News | Management 19.08.2015

Einmal Dirigent sein – Therapie gegen Mikromanagement

Workshop gegen Mikromanagement an der Alten Oper Frankfurt. Mikromanager, eine gefürchtete Spezies in jedem Unternehmen. "Ganz schlimm", wie der Dirigent Raphael von Hoensbroech findet. Er leitet an der Alten Oper Frankfurt Seminare für Unternehmensführung. Darin zieht er Analogien zwischen der Unternehmensführung und dem Leiten eines Orchesters. Gegen Mikromanager, eine "gefürchtete Spezies in jedem Unternehmen".

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Menschenführung, nicht Musiktheorie – Mikromanagement

Frankfurt/M. 17. August 2015 – Es geht um Menschenführung, nicht um Musiktheorie oder Werkanalyse, um universale Erfahrungen aus zwei unterschiedlichen Welten. So die Philosophie seiner Seminare, die Raphael von Hoensbroech jetzt in einem hoch interessanten Interview mit dem „manager magazin“ zum Besten gibt.

Von Hoensbroech, Wandler zwischen Welten

Von Hoensbroech (38) ist dem Bericht zufolge promovierter Musikwissenschaftler, Geiger und Dirigent, hat als Principal bei der Boston Consulting Group etliche Großunternehmen beraten. Seit 2012 verantwortet er als Geschäftsführender Direktor die kaufmännische Leitung des Konzerthauses Berlin am Gendarmenmarkt – und leitet an der Alten Oper in Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Jungen Deutschen Philharmonie Seminare über Unternehmensführung.

Teilnehmer auch komplett unmusikalische Manager

Teilnehmer der Seminare sind von Hoensbroech zufolge Unternehmenschefs, selbst komplett unmusikalische Manager. von Hoensbroech: „Die Teilnehmer müssen selbst kein Instrument spielen und erst recht noch nicht am Dirigentenpult gestanden haben.“

Unmittelbares, als Zuschauer nicht erlebbares Klangerlebnis

Zur Vorgehensweise in den Seminaren von Hoensbach: „Wir steigen sanft ein.“ Er bitte die Führungskräfte, sich zunächst passiv in die Szene zu wagen und einen Platz zwischen den Orchestergruppen zu suchen. Das unmittelbare, aus dem Zuschauerraum sonst nicht erlebbare Klangerlebnis ziehe die Teilnehmer verlässlich in den Bann. Sie erlebten hautnah mit, wie sich das Verhalten des Dirigenten auf die Arbeit der Musiker auswirkt. von Hoensbach: „Und weil diese Lernerfahrung emotional erlebbar wird, wird sie im Hirn stärker verankert, wie die Neurowissenschaft weiß.“

Was bedeutet eigentlich „Führen“?

Die Teilnehmer erführen, was Führen eigentlich bedeutet. Der Dirigent sei der einzige auf der Bühne, der keinen Ton selbst spielt. Aber er habe zwischen 30 und 120 Experten vor sich sitzen, die alle etwas können, was er nicht kann. Der Dirigent selbst beherrsche kaum eins der benötigten Instrumente. von Hoensbach: „Schon das ist eine wichtige Erkenntnis für viele.“ Ähnlich müsse auch ein Manager nicht alles können, was sein Team kann, und könne trotzdem Chef im Ring sein.

Mikromanager nehmen dem Team die Kraft

Ein Manager, der in jedes Detail hinein führe, nehme seinem Team die Kraft. Der sogenannte Mikromanager wird im Seminar nachgespielt. Von Hoensbach beginnt, einzelnen Instrumenten Vorgaben für nahezu jede Note zu machen. Danach fragt er die Teilnehmer, was passiere, wenn er sie 30 Minuten so führe. Die Spontane Antwort sei immer: „Ich halte das keine 30 Sekunden aus!“

Autor: Franz Höllriegel