09.10.2015

Nur Entfernungspauschale bei häufigen Fahrten zum Vermietobjekt

Neues Urteil des Finanzgerichts. Vermieter fahren zu ihren vermieteten Immobilien. Die Kosten dafür können sie als Werbungkosten von der Steuer absetzen. Jedenfalls einen Teil. Häufen sich solche Fahrten, wird es kritisch. Dann erkennt das Finanzamt nur noch einen Teil an. Zu Recht, wie der Newsletter „GmbH-Brief“ (13/2015) jetzt über ein unlängst ergangenes Gerichtsurteil berichtet.

Fahrtkosten Vermietung

Fahrtkosten nur bis 30 Cent pro Kilometer absetzbar

Kissing. 9. Oktober 2015 – Weit über hundert Fahrten zu einer Vermietimmobilie – das sind bereits Fahrten zu einer regelmäßigen Tätigkeitsstätte. Und somit können die Kosten dafür nicht in voller Höhe, sondern nur in der der auch sonst für Fahrten von und zur Arbeitsstätte üblichen Entfernungspauschale von 30 Cent als Werbungkosten abgesetzt werden. So entschied jetzt das Finanzgericht Berlin-Brandenburg, aus dem der neue „GmbH-Brief“ zitiert.

Fahrten in separatem Auto

In dem zu entscheidenden Fall hatte ein Vermieter im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung 215 Fahrten zu einer Mietimmobilie und 166 Fahrten zu einem weiteren Mietobjekt geltend gemacht. Für die Fahrten nutzte er einen separaten PKW. Mit dem fuhr er sonst keine privaten Strecken. Der Vermieter machte sämtliche Kosten für dieses Fahrzeug geltend.

Vermieter klagt ohne Erfolg

Zu viel, fand das Finanzamt. Dem Bericht im „GmbH-Brief“ zufolge gewährte es lediglich die Entfernungspauschale von 30 Cent je Doppel-Km. Dagegen klagte der Vermieter. Erfolglos. Die Richter des Finanzgerichts waren derselben Ansicht wie das Finanzamt.

Mietobjekte regelmäßige Tätigkeitsstätten

Auch sie sehen allein aufgrund der vielen Tage, an denen der Vermieter die Immobilien aufgesucht hatte, in den Mietobjekten regelmäßige Tätigkeitsstätten. Bei Fahrten dorthin sei nur die Entfernungspauschale abzugsfähig – „analog zu den Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte“, wie „GmbH-Brief“ schreibt.

Regelmäßige Arbeiten am Mietobjekt

Der Newsletter zitiert aus dem Urteil: „Bei 215 bzw. 166 Fahrten eines Vermieters in einem Jahr zu zwei Vermietungsobjekten, um dort Kontrollen und regelmäßige Arbeiten vorzunehmen, stellen beide Mietobjekte für den Steuerpflichtigen jeweils eine regelmäßige Tätigkeitsstätte dar.“

Sicht des Vermieters

Allerdings erscheint die Sicht des Vermieters zunächst nicht ganz unbegründet. Wie dem Bericht im „GmbH-Brief“ erklärt wird, gibt es durchaus auch die Möglichkeit, neben der Entfernungspauschale Kosten für Fahrten zu Vermietobjekten exakt auszuweisen und abzusetzen.

Einkünften aus Vermietung

Demnach zählen Fahrtkosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zu den Werbungskosten. Sie minderten so den Überschuss aus der Vermietung. Zur Ermittlung könne man die tatsächlich angefallenen Fahrtkosten anhand der Kilometerleistung berechnen, dem Finanzamt nachweisen und als Ausgabe absetzen.

Moral von der Geschicht‘

Nur eben nicht unbegrenzt, wie das Gericht nun klargestellt hat. Es ist wie beim Kochen von Wasser. Wird zu viel Energie zugeführt, ändert sich der Aggregatzustand: dort von Wasser zu Dampf, hier von einzelnen Fahrten zu einer Immobilie zu regelmäßigen Fahrten zu einer Arbeitsstätte. Die Moral von der Geschicht‘: Übertreiben lohnt sich nicht.

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Autor: Franz Höllriegel