23.08.2018

Eigene Stromversorgung im Unternehmen?

Steigende Strompreise, schleppender Netzausbau, eine überdimensionierte EEG-Umlage – Gründe genug für Betriebe, über eine eigene Stromversorgung nachzudenken.

Für die eigene Stromversorgung im Betrieb gibt es einige Fördermöglichkeiten.

Hoher Strompreis und schleppender Netzausbau

Hoher Strompreis und schleppender Netzausbau bereiten den Unternehmen Sorgen. Das zeigt die im September 2017 vom DIHK vorgestellte IHK-Umfrage zur Energiewende. Die Strompreise haben sich danach für Deutschland mittlerweile zu einem echten Standortnachteil entwickelt. Die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), Netzentgelte, Stromsteuer und weitere Umlagen machen für die Industrieunternehmen inzwischen rund 80 Prozent der Stromkosten aus, so DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Spricht eigentlich noch etwas gegen eine eigene Stromversorgung im Betrieb?

Denn mittlerweile sind die aufgezählten Zusatzkosten viermal so hoch wie der eigentliche Strompreis. Allein die EEG-Umlage hat in den vergangenen vier Jahren um 30 Prozent zugelegt. Als größtes Risiko für die künftige Kostenentwicklung und eine sichere Stromversorgung kommt laut Schweitzer ein „Netzausbau im Zeitlupentempo“ hinzu. Darunter litten vor allem die für die Gesamtwirtschaft wichtigen Betriebe in Süddeutschland mit einem hohen Energiebedarf.

Unabhängigkeit von den kommerziellen Anbietern

Gründe genug für Betriebe, über eine Stromversorgung im eigenen Betrieb nachzudenken – ganz oder teilweise unabhängig von der Preisstrategie der kommerziellen Stromanbieter.

Eigene Stromversorgung: Diese Möglichkeiten gibt es

Photovoltaik (PV)

Der Klassiker sowohl für private Haushalte als auch für gewerbliche Nutzer ist die Nutzung von Solarstrom über eine Photovoltaikanlage mit Speicher. Ein Unternehmen kann:

  • überschüssigen Solarstrom speichern
  • ihn später nutzen
  • in das Stromnetz einspeisen
  • ihn als eine Art Mitarbeiterbindung den Privathaushalten der Arbeitnehmer überlassen

Zur Speicherung bieten sich zwei Möglichkeiten an:

  • ein geeigneter betriebseigener Stromspeicher
  • eine Cloud

Der Begriff „Cloud“ ist an die Wolke aus der IT-Welt angelehnt. Tatsächlich handelt es sich aber um das Stromnetz. Dabei speichert ein Betrieb überschüssigen Strom in das Netz ein und kann eine äquivalente Menge an Öko-Strom bei Bedarf kostenneutral wieder abrufen. Cloud-Lösungen bieten derzeit folgende Unternehmen an: E.ON, EnBW, EWE, Sonnen, Deutsche Energieversorgung sowie einige regionale Energieversorger.

Blockheizkraftwerk (BHKW)

Vor allem im Winter reicht die Stromversorgung aus Solarenergie nicht aus. Hierfür bietet sich ergänzend die Einrichtung eines Blockheizkraftwerks an. Dieses nutzt Diesel oder Erd- und Biogas als Brennstoff, um Strom und Heizwärme zu erzeugen. Die Speicheranlage sollte für die Bedürfnisse des Unternehmens maßgeschneidert sein.

Investitionskosten und staatliche Förderung für die eigene Stromversorgung

Vor der Entscheidung für eine vollständige oder teilweise Selbstversorgung steht die Frage der erforderlichen Investitionskosten. Sie können je nach Betriebsart und -größe sehr unterschiedlich sein. Für eine 20-Kilowatt-Photovoltaikanlage sind beispielsweise Kosten von rund 25.000 Euro einzukalkulieren – zuzüglich Wartungskosten. Ein Blockheizkraftwerk ist dabei wartungsintensiver als Photovoltaik.

Finanzielle Anreize zur Einrichtung eines Blockheizkraftwerkes bieten entsprechende Förderprogramme. Wichtige Förderer sind:

  • das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
  • die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
  • der Bund
  • die Bundesländer
  • die Regionen

Fördermöglichkeiten des BAFA

Wer wird vom BAFA gefördert? KMU
Welche Maßnahmen werden gefördert? 1.) Energieberatung

2.) Umsetzungsbegleitung

Art der Förderung 1.) Zuschuss i.H.v. 80 % der Kosten; für Betriebe mit Energiekosten bis 10.000 €/Jahr, aber max. 800 €, bei Energiekosten höher als 10.000 €/Jahr max. 8.000 €
2.) Zuschuss i.H.v. 80 % der Kosten; für Betriebe mit Energiekosten bis 10.000 €/Jahr, aber max. 800 €, bei Energiekosten höher als 10.000 €/Jahr max. 8.000 €
Nähere Infos unter www.bafa.de

Fördermöglichkeiten der KfW

Wer wird von der KfW gefördert? Unternehmen jeder Größe
Welche Maßnahmen werden gefördert? 1.) Einbau von Brennstoffzellen
2.) Nutzung von Abwärme
3.) Einrichtung, Erweiterung und Erwerb von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien
4.) Bei Photovoltaik Anlagen: Nutzung von stationären Batteriespeichersystemen
5.) Solarkollektoranlagen, Anlagen zur Verbrennung von Biomasse, Wärmespeicher, kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung
Art der Förderung 1.) Zuschuss bis 28.000 € je Brennstoffzelle
2.) Kredit, ab 1 % eff. Jahreszins, für KMU 40–50 % Tilgungszuschuss zu den Investitionskosten
3.) Kredit, ab 1,26 % eff. Jahreszins
4.) Kredit, ab 1,10 % eff. Jahreszins, 10–16 % Tilgungszuschuss zu den Investitionskosten
5.) Kredit, ab 1 % eff. Jahreszins, Tilgungszuschuss möglich
Nähere Infos unter www.kfw.de
Autor: Franz Höllriegel