17.02.2020

Effektives Selbstmanagement – Humor statt Ärger

Wenn man nicht alles selbst macht … dann kann man sich als Chef manchmal in Grund und Boden ärgern. Sollten Sie aber nicht, raten Experten. Sowas macht krank. Schlechter Schlaf, Magengeschwüre, Krebs. Nehmen Sie es mit Humor! Entärgerung ist hier die beste Medizin.

Selbstmanagement

Wie ist Entärgerung zu verstehen?

Wie bei der Entschleunigung das Gegenteil von Hast und Eile ist damit das Gegenteil von Ärger gemeint, eine Deeskalierung der Gefühle. Sicher: Als Führungskraft haben Sie viele Gründe, sich zu ärgern. Mitarbeiter, die nicht tun, was sie sollen, nicht mitdenken und so Fehler bei der Arbeit machen. Wenn Sie sich über Dauerprozesse ständig ärgern, besteht die Gefahr, krank zu werden. Kann das wirklich Ihr Ziel sein? Machen Sie es sich deshalb zum Prinzip, sich zu entärgern!

Wieso sollten Sie sich entärgern?

Ganz einfach: Sie können die Welt nicht auf Befehl verändern. Sie ändert sich nicht dadurch, dass Sie sich ärgern. Aber Ihre Sicht auf die Welt können Sie ändern. Das hilft beim Entärgern.

Gibt es dafür ein Patentrezept?

Sicher nicht. Aber es gibt einige Hilfsmittel. Zum Beispiel:

  • Humor,
  • weniger Perfektionismus,
  • Mitarbeiter nehmen, wie sie sind,
  • das Gespräch.

Wie kann Ihnen Humor helfen beim Entärgern?

Eine humorvolle innere Haltung schafft Abhilfe. Man sagt, Humor sei, wenn man trotzdem lacht. Der Dichter und Schriftsteller Achim Gercke fasste demgegenüber 1946 das Wesen von Humor in folgenden Zeilen zusammen:

Der hat Humor!

Humor hat, wer mit sich’rem Blick

das Gute sieht im Mißgeschick,

wen Bosheit, Neid nicht ewig kränkt,

wer milde von dem andern denkt,

wer seines Nachbarn Glück erträgt

und Kummer nicht mit Sorgfalt pflegt,

wer lächelnd heiße Tränen stillt,

wer heiter ernste Pflicht erfüllt,

wer lacht, wenn hohle Wichtigkeit

tierischen Ernstes und Eitelkeit

voll Stolz der Dummheit Robe trägt,

wer sich nicht immer gleich erregt,

wenn die Gerechtigkeit mal nicht siegt,

wer, wenn er auch am Boden liegt,

das, was ihm blieb, voll Freude zählt,

wer Schweiß für doch erfreulich hält,

wer den Erfolg für Glück erachtet,

wer kleine Freuden nicht verachtet,

wer so gesehen oben schwimmt

und sich nicht allzu wichtig nimmt,

die eigene Persönlichkeit

betrachten kann mit Heiterkeit,

der hat Humor!

Sie werden sehen: plötzlich ergibt sich eine Situationskomik, und alle müssen lachen oder wenigstens schmunzeln. Wir ärgern uns über Verhaltensweisen anderer, weil sie scheinbar gegen uns agieren. Das ist jedoch meistens nicht der Fall. Im Gegenteil: Andere sind, wie sie sind, und handeln entsprechend. Dabei merken sie oft nicht, dass sie Ärger hervorrufen. Also:

  • Hören Sie auf, zumal als Führungskraft Dinge auf sich zu beziehen!
  • Betrachten Sie sie aus der Adlerperspektive!
  • Schmunzeln Sie darüber!
  • Gewöhnen Sie sich an, Ihrem Mitarbeiter Merkzettel oder E-Mails zu schreiben!
  • Verfassen Sie einen humorvollen Kommentar!

Darüber kann vermutlich auch Ihr Mitarbeiter lachen. Durch den Humor entspannt sich die Situation. Oft löst sich dann das Problem wie von selbst.

Was soll das heißen: weniger Perfektionismus?

Ja, nicht? Eigentlich unverständlich. Man will doch schließlich die Arbeit perfekt erledigt sehen. Wie sagt ein japanisches Sprichwort: Was sich lohnt, begonnen zu werden, lohnt sich auch, perfekt beendet zu werden. Mag sein. Aber man sollte es nicht übertreiben. Und Perfektionismus ist, wie so mancher andere Ismus auch, eine Übertreibung.

  • Vergessen Sie also Ihren Perfektionismus!
  • Gewöhnen Sie sich ihn regelrecht ab!
  • Geben Sie Ihr Bestes, aber seien Sie sich darüber im Klaren, dass nicht alles hundertprozentig gelingen kann!

Sie werden sehen:

  • Sie werden sich selbst weniger kritisieren.
  • Sie werden gelassener.
  • Sie werden über manche Unzulänglichkeiten lachen, vor allem über die eigenen.

Spielen Sie Ihren Mitarbeitern nicht den perfekten Chef vor! Sie haben Ihre Schwächen ohnehin längst erkannt und machen hinter Ihrem Rücken lediglich Witze über Sie, wenn Sie das vertuschen wollten. Lachen Sie stattdessen selber mit Ihren Mitarbeitern über den einen oder anderen Kalauer. Damit sind nicht ernste oder existenzbedrohende Dinge gemeint. Es sind doch nur kleine Begebenheiten. Sie sind es nicht wert, sich darüber zu ärgern.

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Nehmen Sie die Menschen so, wie sie sind? Was ist damit gemeint?

Dass Sie von Ihren Mitarbeitern nicht erwarten, Ihre Denkweise anzunehmen und Ihrer Arbeitsweise zu folgen. Das würde sowieso nicht in Erfüllung gehen, sondern sorgt lediglich für Ärger. Mitarbeiter haben unterschiedliche Charaktere und Leistungsvermögen. Daher lösen sie Aufgaben nach ihren Möglichkeiten. Leiten Sie sie mit typgerechten Arbeitsmethoden an! Das schont Ihre Nerven und entschärft die Zusammenarbeit.

Gleiches gilt für Kunden, Lieferanten und andere Geschäftspartner. Auch sie lassen sich nicht verändern, wohl aber der Umgang mit ihnen.

Was sollen regelmäßige Gespräche bringen?

Sie wirken präventiv entärgernd. Als Chef erfahren Sie, was Ihre Mitarbeiter bewegt, und können sich austauschen. Nutzen Sie neben den formellen Mitarbeitergesprächen Gelegenheiten für das informelle Gespräch, zum Beispiel morgens in der Teeküche oder beim Rundgang durch den Betrieb. Vergessen Sie insbesondere nicht, mit Ihren Mitarbeitern zu lachen. Humorvolle Chefs wirken sympathischer und erzeugen weniger Angst.

Sie können sich über viele Dinge ärgern. Aber was bringt das Ihnen? Seien Sie ehrlich: meistens doch nichts. Fragen Sie sich bei Ihrem nächsten Ärger einmal: „Ist es mir die Sache wert, dass ich meine Gesundheit dafür opfere?“ In der überwiegenden Zahl der Fälle wohl nicht, oder?

  • Gewinnen Sie Abstand zu den Dingen!
  • Nehmen Sie das Verhalten anderer nicht persönlich!
  • Suchen Sie den humorvollen Teil einer Situation!

Damit tun Sie viel für Ihr persönliches Entärgern. Frohsinn und gute Laune wirken ansteckend. Das wirkt sich positiv auf Ihr Umfeld aus. Trotz fortwährendem Ermahnen arbeiten Mitarbeiter immer wieder mal fehlerhaft. Mit dem persönlichen Gespräch verändern Sie. Leiten Sie Ihre Mitarbeiter mit Fragen an, die Folgen ihres Handelns zu erkennen. Aus dieser Erkenntnis kann Einsicht erfolgen. Und Einsicht zieht eine Veränderung nach sich.

Ihr Mitarbeiter vergisst ständig, was Sie ihm sagen. Hat er keine Lust? Will er Sie ärgern? Bei näherem Betrachten stellen Sie fest, dass Ihr Mitarbeiter vergesslich ist – oder auch nur schusselig.

Übrigens: eine gute Methode, sich das Ärgern abzugewöhnen, kennen Sie bestimmt noch aus Ihrer Kindheit. Wie oft haben Sie im Familien- oder Freundeskreis das unterhaltsame Spiel „Mensch, ärger‘ dich nicht!“ gespielt – und verloren, und sich geärgert. Haben Sie deswegen auch nur einmal das Spiel gewonnen? Nein. Sie haben gewonnen, als sie das Spielfeld wieder aufklappten, das vorige verlorene Spiel vergaßen und im beiläufigen angeregten Gespräch mit Ihren Mitspielern der neuen Spielrunde eine Chance gaben. Ärgern Sie sich also nicht! Alles wird gut.

Autor: Franz Höllriegel