16.05.2017

Elektrofahrzeuge prädestiniert zum Firmenwagen

Jedes zweite Industrieunternehmen rechnet mit Anschaffung von E-Fahrzeugen. Erst vergangene Woche sorgten Pläne für Fahrverbote von Diesel-Fahrzeugen für Aufregung in Unternehmerkreisen. Verfrüht? Immer mehr Unternehmen erwägen einen Umstieg auf Elektrofahrzeuge. Die könnten den Vorreiter künftiger flächendeckender Elektromobilität spielen.

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Elektrofahrzeuge bald in jedem zweiten Unternehmen

Und das könnte schneller eintreten als gedacht. Schon jetzt geht rund jedes zweite deutsche Industrieunternehmen (49 Prozent) davon aus, dass es in den kommenden zehn Jahren Elektrofahrzeuge für den eigenen Fuhrpark oder als Firmenwagen anschaffen wird. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 506 Unternehmen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Anschaffung in den kommenden zehn Jahren?

Befragt wurden Industrieunternehmen mit mehr als neun Mitarbeitern. Die Fragestellungen lauteten: „Erwarten Sie, dass Ihr Unternehmen in den nächsten zehn Jahren Elektroautos als Firmenwagen bzw. für den Fuhrpark anschafft?“ und „Warum nutzen Sie in Ihrem Unternehmen keine Elektrofahrzeuge?“

Mobilität der Zukunft ist E-Mobilität

Dabei halten 37 Prozent einen solchen Kauf für eher wahrscheinlich, jedes achte (12 Prozent) für sehr wahrscheinlich. „Die Mobilität der Zukunft ist E-Mobilität, die in ein intelligentes, digitales Energiesystem eingebunden ist“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Wenn künftig mehr und mehr Unternehmen auf Elektrofahrzeuge setzen, werde dies auch den Erfolg bei Privatkunden vorbereiten.

Ansteigen der Zahl von E-Autos

Rohleder gründet seine Zuversicht auf ein künftiges Ansteigen der Zahl von E-Autos verschiedener Hersteller auf unseren Straßen, eine bessere Ladeinfrastruktur und auch deutlich sinkende Preise für die Fahrzeuge. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf den deutschen Straßen fahren.

Geringe Reichweite

Wichtigstes Argument gegen den Kauf von E-Autos ist bislang eine zu geringe Reichweite (76 Prozent), gefolgt von den hohen Anschaffungskosten (46 Prozent). Für rund jedes vierte Unternehmen (29 Prozent) spricht der Aufwand, E-Autos in den bestehenden Fuhrpark zu intergieren, gegen die Anschaffung, etwa weil dafür zusätzliche Wartungsverträge nötig sind oder Ladestationen installiert werden müssen. Jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) beklagt, dass es bislang kein E-Modell gibt, das die eigenen Anforderungen erfüllt, etwa was den Komfort oder eine ausreichende Ladefläche betrifft.

Hamburg treibt E-Ausbau voran

Unterdessen treiben Städte wie Hamburg den Ausbau der Elektromobilität massiv voran. Die Hansestadt plant bereits, das gesamte Bussystem auf alternative Antriebe umzurüsten. Jetzt hat einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ zufolge Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch eine Grundsatzvereinbarung mit dem Autobauer BMW unterzeichnet. Sie sieht vor, dass die gesamte Hamburger Flotte des Carsharing-Anbieters DriveNow – ein Joint Venture von BMW und dem Autoverleiher Sixt – bis 2019 umgerüstet wird und dann bis zu 550 Fahrzeuge mit E-Antrieb anbietet. Darunter sollen etwa 400 reine Elektro-Autos sein und etwa 150 Plug-in-Hybride. Die Stadt wird den Ausbau fördern, indem sie bis 2019 schrittweise insgesamt 1.150 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge im Stadtgebiet zur Verfügung stellt. Außerdem will Hamburg als erste Stadt in Deutschland in nennenswertem Umfang Parkplätze für Carsharing- und Elektrofahrzeuge anbieten.

Kaufprämie beginnt zu wirken

Wie das „manager magazin“ berichtet, beginnt zudem die deutsche Kaufprämie für Elektroautos langsam zu wirken. Nach langer Stagnation setzten die Hersteller seit einigen Monaten spürbar mehr Batteriefahrzeuge in der Bundesrepublik ab. Im ersten Quartal des Jahres sei der Anteil erstmals über die Ein-Prozent-Marke gesprungen und liege derzeit bei 1,2 Prozent. Die Behörden ließen 10.328 Elektroautos zu, knapp doppelt so viele wie im Vorjahresquartal.

E-Firmenwagen und die Steuer

Immer mehr Unternehmen dürften sich vor diesem Hintergrund die Frage stellen, ob die Zuteilung von Firmenwagen mit Elektroantrieb aufgrund der Kaufprämie nicht eine kostengünstige Alternative darstellt. Bislang schon ist der Firmenwagen nach wie vor äußert begehrt, berichtet „SteuerSparbrief AKTUELL“ (6/2017 Mai). Er gelte nicht wenigen Beschäftigten als Ritterschlag. Allerdings müssen sie private Nutzung versteuern – ein Nachteil, der möglicherweise durch die Kaufprämie abgemildert würde.

Autor: Franz Höllriegel