zum Verkehrswert oder in einem Ertragswertverfahren. Hier ein Überblick.

Erbschaftsteuer Ertragswert

Wieso müssen Sie als Erbe den Wert Ihres Unternehmens ermitteln?

Schon aus eigenem Interesse. Bei der Bewertung von Betrieben für die Erbschaftsteuer ist der Verkehrswert ausschlaggebend – also der am freien Markt erzielbare Verkaufspreis. Ihr Finanzamt setzt den gemeinen Wert an:

  • nach § 9 bzw. § 11 Bewertungsgesetz (BewG) an, wenn Anteile an Betriebsvermögen (Personen- oder Kapitalgesellschaften) zu Ihrer Erbmasse oder zu einem Schenkungsobjekt gehören.
  • anhand einer Unternehmensbewertung, wenn er sich nicht aus Verkäufen unter fremden Dritten ableitet, die weniger als ein Jahr zurückliegen.

Als steuerpflichtiger Erbberechtigter können Sie nun zwischen zwei Methoden in Abhängigkeit von Ihrem Konzept der geplanten Übergabe Ihres Unternehmens wählen:

  • dem vereinfachten Ertragswertverfahren (vEWV): hier erfolgt die Bewertung des involvierten Betriebsvermögen des Unternehmens anhand des Jahresertrags.
  • einer Unternehmensbewertung nach dem Standard „Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen” des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (kurz IDW S1)

Wie berechnet man beim vEWV den Jahresertrag?

Er errechnet sich als Durchschnitt der steuerlichen Betriebsergebnisse der letzten drei vollen, vor dem Bewertungsstichtag abgelaufenen, Wirtschaftsjahre (§ 201 BewG), ausgehend vom steuerlichen Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag unter Anpassungen für einmalige oder Sondereffekte sowie Bereinigung der tatsächlich gezahlten Steuern (§ 202 BewG). Für die Bewertung des involvierten Betriebsvermögen des Unternehmens setzt man diesen Jahresertrag als künftig nachhaltig zu erzielendes Ergebnis an und multipliziert ihn mit einem von der Finanzverwaltung vorgegebenen Kapitalisierungsfaktor.

Wie hoch ist dieser Kapitalisierungsfaktor?

Seit der Erbschaftsteuerreform 2016 ist er gesetzlich auf 13,75 festgeschrieben (§ 203 BewG). Das entspricht Kapitalkosten von rund 7,3 Prozent, die sich wiederum aus einem risikolosen Zinssatz sowie einem typisierten Risikozuschlag zusammensetzen. Vor der Reform war er für das Jahr 2016 bei 17,85 festgeschrieben und wurde jährlich vom Bundesministerium für Finanzen (BMF) angepasst.

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Der vereinfachte Ertragswert ergibt sich dann aus der Multiplikation des Jahresertrags mit dem Kapitalisierungsfaktor. Sind im Betriebsvermögen Beteiligungen an anderen Unternehmen enthalten, wird jeweils ebenfalls der gemeine Wert ermittelt und der Anteilsquote berücksichtigt.

Wie setzt die Finanzverwaltung Kunstgegenstände an?

Als nicht betriebsnotwendiges Vermögen separat mit einem gemeinen Wert. Das gilt für nicht dem originären Betriebszweck zurechenbare Vermögensgegenstände wie z.B.

  • Kunstgegenstände,
  • hohe Aktien- oder Geldbestände sowie
  • Grundstücke zur Veräußerung.

Der für erbschaftsteuerliche Zwecke anzusetzende „gemeine Wert” des Betriebsvermögens eines Unternehmens, das Ihnen als steuerpflichtigem Erben zusteht, ergibt sich aus:

  • dem vereinfachten Ertragswert des Bewertungsobjekts,
  • dem gemeinen Wert von Beteiligungen an anderen Gesellschaften sofern vorhanden und
  • gegebenenfalls dem Wert von nicht betriebsnotwendigem Vermögen sofern vorhanden.

Der gemeine Wert wird dann mit dem entsprechend anzusetzenden Steuersatz multipliziert, um die tatsächliche Erbschaftsteuerzahlung für den Erben bzw. den Beschenkten zu ermitteln.

Was wird als Basis für einen erzielbaren Kaufpreis herangezogen?

Bei einer teilweise oder vollständig geplanten Veräußerung der Unternehmensanteile der Unternehmenswert. In diesem Fall sind die in der Betriebswirtschaftslehre und Transaktionspraxis gängigen Bewertungsverfahren heranzuziehen. Für die Ableitung von Unternehmenswerten sind folgende Methoden für die Praxis anerkannt:

  • Ertragswertverfahren
  • Discounted Cashflow-Verfahren (DCF-Verfahren)
  • Multiplikatormethode

Das Ertragswertverfahren und das Discounted Cashflow-Verfahren nennt man Zukunftserfolgswertmethoden. Das bedeutet, dass sich der Wert eines Unternehmens aus seinen zukünftig erwirtschafteten Zahlungsströmen ableitet. Diese prognostizierten Zahlungsströme diskontiert man mit einem geeigneten Kapitalisierungszins auf den Bewertungsstichtag und ermittelt den Unternehmenswert als Barwert.

Der Erfolg der zu bewertenden Gesellschaft in der Vergangenheit fließt damit nicht unmittelbar in den Wert ein. Vielmehr bildet die Vergangenheit die Basis, um das zukünftige Potential des zu bewertenden Unternehmens zu erfassen.

Autor: Franz Höllriegel